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aktuelle Inszenierung:
Freies Theater
Tempus fugit
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"Heros"
von Björn Steiert
Regie: Karin Maßen
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Prolog
Seit dem Eintritt der USA in den
Vietnamkrieg und besonders durch die brutale Bombardierung Nord-Vietnams
begann ein einheitlicher Protest von Amerikanern und Westeuropäern. Die
Friedensbewegung bekam eine internationale Relevanz, da nicht das
nationale Bewusstsein für eine Sache, sondern ein internationales
Bewusstsein für Frieden, über alle Grenzen und Unterschiede hinweg
entstand. John Lennon war eine, wenn nicht sogar DIE Ikone der
Friedensbewegung der 1970er Jahre. John Lennons Protestsong „Give Peace
a Chance“ wurde in allen Teilen der Welt zur Anti-Kriegshymne und zeigt
den weltweiten Wunsch einer ganzen Generation nach Frieden.
Auch
heute gibt es Kriege. Aber eine Identifikationsfigur, wie einst John
Lennon sie darstellte, fehlt.

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zum Stück:
Wie inszeniert man einen Antihelden?
Im Grammy Museum in Los Angeles war vom Oktober 2010 bis Ende März
diesen Jahres eine Ausstellung John Lennon gewidmet: „John Lennon
Songwriter“
Yoko Ono hatte diese mitkonzipiert. Weder der
gewaltsame Tod, geschweige denn der Name des Mörders tauchen darin auf.
Kein Wort darüber.
Es soll ihm kein Denkmal gesetzt werden.
Auch die Stückvorlage von Björn Steiert will dem Mörder persönlich
keinen Platz einräumen.
Dennoch basiert die Textvorlage auf den
Geschehnissen dieser Tat. Alle Einzelheiten sind bekannt, darin gibt es
kein Geheimnis mehr zu entdecken.
Für die Bühnenbearbeitung eine
Herausforderung: wie inszenieren wir einen „Niemand“, von dem doch jeder
weiß, dass er John Lennon ermordet hat. Der Täter ist immer noch in den
USA im Gefängnis und weiter ohne Reue.
Die Aufgabe ist spannend
und herausfordernd. Die Zusammenarbeit mit Autor, Schauspiel, Musik,
Licht und Assistenz macht es möglich den Spagat zu wagen….
Karin
Maßen

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zum Autor:
„Björn Steiert kennt man hier als aufsehenerregenden Literaten mit einer sehr eigentümlichen Sprache jenseits aller Moden, mit einem ganz eigenen Klang. Schon seine Sprache allein besitzt eine besondere Musikalität.“ - so heißt es in der „Badische Zeitung“ über den Autor, der in einem früheren Artikel auch als „ein Formvollender, ein Wort-Architekt, ein Weltenentwerfer“ bezeichnet und in der „Oberbadischen“ als „das größte Talent“ unter den an einer Lesung beteiligten Schriftstellern aus der Region hervorgehoben wird.
Steiert wurde 1980 in Lörrach geboren, machte hier auch sein Abitur am Hebel-Gymnasium und leistete Zivildienst im Kreiskrankenhaus, ehe er sein Germanistikstudium begann. Man kennt ihn vor Ort zudem als Organisator eines viel gelobten kulturellen Veranstaltungsprogramms und durch musikalische Werke, etwa eine Vertonung von Michael Endes „Lied von der Anderwelt“.
Der Autor war wiederholt bei Literaturwettbewerben erfolgreich und veröffentlichte Beiträge in diversen Anthologien und Zeitschriften. So gewann er etwa mit „Die Wiederschöpfung“ schon 1999 einen 1. Preis mit seiner individuellen Aktualisierung des Faust-Stoffes oder veröffentlichte in S.Fischers renommiertem „Jahrbuch der Lyrik“ (laut der „Neuen Zürcher Zeitung“ einem „Pantheon deutschsprachiger Dichter“ …) 2006 das Gedicht „Jüdisches Ich“.
„Heros“ ging aus einer langen Beschäftigung des Autors mit John Lennon hervor, den er als Musiker ebenso schätzt und faszinierend findet wie als Friedensaktivist und Persönlichkeit. 2008 gewann Steiert mit dem Stück den 1. Preis eines von der Paula-Rombach-Stiftung und der Albert-Ludwigs-Universität-Freiburg ausgeschriebenen Literaturwettbewerbs. Die Preisverleihung fand im Februar durch Prof. Dr. Wolfgang Jäger statt, worauf der Text in der Literaturzeitschrift „allmende“ (Nr. 81) in einer gekürzten Fassung veröffentlicht wurde.
