Tempus fugit - Schultheater
Freie Waldorfschule Schopfheim 2011
 
 
"El Mundo"
Helden der Küche

Eigenproduktion

Regie: Tim Krause

 
 
> zum Stück
 
> Inhalt
 
> Probenarbeit
 
> Presse
 
> Fotos
 
> es spielen
 
 
zum Stück

Nach einer viel zu kurzen Nacht klingelt um 8:00 Uhr Ihr Wecker, Sie bringen ihn für kurze Zeit zum Schweigen und drehen sich noch einmal um. Nach fünf Minuten reißt sie der Wecker erneut aus Ihren Träumen. Sie stehen auf und gehen erst einmal ins Bad. Aus dem Spiegel schaut Ihnen eine müde Person mit Augenringen entgegen. Nach einer kurzen Dusche fühlen Sie sich schon etwas besser, Sie ziehen sich an und schlurfen in die Küche, um einen Kaffee zu machen. Es ist bereits 8:30, in einer viertel Stunde müssen sie los.

Der Kaffee ist fertig, während Sie die noch viel zu heiße Brühe trinken, blättern sie die Zeitung durch, um festzustellen, das sich mal wieder nichts geändert hat.

Dann ist es plötzlich schon 8:45, Sie stellen Ihre Tasse in das Spülbecken und gehen los. Die Straßenkaffees stellen gerade Ihre Stühle raus und der Kiosk seine Postkarten.

Jetzt biegen Sie wie jeden Morgen in die Straße ein in der sich das Restaurant „El Mundo“ befindet, der Lastwagen des Gemüsehändlers versperrt die halbe Straße. Sie gehen um das Gebäude herum zum Personaleingang. Sie atmen noch einmal die frische Morgenluft ein und betreten dann die Küche...
 
 
Inhalt

Das Stück erzählt einen Tag in der Großküche des Restaurants El Mundo. Der Tag beginnt gemächlich und ruhig. Aber schon am Mittag entwickelt sich der alltägliche Stress, der sich bis zum Abend in ein regelrechtes Chaos steigert. Je später es wird, desto mehr gleicht die Küche einem Irrenhaus. Sie muss funktionieren wie eine Maschine und jeder einzelne Mitarbeiter ist ein Teil von ihr, wie ein Rädchen im Getriebe. Sobald eines davon nicht richtig funktioniert, gerät die Maschinerie durcheinander und der gesamte Rhythmus der Küche kommt ins Schwanken.

Viel Menschlichkeit geht während der Arbeit unter und kommt erst in der Pause wieder hervor. Hier bleibt Raum, um über die persönlichen Träume und Wünsche zu reden. Aber auch während der Arbeit selber kommen verschiedene Charakterzüge und Persönlichkeitsaspekte der Mitarbeiter zum Vorschein. Das Stück schafft ein symbolisches Abbild unserer Gesellschaft in Form einer Großküche. Es spiegelt die Welt als Küche mit ihren kleinen Streitereien, ihren Alltagssorgen und ihrem Humor.
 

 
Probenarbeit

Unsere Probenarbeit begann erst vereinzelt an einigen Nachmittagen in unserem Schulalltag. Ab Januar trafen wir uns einige Male mit dem Team von Tempus Fugit. Die Proben dienten in erster Linie dem gegenseitigen Kennenlernen und der Stückfindung.

Verschiedene Spiele und Übungen halfen uns, in die Theaterarbeit einzusteigen. Ende Mai trafen wir uns ein letztes Mal und stimmten über das Thema unseres Stückes ab.

Neben der Arbeit an konkreten Szenen tasteten wir uns langsam an die eigenen Rollen heran. Da unser Theaterstück nicht doppelt besetzt ist, bekam jeder seine eigene Rolle, die er individuell formen konnte.

Die intensiv Probenarbeit begann vier Wochen vor der Aufführung. Als wir mit diesen Proben begonnen hatten, wurde uns schnell klar, wie wichtig die Anwesenheit und Präsenz von allen ist, denn fast alle sind das ganze Theaterstück auf der Bühne. Wir erarbeiteten uns am Anfang alle Szenen einzeln und setzten sie dann am zusammen. Zwischendurch hatten wir Einzelproben, um unsere individuellen Rollen zu festigen.

Neben der Probenarbeit, hatten wir einige Organisationstage, um uns um Werbung, Sponsoren, Kostüme; Bühnenbild und Technik zu kümmern.
 
