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aktuelle Inszenierung:
Freies Theater
Tempus fugit Kesselhausgruppe
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ZwischenFälle
Nach Daniil Charms
Regie: Simone Lüdi
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> zum Stück |
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> zur Gruppe |
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> zu den
Autoren |
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> Presse |
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Es spielen |
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zum Stück:
Was war mit dem rothaarigen Mann, der
keine Augen und keine Ohren hatte? - Wie ging es mit Petrakow weiter,
der sich einmal schlafen legen wollte, sich aber neben das Bett legte? -
Oder ist es normal, wenn eine alte Frau vor lauter Neugierde aus dem
Fenster fällt, aufschlägt und sich das Genick bricht? - Ist das
eigentlich alles?
Die
Kesselhausgruppe arbeitet mit verschiedenen Texten des russischen
Dichters Daniil Charms und fügt sie zu einer Komposition aus Wort,
Bewegung und Rhythmus zusammen.
„Mich interessiert
nur der «Quatsch»; nur das, was keinerlei praktischen Sinn hat. Mich
interessiert das Leben nur in seiner unsinnigen Erscheinung“, notierte
Daniil Charms 31.10.1937.
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zur Gruppe:
Die durch das Kulturamt und das Freie
Theater Tempus fugit 2009 initiierte Kesselhausgruppe trifft sich seit
Herbst 2010 für ihre zweite Produktion „Zwischen_Fälle“. Auch in dieser
Spielzeit prägen die Altersunterschiedliche Zusammensetzung (19-56
Jahre) und die verschiedenen Erfahrungen die Gruppe und lassen während
den Proben ganz besondere Momente entstehen. Einen festen Bestandteil
der Gruppe bilden die Spieler, die seit der Gründung im Oktober 2009
dabei sind und bereits das Stück „Der Brief“ mit viel Freude und Spass
am Spiel auf die Bühne brachten. Ausserdem bereichern diese Saison
einige Neuzugänge die Gruppe.
Nun treffen sich die zehn Spieler
einmal wöchentlich im Kesselhaus unter fachkundiger Anleitung der
Regisseurin Simone Lüdi um kreativ zu arbeiten und Theater zu spielen.
Gemeinsam nähern sie sich den absurden Texten von Daniil Charms, um mit
Improvisationen und Bewegungen diese Kuriosität zu entdecken und zu
beleben. So verwandeln sich die ersten fragenden Gesichter in eine
körperliche Bühnenkomposition, die für den Betrachter jedoch neue Fragen
aufwerfen darf.
Ab
Oktober 2011 ist die Gruppe wieder für Neuinteressenten geöffnet.
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zu den
Autoren: |
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Daniil Charms
- Der russische Schriftsteller Daniil Ivanovic Charms (bürgerlich
Juvacev) wurde 1905 in St. Petersburg geboren und verhungerte 1942
während der Blockade im Gefängnis in Leningrad. Er zählte zu den in der
Sowjetunion verfolgten Schriftstellern, die erst Jahrzehnte nach ihrem
Tod gedruckt und damit einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurden.
1927 gründete er mit seinen Freunden, unter anderen den Dichtern
Konstantin Vaginov und Aleksander Vvedenskij, in Leningrad die
Avantgarde-Gruppe „Oberiu“ (Vereinigung der Realen Kunst), die 1930
verboten wurde. Sein Werk umfasst Prosa, Gedichte für Erwachsene und für
Kinder, Theaterstücke und es wird zur Avantgarde oder zum Dadaismus
eingeordnet.
Peter Handke - Der österreichische
Schriftsteller (geb. 1942) zählt zu den eigenwilligsten, erfolgreichsten
und bedeutendsten Autoren der deutschsprachigen Autoren der
Nachkriegszeit. Sein Frühwerk thematisiert seine sprachkritische Haltung
– unter anderem gegenüber Berthold Brecht und dem modernen Theater.
Seine kritischen Reflexionen erfassen die konventionalisierten
Erfahrungs- und Wahrnehmungsweisen. Mit seinen Erzählungen nähert sich
Peter Handke selbst traditionellen Erzähltechniken. Vielfach stellen
seine Prosawerke das Verhältnis von Ich und Welt dar, sowie individuelle
Selbstfindungsvorgänge. Später reflektierte Peter Handke über das
Schreiben.
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Presse |
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BZ vom 20.05.2011
Kuriose Zwischenfälle
Tempus fugit im Bürgersaal
RHEINFELDEN (BZ).
Die Kesselhausgruppe des Theaters Tempus fugit gastiert mit ihrer
diesjährigen Produktion "Zwischen-Fälle" am Mittwoch, 25., und Freitag,
27. Mai, jeweils um 20 Uhr im Bürgersaal Rheinfelden. Die von der
Regisseurin Simone Lüdi geleitete Gruppe für Erwachsene beschäftigte
sich mehrere Monate mit Texten von Daniil Charms und Peter Handke.