Informationen über den Autor:
www.bjoernsteiert.de

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zur Gruppe:
Stephan Stock wurde 1985 in Rheinfelden geboren. Nach einigen Jahren mit der Gruppe „Tempus fugit“ aus Lörrach, studierte er Schauspiel an der Hochschule der Künste Bern. Seine Soloperformance „Revolution!?“ eröffnete 2009 das Outnow!-Festival in Bremen. Als Gründungsmitglied des Theaterkollektivs vorschlag:hammer gewann er mit dem Stück „Vom Schlachten des gemästeten Lamms und vom Aufrüsten der Aufrechten“ den Jurypreis des 100° Festivals im HAU Berlin und den Preis des Körber Studios Junge Regie am Thalia Theater Hamburg. Seit September macht er den Master an der Zürcher Hochschule der Künste.
>>INFO<<
Schauspieler Stephan Stock über „Heros“
Die
Sehnsucht, etwas Großes zu schaffen, auf eine bestimmte Art
unvergesslich zu werden, bewegt jeden Menschen auf gewisse Art und
Weise. Der „Niemand", John Lennons Mörder, war bereit, für diesen Moment
des Triumphes zu töten. Das ist eine krasse Ausprägung eines Wunsches,
den wir wohl alle kennen! Etwas von Dauer zu schaffen und unserem Leben
einen Sinn zu geben.
Mich fasziniert die Annäherung an einen Menschen, der bereit war, so
weit zu gehen, der auf gewisse Art eine Kraft entwickelt hat, die, wenn
nur einige Dinge anders gelaufen wären, auch etwas sehr Gutes hätte
bewirken können. Auf der anderen Seite stellen sich auch die Fragen:
Wer bin ich in Abgrenzung zu dieser Person? Als was sehen mich die Leute
auf der Bühne? Als ein Mensch, der in einer Zeit ohne Vorbilder
aufgewachsen ist, faszinieren mich auch die Macht dieser Figur John
Lennons und ihrer gleichzeitigen Ambivalenz als „Führer".
Sounddesigner Bernhard Greif über „Heros“
„Heros“ ist als Ein-Personen-Stück konzipiert. Die Soundebene, die ich
für die Inszenierung entwickelt habe, dient dem Darsteller als
akustischer Gegenpart auf der Bühne. Passagen aus dem Text können von
ihm als Person auf die Tonspur ausgelagert werden, Originalmaterial in
Form von Musik, Text, Interviews, etc., auf das der Text Bezug nimmt,
kann wieder in Form von Ton in das Stück und das Bühnengeschehen
re-integriert werden. Durch die Verwendung mehrerer Soundquellen auf der
Bühne entstehen unterschiedliche akustische Orte, die das Geschehen
strukturieren und in denen die Vermischung von Fakt und Fiktion, wie wir
sie im Text finden, ihre Entsprechung erfahren. Nicht nur der „Niemand“
kommt zu Wort, sondern auch Lennon selbst.
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Presse |
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Die Oberbadische vom 6.7.11
Da steckt viel Zauber drin
Stimmen-Chef Helmut
Bürgel über Amateure, Profis, besondere Konzertorte und die Lust am
Eigenen
Lörrach. Das Stimmenfestival wird am morgigen
Donnerstag mit dem Auftritt von Voicelab, Studenten der Gesangs-Akademie
aus Lörrach, im Burghof eröffnet. Mit Festivalchef Helmut Bürgel sprach
unsere Redakteurin Gabriele Hauger über die Ausrichtung von Stimmen
2011.
[…]
Wie gelungen fanden Sie den Stimmen-Prolog?
Ich fand Heros sehr gelungen. Das Stück von Björn ist sehr gut. Ein
sprachlich brillantes Konvolut, aus dem man erstmal ein Stück machen
musste. Das hat Regisseurin Karin Maßen zusammen mit dem
Musikdramaturgen Bernhard Greif exzellent gelöst. Ich fand das eine
gelungene Geschichte für die Einführung von Stimmen. John Lennon war für
mich einer der größten Liedermacher des 20. Jahrhunderts. Das Stück war
eine Verbeugung vor diesem großartigen Künstler. Das passt zum
Stimmenfestival.