 
Presse

MT vom 28.7.11

Messer wetzen im Küchen-Tollhaus

„El Mundo: Zwölftklässler der Waldorfschule brutzeln und servieren eine köstliche Revue

Von Jürgen Scharf

SCHOPFHEIM. Sie lassen es brutzeln: Hektisch geht es zu in der Großküche der Waldorfschule Schopfheim. Da werden die Messer und Gabeln gewetzt. Die zwölfte Klasse steht an den Herden im Restaurant „El Mundo“. An der Decke des großen Saals hängen Pfannen, Töpfe, Schöpflöffel. Die Küchenbrigade kocht mit Berserkerwut, als ging’s ums Leben. Die Welt als Küche - die Küche als Welt.

Das Stück „Helden der Küche“, eine Eigenproduktion, spielt am Arbeitsplatz Küche. Und da muss man wissen: Küche ist Krieg. Zumindest sieht sie so aus wie ein Schlachtfeld. Wie im Akkord wird gebraten, gekocht und gebacken, mit Geschirr gescheppert und wild in Schüsseln gerührt, dass sich die Tische biegen.

Die Koch-Schüler haben sich weiße Kochmützen aufgesetzt, die Schülerinnen tanzen als Kellnerinnen mit roten Schürzchen und balancieren Serviertabletts. Alle rennen wie verrückt herum, je mehr der Zeiger der Uhr sich gegen Mittag dreht. „Wo bleibt die Tomatensoße?“. „Zwei Mal Heilbutt!“ - „Ist noch nicht fertig!“ „Schnitzel mit Pommes!“ „Hühnchensalat!“ Diese Anti-Helden der Küche machen richtig Action. Das Arbeitsumfeld ist das beste Spielfeld für Animositäten, Ranküne, Rachegelüste, Händeleien, kurz: für Kleinkrieg.

Die Menschlichkeit kommt unter die Räder und erst wieder in der Pause zu Tage. Da träumt sich das Personal von „El Mundo“ in eine andere Welt. Sie hängen Tagträumen nach. Einer der Köche träumt von Meisterwerken der Küche, ein anderer hat nur Mädchen im Kopf. Eine Köchin will Hollywoodstar werden, eine Kellnerin schwärmt von einer Safarireise, eine andere von der Heirat mit einemreichen Gast. Aber alle sind doch in der Küche gelandet, dieser Welt im Kleinen.

Und wieder geht der Zeiger der Uhr voran. Bald herrscht das große Brutzeln. Als Tagesmenü kredenzen die Zwölftklässler im vollbesetzten „Restaurant“ einen Chaos-Brei. Dass sie nicht Halbgegartes auf den Tisch bringen, auch keine Fast- Food-Orgie veranstalten und dass nichts anbrennt, dafür hat ein Team vom Lörracher Theater Tempus fugit gesorgt, das bei der Einstudierung des Stücks geholfen hat.

Es ist eine psychologische Studie geworden, das Abbild einer Gesellschaft anhand einer Großküche. Man nimmt Teil an den Sorgen und kleinen Streitereien, freut sich am Witz und Humor dieser Küchenrevue mit Musik und Tanz, am Kellnerinnen- Ballett und der kleinen Live-Koch-Band.

Bedrohlich steigt die Klimax an bis zu einem irrwitzigen Geklapper, einem Pfannen- und Topf-Ostinato, „Schneller, schneller“ ist die Devise der unsympathischen Chefin und ihres Küchenchef- Antreibers. So bleibt es nicht aus, dass einer aus der Crew mal durchdreht in diesem Tollhaus namens Küche.

Doch es kommt nicht gar so schlimm wie in manchen Filmen Fellinis („Das große Fressen“)* oder Peter Greenaways „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“, in dem es um Kannibalismus geht. In „El Mundo“ dreht sich alles mehr um soziale und zwischenmenschliche Spannungen, Beziehungskisten, Eifersüchteleien, Rivalitäten. Es menschelt. Also insgesamt leichte, schmackhafte Theaterkost - dafür ein Michelin-Stern!

* Anmerkung: Regie im Film "Das große Fressen" führte Marco Ferreri und nicht Fedrico Fellini.