[…]
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Der Sonntag vom 3. Juli 2011
Die gescheiterte Metamorphose
Premiere von Björn Steierts Stück „Heros“ im Lörracher
Burghof
Der Lörracher Autor Björn Steiert hat sich lange
mit John Lennon beschäftigt und schließlich ein Bühnenstück über dessen
Mörder geschrieben. „Heros“ heißt der monologische Einakter, der am
Mittwoch vor rund 100 Zuschauern vom Theater Tempus fugit im Burghof
uraufgeführt wurde.
Dem psychopathischen Killer geht es oft um
die eigene Metamorphose, lehrt Thomas Harris in dem Psychoklassiker „Das
Schweigen der Lämmer“.
Der Mörder [Name durch Tempus fugit entfernt] könnte als
Paradebeispiel dafür herhalten. Ein Nobody (Niemand) sei er gewesen, der
ein Somebody (Jemand) werden wollte, hat er einmal erklärt. Und obwohl
er schließlich einen ähnlichen Berühmtheitsgrad wie Lee Harvey Oswald
erreichte, wird er in dem Stück „Heros“ konsequent „Der Niemand“
genannt. Der Autor Björn Steiert verweigert ihm die Metamorphose - so
wie Yoko Ono kürzlich bei einer Lennon-Ausstellung jeden Hinweis auf den
gewaltsamen Tod und den Mörder vermied.
Steierts Psychogramm
startet mittendrin, am 8. Dezember 1980.
Des Mörders [Name durch Tempus fugit entfernt] Plan ist
ausgereift. Am Nachmittag schreckt er zwar noch einmal vor seiner Tat
zurück, weil ihn Lennons unerwartete Freundlichkeit beim Signieren einer
Schallplatte kurzfristig aus dem Konzept bringt. Am späten Abend aber
lauert er erneut vor dem „Dakota“, dem New Yorker Apartment-Haus, in dem
John und Yoko Ono wohnen. Die Wartezeit bis zu den tödlichen Schüssen
skizziert das Ein-Personen-Stück. „Alles basiert zum größten Teil auf
den tatsächlichen Aussagen des Mörders, die ich aber in freier Weise
weiterentwickelt habe“, erzählt Steiert.
Bei späteren Verhören
und Interviews liefert der
Mörder [Name durch Tempus fugit entfernt] ein wässriges Bild von
seinen Motiven. „Phoniness“ wirft er dem einstmals Vergötterten vor,
Scheinheiligkeit. Auch behauptet er, er habe das Buch „Der Fänger im
Roggen“ berühmt machen wollen (unmittelbar nach dem Mord las er laut
daraus vor). Gelegentlich hat er sich selber im Verdacht, wahnsinnig zu
sein. Ein „göttlicher Auftrag“ spielt eine Rolle, aber auch Stimmen im
eigenen Kopf. Auf der Burghof-Bühne tönen sie aus verschiedenen
Lautsprechern, die im Halbkreis um den Schauspieler angeordnet sind.
Eine griffige Idee des Sounddesigners Bernhard Greif, die recht
beklemmend die Orientierungslosigkeit einer lädierten Psyche im selbst
produzierten Stimmengewirr vorführt. Wie sich das Team um Regisseurin
Karin Maßen überhaupt einiges hat einfallen lassen, um das desolate
Innere des ersten „Herostraten“ der Popgeschichte nach außen zu kehren.
Die moderne Burghof-Technik kommt dem zugute. So senkt sich zum Beispiel
der Boden unter den Füßen des Protagonisten langsam nach unten ab. Der
„Niemand“ muss sich anstrengen, um wieder hinauf ins Rampenlicht zu
gelangen.
Im Lauf des Abends entledigt sich der Antiheld mehrerer
übereinander getragener T-Shirts, aber auf jedem prangt Lennons
Konterfei. Wie er sich auch häuten will: seiner Wahnwelt entkommt er
nicht. In der Rolle des
Mörders [Name durch Tempus fugit entfernt] ist Stephan Stock zu
sehen, mit 25 Jahren so alt wie der Attentäter damals. „Heros“ ist
zweifellos eine Herausforderung, Steierts moderne Variante des
Königsmorddramas verlangt schauspielerisches Können. Schließlich steht
im Zentrum das, was der 30-jährige Autor „die schwer fassbare
Persönlichkeit“
des Mörders [Name durch Tempus fugit entfernt] nennt, ein so
wechselhafter wie unberechenbarer Gemütszustand, der pausenlos zwischen
Selbsthass und Größenwahn schwankt. Stephan Stock macht seine Sache gut.
So gut, dass man als Zuschauer ab und zu überlegt, ob hinter der Fassade
des Schauspielers nicht vielleicht doch ein irrer Prediger steckt.
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BZ vom 01.07.2011
Der Mann, der Lennon tötete
Das Theater Tempus fugit zeigt Björn Steierts Monolog
"Heros" als Prolog für "Stimmen" 2011
"Ich bin
vernünftig genug, den Wahnsinnigen zu spielen, auch vor mir selbst",
sagt der "Niemand" kurz vor Schluss von der Bühne herab. Er ist der
Antiheld schlechthin und steht für den Mann, der 1980 den damals
40-jährigen Beatles-Mitgründer John Lennon vor dessen New Yorker Wohnung
erschoss. Die Schuld des Schützen stellt sich keine Sekunde in Frage,
auch ihm selbst nicht, im Gegenteil. Als Motiv für das Unfassbare wird
angenommen, der Mörder habe mit der Tat sowohl seine eigene
Bedeutungslosigkeit für immer in den Schatten stellen als auch
gleichzeitig am Nimbus des Getöteten teilhaben und fortan mit ihm in
einem Atemzug genannt werden zu wollen.
Diese Sicht übernimmt
auch das Stück des Lörracher Autors Björn Steiert und mit ihr die
Geschichte gewordenen Details der Tat. Als Prolog zum diesjährigen
"Stimmen"-Festival bringt das freie Theater Tempus fugit damit die vor
drei Jahren mit dem Paula-Rombach-Literaturpreis ausgezeichnete Arbeit
eines Theaternovizen zur Uraufführung auf die kleine Burghofbühne — und
hat sich dafür einen alles andere als leichten Stoff ausgewählt.
Steierts Werk spielt am Tag der Tat und bringt das fiktive Innenleben
einer realen Person auf die Bühne. Ein kleiner Teil der Vorgeschichte
spielt in diesen einzigen Tag hinein, die frühen, immer zu hohen
Erwartungen einer vom Sohn eingenommenen Mutter etwa oder dessen von
Anfang an als ausweglos erkannter Versuch, den Mord im Zwiegespräch mit
sich selbst und dem Publikum vielleicht doch noch einmal abzuwenden.
Die theatralische Umsetzung des Stoffs hat indes an mehreren Fronten
zu kämpfen, allem voran und allen Kürzungen zum Trotz an ihrer
Textlastigkeit. Zwar verlangt die Rolle des Einpersonenstücks dem allein
agierenden Schauspieler ein hohes Maß an Ausdrucksvariabilität ab.
Stephan Stock als werdender Mörder, der einerseits noch über den
vorderen Bühnenrand hinaus den aufdringlichen Charme des berufspositiven
Entertainers versprüht, um sich wenig später im Bühnenhintergrund halb
verängstigt, halb abweisend in seinen Kapuzenpullover zu vergraben, übt
sich jedoch an einer Doppel- und Dreifachrolle, die eben das nicht ist.
Zu deutlich wird da, dass sich das Publikum mit dem Bösen in keiner
Minute identifizieren soll. Der Niemand bleibt so bis in jede Nuance die
Person aus einem Guss, die er eigentlich nicht hätte sein sollen. Sein
"Heros", zu dem ihn der Titel macht, ist selbstredend auch nur das irre
Traumbild eines Mannes, der nicht einmal an den eigenen Wahnsinn glaubt.
Wo Stock das Bild des John Lennon auf seinem T-Shirt Grimassen
schneiden lässt, gleich darauf dem eigenen Gesicht anpasst und
anschließend wieder zerknüllt und von sich wirft, hat das dennoch
eigenen Bühnenrang und steht, wie auch die wie von selbst agierenden
Audioboxen für die Handschrift des Regie- und Sounddesign-Duos Karin
Maßen und Bernhard Greif. Die ausgelagerte Tonebene strukturiert den
vielfach gebrochenen Monolog nach Kräften und lässt einerseits die vom
Ich getrennte Stimme des Niemands in mehreren Partien zu Wort kommen,
fügt andererseits aber auch Original-Radiomeldungen vom Tag des
Ereignisses ein sowie wenige Einspielungen aus Lennons musikalischem
Werk.