BZ vom 26.07.2011

Ein brodelnder Arbeitstag in der Küche

Zwölftklässler der Waldorfschule führten als Eigenproduktion das Theaterstück "El Mundo — Helden der Küche" auf / Verdienter Applaus für eine tolle Leistung

Von unserer Mitarbeiterin Roswitha Frey

SCHOPFHEIM. Morgens um acht ist die Küchen-Welt noch in Ordnung: Da wird die Küche gefegt, der Lieferant schleppt Gemüsekisten herbei, nacheinander trudeln Köche, Küchengehilfen und Servicekräfte ein. Wie hektisch, chaotisch, stressig, hitzig und brodelnd so ein Arbeitstag in einer Großküche ablaufen kann, demonstrierte die zwölfte Klasse der Waldorfschule in ihrem Theaterstück "El Mundo — Helden der Küche" , das an zwei Abenden im Festsaal der Freien Waldorfschule aufgeführt wurde und riesigen Beifall bekam.

Ein Musikertrio in Küchenkluft, mit Kochmütze und Schürze, spielt zur Einstimmung, bevor das Spektakel auf der Bühne losgeht. Das Küchenpersonal erscheint und schnippelt, schneidet, rührt, hantiert emsig mit Töpfen, Schüsseln und Pfannen. Die Kellnerinnen tragen Tabletts hin und her, geben Bestellungen durch. Ein Gerenne, Gerufe, Gebrüll. An den Herden wird geschuftet, dass der Schweiß nur so strömt: Kochen als knallharter Knochenjob.

Der Schauplatz Küche wird in dieser Eigenproduktion der Waldorfschüler zum Mikrokosmos, zum Abbild der Gesellschaft im Kleinen: Da arbeiten junge Leute aus verschiedensten Ländern zusammen, eine bunte, internationale Mischung. Alle haben ihre Eigenheiten, Träume, Wünsche, Hoffnungen. Um solche Menschen in einer Restaurantküche, um Spannungen, Eifersüchteleien, Rivalitäten und Reibereien, geht es in diesem Stück, das die zwölfte Klasse gemeinsam mit einem Team des Theaters Tempus fugit, Tim Krause, Maren Schrader, Eva Hintermaier und Elias Füchsle, einstudiert hat. Texte, Bühnenbild und Kostüme wurden ebenfalls von den Waldorfschülern selbst erarbeitet. Die professionelle Unterstützung durch das Theater Tempus fugit macht sich positiv bemerkbar, denn die Inszenierung hat viel Tempo, Verve, auch Humor, einen guten dramaturgischen Spannungsaufbau, starke Figuren von persönlichem Profil und einen sich unaufhörlich steigernden Rhythmus. Auch Sozialkritisches und aktuelle Politik spielt in manchen Dialogen hinein, wenn sich die griechischen Köche über die Demonstrationen in Athen, das Image des verschuldeten Griechenland und die EU-Probleme echauffieren. Andere Köche träumen davon, nicht nur Schnell-Gerichte für die Masse zuzubereiten, sondern Meisterwerke der Kochkunst zu zaubern. Sympathisch menschelt es in der Szene der Kellnerinnen in roten Schürzchen, die von ihren Lebensträumen erzählen: Vom Kinderkriegen, einem reichen Gast, der ihnen einen Heiratsantrag macht, von einer Rucksacktour durch Australien.

Voll aus dem Leben gegriffen, für die Theaterbühne etwas zugespitzt, sind die verschiedenen Typen, die sich an den Herden abrackern: Da ist der cholerische, streitsüchtige Koch Peter (Nils Herzner), der gern den Macho raushängt, da ist der neue Koch Kevin aus Irland (Marvin Leu), der zum Rädchen in dieser Küchen-Maschinerie wird, da ist der französische Küchengehilfe Francois (Benedikt Arnold), der den Job von der lässigen Seite sieht, oder der Bäcker Paul (Paul Klapprott), der mit Peter aneinander gerät. Und da ist die warmherzige, lebenslustige Anna-Maria (Lea Vogel) an der Kaffeetheke, eine patente Schönheit mit dem Herz auf dem rechten Fleck.