Den Spagat, den Antrieb zur Tat zu vergegenwärtigen und den
Täter ins Rampenlicht stellen, ohne diesem eine Bühne zu geben und so
zum unfreiwilligen Erfüllungsgehilfen seiner Wünsche zu werden, kann das
Stück dagegen nicht schaffen. Niemand wird zwar am Ende tatsächlich für
jenen
[Name durch Tempus fugit entfernt], der einen Menschen ermordet
und darüber hinaus eine Identifikationsfigur für Millionen ausgelöscht
hat, eine Kerze anzünden wollen. Dabei bleibt es aber, auch wenn "Heros"
immer wieder daran erinnert, dass sein Niemand sich mehr als einmal
geirrt hat: "Man ermordet üblicherweise den König, nicht den Gaukler",
wendet eingangs eine seiner vielen Stimmen ein und vergisst dabei doch,
dass es tatsächlich oft die Köpfe der Gaukler waren, die rollten, wenn
die Herrscher sie nicht unterhaltend fanden.
Annette Mahro
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Die Oberbadische vom 1.7.11
Existenzielle Fragen eines
Niemand
Prolog zum
Stimmenfestival auf der Burghof-Bühne mit „Heros“ von Björn Steiert
Von Gabriele Hauger
Lörrach. Ein ganz Großer der
Musikgeschichte, eine politische Stimme, der die Menschen zuhörten: Kein
geringerer als Ex-Beatle John Lennon war Thema des Prologs „Heros“ zum
Stimmenfestival.
Die Inszenierung von Tempus fugit-Regisseurin
Karin Maßen nach einem Text des Lörracher Autors Björn Steiert feierte
am Mittwochabend auf der Burghof-Bühne Premiere. Zurück blieb ein
nachdenkliches Publikum.
1980 wurde John Lennon in New York von
einem Menschen mit höchst fragwürdiger Persönlichkeit mit fünf Schüssen
getötet. Der Mörder [Name durch Tempus fugit entfernt] ließ sich
widerstandslos festnehmen und plädierte auf „nicht-schuldig“. Er ist ein
zerrissener Typ, wird als geradezu gespaltene Persönlichkeit gezeigt,
beherrscht und bedrängt von inneren Stimmen, schwankend zwischen
Eitelkeit, Hass und Selbstmitleid.
Der gebürtige Rheinfelder
Stephan Stock übernimmt die anspruchsvolle Solo-Rolle und glänzt mit
konzentriertem, intensiven Spiel. Dabei kann er auf innovative
Regieideen bauen: Original-Nachrichten über das Attentat werden
eingespielt, ebenso Aufnahmen von Lennon selbst. Stimmen, die im Wechsel
aus verschiedenen Lautsprecherboxen tönen, unterstreichen die multiple
Persönlichkeit des Mörders und die facettenreichen Ereignisse zwischen
Fakten und Fiktion (Sounddesign: Bernhard Greif).
Originell ist
auch, wenn Stock, der wechselnde T-Shirts mit dem Konterfei Lennons
trägt, das Gesicht des Musikers quasi zum Leben erweckt, indem er es
über sein eigenes zieht. Ein sich hebender Bühnenboden lässt den Täter
fast verschwinden hinter einer Mauer aus Selbstgerechtigkeit und
Welthass.
Eingespielt wird das Lied, das wohl am deutlichsten die
friedvolle Politik Lennons mit seiner brutalen Ermordung kontrastiert:
„Imagine“. Der Mörder wendet sich direkt an das Publikum. Sein Monolog
ist eine Litanei des Hasses und Selbsthasses, der Enttäuschung und der
Anklage. Er bezeichnet sich selbst als ein Niemand. Er will sich durch
das Töten einer charismatischen Identifikationsfigur selbst etwas von
diesem Charisma einverleiben. „Ich werde teilhaben an seinem Ruhm.“ Und
so ist „Heros“ mehr als nur eine Auseinandersetzung mit dem damaligen
Attentat. Hinterfragt wird generell das Bedürfnis nach Anerkennung, nach
der eigenen Bedeutung, nach der Präsenz in den Medien. Und der Wunsch
der Menschen nach einer ehrlichen Identifikationsfigur, die sie nicht
enttäuscht, die sich nicht korrumpieren lässt - die Suche nach einem
Idol.
Aufgeworfen wird auch die Frage, was man aus seinem Leben,
seinen „Startbedingungen“ macht. Heftig geht der Attentäter die
Zuschauer an, stellt kritische, provozierende, geradezu existenzielle
Fragen. Warum bereitet uns ein Toter solches Entsetzen - angesichts
Millionen unschuldig Sterbender weltweit?
Der Mörder gibt anderen
die Schuld an seinem Tun: Lennon, den Drogen, dem Christentum.
„Eigentlich ist Gott schuld, aber den kann ich nicht erschießen.“ Ohne
Reue erhebt sich dieser Niemand über alle anderen und entzieht sich der
Verantwortung. Dem durchaus nachvollziehbaren Wunsch, etwas Großes zu
schaffen, unvergesslich und berühmt zu werden, der aktueller denn je
scheint - die Casting-Wellt lässt grüßen - findet im Lennon-Mörder seine
pervertierte Ausprägung. Keine leichte Kost, viel Anregung zum
Nachdenken.
Termine: bis 3. Juli, jeweils um 20.30 Uhr, auf der
Burghof- Bühne (Hintereingang) |
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BZ vom 29.06.2011
Ein Niemand, der sich über alle
erhebt
Stimmen-Prolog
auf der Theaterbühne: die Erstaufführung des Lörracher Autors Björn
Steiert
Bob Dylan war schon da, Joan Baez und Neil
Young, diesmal kommt John Lennon. Anders als seine Kollegen kann eine
der berühmtesten Stimmen unserer Zeit zwar nicht anders als nur
Reminiszenz bleiben. Der Prolog im Theater, den sich das Lörracher
Stimmen-Festival 2011 erstmals gewährt, lässt den über der Geschichte
schwebenden Beatles-Gründer selbstverständlich, obgleich konserviert,
musikalisch zu Wort kommen. Daneben spricht aber ausgerechnet derjenige
allein, der die Jahrhundert-Stimme für immer stumm gemacht hat.
Als der neben Paul McCartney wohl berühmteste Liverpooler am 8. Dezember
1980 in New York erschossen wird, lässt sich sein Mörder anschließend
ohne Gegenwehr festnehmen und plädiert vor Gericht später selbst auf
schuldig. Während der echte Lennon-Mörder offenbar nicht zuletzt auch
wahnhafte religiöse Motive hatte, steht in Björn Steierts jetzt zum
Stimmen-Auftakt uraufgeführtem Stück "Heros" der Glaube im Mittelpunkt,
durch das Auslöschen des Idols selbst, wenn auch negativiert, an dessen
Ruhm teilzuhaben. Aus dem bis dahin glück- und erfolglosen Niemand
(Stephan Stock), soll ein Jemand werden.
"Ich wollte ihm in
meinem Stück bewusst nicht den Stellenwert eines Namens zugestehen" ,
sagt der Lörracher Autor über seine Figur und schließt sich damit an ein
antikes Urteil an, das den Hirten Herostratos auf ewig strafen sollte.
Der hatte, offenbar aus ähnlichen Gründen wie der Lennon-Mörder den
Tempel der Artemis in Ephesos angezündet. Das Gerichtsurteil, das neben
der Todesstrafe verfügte, dass weder seine Tat noch sein Name je wieder
genannt werden dürften, führte nicht zum Erfolg. Wie Herostratos hat es
auch die Figur des [Name des Mörders] Mörders* zu mehr als einem
ausführlichen Wikipedia-Eintrag gebracht.
Das Streben irgendwann
einmal, und sei es nur für einen Augenblick, im Rampenlicht zu stehen,
berühmt werden zu wollen um jeden Preis, dieser Gedanke spiele doch
gerade heute, sagt Björn Steiert, eine wichtige Rolle. Wo eine
Castingshow auf die nächste folge und es egal sei, ob der Weg zum Ruhm
über das Sich-lächerlich-Machen führe oder im hier auf die Bühne
gebrachten Extremfall, gar über einen Mord, steht für ihn der Zeitbezug
auch mehr als 30 Jahre danach außer Frage. "Die Schnittmenge mit dem,
was tatsächlich passiert ist, war für mich deshalb nicht das Wesentliche
im Stück", erklärt der Autor, der mit dem 2008 bereits durch den
Paula-Rombach-Literaturpreis ausgezeichneten "Heros" erstmals ein Stück
auf die Bühne bringt.