Ein Hauch von Dürrenmatt kommt auf, wenn Anna Wehkamp als arrogante Restaurantbesitzerin Marangu mit Fuchsstola die Küche inspiziert und alle strammstehen vor der Frau, die mit ihrem Geld eiskalt und skrupellos Macht ausübt. Streng und unerbittlich treibt auch Jonathan Theismann als Chef im Anzug das Personal zur Arbeit an: "Schneller, schneller, schneller!". Das Arbeiten unter Stress und Hochdruck entlädt sich in einen atemlosen, unerbittlichen Rhythmus und ohrenbetäubenden Lärm. Die Akteure schlagen mit Löffeln, Messern, Pfannen, Brettern, Töpfen und Tabletts lautstark den Rhythmus, rennen roboterhaft wie in einem Maschinen-Ballett umher, angetrieben wie im Fabrik-Akkord.

Die 35 jugendlichen Darsteller geben in ihren Rollen alles, füllen ihre Charaktere mit so viel Elan und Dynamik, so viel Gespür, überzeugend und glaubhaft im Gefühlsleben junger Menschen, dass es rundweg begeistert. Die Arbeitswelt Küche dient dabei als Parabel für das Alltagsleben im Kleinen mit seinen Krisen, sozialen Spannungen, Arbeitsmarktproblemen, aber auch Momenten voller Ironie, Witz und Emotionen. Das wird von den Waldorfschülern fantastisch und eindrücklich gespielt, bis zur Schlussszene, wenn die Stimmung überkocht.



BZ vom 22.07.2011

Theaterstück "El Mundo"

12. Klasse Waldorfschule

SCHOPFHEIM (bene). Am Wochenende führt die 12. Klasse der Waldorfschule ihr eigenes produziertes Theaterstück "El Mundo — Helden der Küche" auf. Schauplaz ist eine Großküche, die Schülerinnen und Schüler spielen Köche, Küchengehilfen, Kellner und Kellnerinnen. Unter der Regie von Theaterpädagoge Tim Krause und drei Praktikanten der Lörracher Theatergruppe "Tempus fugit" wurde das Stück innerhalb von nur vier Wochen einstudiert. Das Stück erzählt einen Tag in der Küche des Restaurants "El Mundo" . Der Tag beginnt gemächlich, aber schon am Mittag entwickelt sich der alltägliche Stress, der sich bis zum Abend in ein regelrechtes Chaos steigert. Je später es wird, desto mehr gleicht die Küche einem Irrenhaus. Sie muss funktionieren wie eine Maschine und jeder einzelne Mitarbeiter ist ein Teil von ihr, wie ein Rädchen im Getriebe. Sobald eines davon nicht richtig funktioniert, gerät die Maschinerie durcheinander und der Rhythmus der Küche kommt ins Schwanken. Viel Menschlichkeit geht während der Arbeit unter, kommt erst in der Pause wieder hervor. In dieser ruhigen Zeit bleibt Raum, um über persönliche Träume und Wünsche zu reden. Das Stück schafft durch die unterschiedlichen Charakteren, Konflikte und Beziehungen ein symbolisches Abbild der Gesellschaft in Form einer Großküche.

Aufführungen am Freitag, 22. und Samstag, 23. Juli um 20 Uhr im Festsaal der Waldorfschule. Eintritt frei.
 


Fotos von den Proben
 

Generalprobe am 21.7.11
 
Fotos: Thomas Quartier
 
 
es spielen:
 
Die Köche:  
Jonathan Theismann Johanna Probst
Henrike Hardt Nils Hertzner
Johannes Sänger Noyan Erdem
Ilmari Thömmes-Jeltsch Marvin Leu
Aglaia Espinoza-Garcia Michael Himmelstoß
Johannes Kuhle Paul Klapprott
Sebastian Grüßinger Jeremias Dinkel
Lena Uphaus Benedikt Arnold
David Schaubhut Lea Vogel-Buira
   
   
Die Kellner:  
Harald Christian Jacobi Paulina Loreth
Christina Meuter Lioba Wunsch
Gioia Schreiber Fabienne Heck
Miriam Wegner Miriam Bergmann
Jessica Poppe Rahel Vogt
Anton Böttger Moritz Büttelmann
   
und:  
Anna Wehkamp Irina Lucia Liehr
Kasimir Weihrauch Carsten Lukas Krieger
Simon Rollbühler  
   
Regie Tim Krause
Maren Schrader
Elias Füchsle
Eva Hintermeier
   
Technik und Licht Michael Himmelstoß
Johannes Kuhle
Lukas Krieger
Simon Rollbühler
Fotos Thomas Quartier
 

 

IMPRESSUM

webmaster@fugit.de