Stimmen-Chef Helmut Bürgel, der sich das
Einpersonenstück zum Festival-Auftakt vorstellen konnte, hatte die
Verbindung zu Karin Maßen und Tempus fugit hergestellt. Insgesamt sei
dann eine echte Teamarbeit daraus entstanden, erzählt die Leiterin des
Lörracher freien Theaters am Rand der Bühne. Ihr selbst kam die
Erfahrung mit einer Vielzahl von oft nicht ursprünglich für die Bühne
konzipierten klassischen Stoffen zu Hilfe. Der für die Musikregie
verantwortliche Bernhard Greif fand die Lösung, wie ein Teil der in
mehrere Gesichter und Persönlichkeiten zerfallende Figur des "Niemand"
auf die Bühne zu bringen sei, während die Burghof-Technik dem in der
eigenen Bedeutungslosigkeit Versinkenden schließlich den Boden unter den
Füßen zu entziehen wusste.
Als einen Versager, eine "verkrachte
Ballastexistenz" sieht sich der Protagonist in Steierts "Heros"
einerseits, gleichzeitig fühlt er sich vom Schicksal mehr als ungerecht
behandelt. Selbst die Jugend seines Idolopfers könnte schwieriger
gewesen sein als seine eigene. Nicht einmal wirklich bedeutungsvolles
Unglück ist er dem Leben bisher Wert gewesen. Der Niemand fühlt sich
nicht, will sich zugleich aber über alle anderen, auch über sein
Publikum erheben: "Ich muss erst noch beweisen, dass ich existiere, und
zwar in einem höheren Sinn als Ihr." Publikumsbeschimpfungen von der
Bühne herab sind aus der Mode gekommen. Diesmal buhlt einer um die Gunst
der Zuschauer, der am besten weiß, dass er sie nicht bekommen kann.
Mittwoch, 29. Juni, bis
Sonntag, 3. Juli, jeweils 20.30 Uhr, Burghof Lörrach, kleine Bühne,
Vorverkauf: BZ-Geschäftsstellen
*Änderung durch Tempus fugit
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Die Oberbadische vom 29.6.11
Prolog zum Stimmenfestival: Heute
Premiere von „Heros“
Am 8.
Dezember 1980 wurde der Musiker John Lennon ermordet. Der Lörracher
Autor Björn Steiert hat mit seinem Stück „Heros“ die Ermordung des
erfolgreichen Musikers und Idols thematisiert und damit 2008 den ersten
Preis des Paula-Rombach-Literaturwettbewerbs gewonnen. Beim
Stimmenfestival wird die Umsetzung des Stücks als Prolog als
deutschlandweite Premiere gezeigt (wir berichteten bereits ausführlich).
Regie führt Karin Maßen vom freien Theater Tempus fugit. Stephan Stock
spielt die Hauptrolle.
Im Mittelpunkt steht die Figur des
Attentäters, der sich als „Niemand“ empfindet. Das Streben, um aus der
Anonymität der Masse herauszustechen, ist aktueller denn je. Eine
wichtige Rolle bei der Inszenierung kommt der Musikregie (Bernhard
Greif) zu, die das Lebenswerk Lennons eigenständig mit einbezieht. Die
Soundquelle dient dem Darsteller als akustischer Gegenpart auf der
Bühne.
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Die Oberbadische vom 25.6.11
"Der Niemand", der John Lennon
tötete
Theaterstück
„Heros“ des Lörracher Autors Björn Steiert feiert beim Stimmen-Festival
Premiere
Von Jürgen Scharf
Lörrach. Der
Mann, der John Lennon getötet hat: Über den Attentäter, der 1980 den Ex-
Beatles-Gitarristen erschossen hat, verfasste der Lörracher Autor Björn
Steiert (30) ein Theaterstück, das als Prolog beim Stimmenfestival im
Burghof seine Deutschlandpremiere erlebt. Die Hauptrolle wurde mit dem
25-jährigen Stephan Stock besetzt, der etwa in dem Alter ist, in dem der
Täter damals war. Steiert hat für sein Stück „Heros“ bereits 2008 den
ersten Preis des Freiburger Paula-Rombach-Literaturwettbewerbs gewonnen.
Burghofchef Helmut Bürgel, dem Steiert sein Buch vorgelegt hat, war
beeindruckt. So bietet sich jetzt die Chance, das Ein-Mann-Stück auf der
Bühne umzusetzen. Dabei stellt sich die Frage: Kann man einer so negativ
besetzten Figur eine solche Bühne geben? Steiert ist der Ansicht, dass
diese Figur nicht richtig fassbar ist und sich daher als
Projektionsfläche anbietet. Den Namen des Mörders – […] - unterschlägt
der Autor bewusst. So viel Ehre will er ihm nicht zukommen lassen, Daher
heißt er nur „der Niemand“. Diese Bezeichnung geht auf eine Äußerung […]
des Täters* zurück, der beim Verfahren sagte: „Ich war ein
Niemand und wollte, dass man mich beachtet“. Die Gutachter urteilten,
dass Lennons Mörder vom Drang nach Ruhm und Bekanntheit getrieben werde.
Er wollte eine Berühmtheit töten, um selbst berühmt zu werden.
Was für ein Stoff für ein Theaterstück! Fast schon mit antikischer
Wucht. Nicht von ungefähr hat Steiert ihm den Titel „Heros“ (Held)
gegeben, was auch einen Bezug zu dem Griechen Herostrat hat, der den
Tempel von Ephesus angezündet hat, um berühmt zu werden. Obwohl John
Lennon nie auftritt, ist er stets präsent: sein Leben, sein Werk. Der
Niemand, der gern ein Jemand wäre, reflektiert über sein früheres Idol
und seinen Hass und die Aggression gegen den Musiker in großen Monologen
und zeigt sich als gespaltene Persönlichkeit. Das Dialogische und die
ständige Ansprache ans Publikum sind neben den Selbstgesprächen ein
wichtiges Stilelement in Steierts Stück und beschwören eine
alptraumartige Stimmung herauf. Das Erzählende in diesem an sich langen,
abendfüllenden Theaterstück wurde von der Regisseurin Karin Maßen
(„Tempus fugit“) in einer auf 70 Minuten ohne Pause gekürzten
Spielfassung zugunsten von Elementen des Darstellerischen
zurückgenommen, wo der Schauspieler in Aktion treten kann.
Für
den jungen Autor, der gerade seine Dissertation in Germanistik über
Michael Ende verfasst, neben dem Lennon-Drama auch Lyrik und Prosa
geschrieben hat und von dem auch einzelne Texte schon in Anthologien und
Zeitschriften erschienen sind, bedeutet es schon etwas sehr Besonderes,
seinen Psychothriller in seiner Heimatstadt auf professionelle Weise
inszeniert zu sehen - noch dazu im Rahmen des Festivals.
„Ja, da
freue ich mich einfach drauf“, sagt Steiert, „ich bin neugierig, was
tatsächlich daraus wird“. Vor allem, was er Neues durch Regie und
Schauspieler sehen kann. Gespannt ist er auch, wie die Sprache, das
gesprochene Wort wirkt. Dass es ein wirkungsvolles Stück ist, davon ist
Björn Steiert überzeugt, und er hofft, dass sich auch andere Bühnen
dafür interessieren. Das Thema spreche nicht nur eine bestimmte
Generation an, nicht nur Flower-Power und Hippiezeit, sondern sei
zeitlos aktuell: „Man kann ohne Kenntnis der Beatles in „Heros“ gehen“.
Premiere von „Heros“ am 29.
Juni, Burghof Lörrach; weitere Aufführungen bis 3. Juli, jeweils
20.30 Uhr
*Änderung durch Tempus fugit |
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Fotos |
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Foto: Elisabeth Wenk |
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Bei den Proben am 21. Juni 2011 |
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Generalprobe am 28. Juni 2011 |
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Fotos: Thomas Quartier |
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Es spielen:
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| Regie |
Karin Maßen |
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| Schauspiel |
Stephan Stock |
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| Sounddesign |
Bernhard Greif |
Regieassistenz |
Elisabeth Wenk |
| Text |
Björn Steiert |
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Lichtdesign/Produktionsleitung |
Mark Searle |
| Plakat/Programmgestaltung |
Patrick Maßen &
Silvan Hahn |
| Programmheftredaktion |
Elisabeth Wenk |
| Organisation |
Thorsten Blank |
| Fotos |
Thomas Quartier |
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Video
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Patrick Maßen |
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Burghof Technikerteam - Natalie Asal, Ingo Weisner, Robert
Leckelt |
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Wir
danken ganz herzlich:
Dem Stimmen-Festival und der
Burghof Lörrach GmbH für die gute Zusammenarbeit und für die
Chance zu dieser Produktion. Dem Autor Björn Steiert für die
zahlreichen Gespräche und Informationen. Der Matthäus Gemeinde
Lörrach für die Bereitstellung der Proberäume in „Notzeiten“.
Der Sparkasse Lörrach sowie allen Sponsoren und Paten für ihre
Unterstützung.
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