Ergebnis des Probenprozesses ist eine Komposition aus Sprache und
Rhythmus, die sich bewegt zwischen dem Hier und Jetzt und der
Absurdität. Einzelne Geschichten, wie die des rothaarigen Mannes ohne
Ohren und Augen finden Ausdruck in Szenen, die von präzisen
Tanzsequenzen, Chorografien oder Bildern getragen werden. Fragen werden
aufgeworfen, wie das war mit der alten Frau, die sich vor lauter Neugier
aus dem Fenster lehnt, hinunter fällt und sich das Genick bricht. Oder
mit der Petrakow, die sich schlafen legen wollte, sich aber neben das
Bett legte? Es sind skurrile Szenen, in denen sich Wartezimmerstühle
urplötzlich in Schutzschilder oder einen Laufsteg verwandeln können —
Zwischenfälle eben.
Die Kesselhausgruppe wurde im Oktober 2009
von Tempus fugit in Kooperation mit dem Kulturamt Weil am Rhein
initiiert. Nach der Produktion "Der Brief" im vergangenen Jahr ist
"Zwischen-Fälle" die zweite Inszenierung der Gruppe.
Auch in
dieser Spielzeit prägen die Altersunterschiede der Ensemblemitglieder
(19 bis 56 Jahre) sowie die unterschiedlichen Erfahrungen die
Theaterarbeit und ließen während den wöchentlich stattfindenden Proben
ganz besondere Szenen entstehen.
Karten können unter
www.fugit.de oder 07621/1675476
reserviert werden.
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BZ vom 14.05.2011
Unterwegs in Absurdistan
"Zwischenfälle" in Lörrach
LÖRRACH.
Eigentlich ist der Zwischenfall nicht von Bedeutung, wenn es mehrere
sind, fallen sie noch weniger ins Gewicht. Sie unterbrechen zwar den
Fluss, besagen aber nichts. "Zwischenfälle" heißt die zweite Produktion
der Erwachsenengruppe des freien Theaters "Tempus fugit" , angesiedelt
im Kesselhaus in Weil, die unter der Regie von Simone Lüdi im
Hans-Thoma-Gymnasium in Lörrach gastierte. Einen erzählenden Fluss gibt
es nicht, genauso wenig wie den Mann, von dem berichtet wird, der weder
Gesicht, noch Arme, noch Beine hat, oder das Huhn mit vier Beinen, das
vielleicht doch auch fünf haben könnte. Oder alles ist im Fluss in
dieser bunten Collage nach Texten des russischen Schriftstellers Daniil
Charms und des österreichischen Autors Peter Handke.
Das Stück
lebt von der Bewegung. Da werden Stühle von einer Bühnenseite zur
anderen getragen, da wird eine dadaistische Textfolge durch moderne
Tanzeinlagen ergänzt. Wo die Stühle gerade noch Wartezimmerstühle waren,
sind sie in einer anderen Sequenz Schutzschild, Laufsteg oder
Akrobatikgerät. Die zehn Ensemblemitglieder zeigen sich dabei äußerst
vielseitig, auch weil das absurde Stück wenig Struktur und Aufbau
enthält. Es ist eigentlich nur die Bewegung, die die Szenen eint.
Manchmal im zaristischen Russland angesiedelt, manchmal in
Absurdistan, verlangt das Stück von den Schauspielern ständige Präsenz.
Mal sind sie aufgehoben in einer Erzählung, dann wieder sind die Szenen
völlig abstrakt. Mal müssen sie Emotionalität zeigen, dann wieder sich
zugunsten der abstrakten dadaistischen Texte völlig zurücknehmen. Die
Schauspieler, die in dieser Zusammensetzung erst ein Jahr zusammen
proben, stellten sich dieser Aufgabe und meisterten sie, was nicht immer
einfach war, so unterschiedlich folgten in dieser Produktion die
einzelnen Szenen aufeinander. Ist die Eingangssequenz mit dem eitlen
Mann, der von sich behauptet, ein Prinz zu sein und der aufmüpfigen
jungen Frau, die ihn trotzdem mit Suppe bespucken will, trotz seiner
Absurdität noch stimmig und kann mit Emotionalität gefüllt werden, sind
es die Tanzsequenzen nicht. Und hier ist strenge Befolgung der
Choreographie gefordert. So pendeln die Akteure ständig zwischen
individueller Darstellungskunst und der reduzierten Zurückhaltung um der
schauspielerischen Gesamtwirkung willen.
Das Stück ist keine
leichte Kost, weder für die Amateurschauspieler noch für die Zuschauer.
Nirgends Erzählfluss und doch eine ungeheure dichte Darstellung. Frauen
fallen reihenweise aus dem Fenster, nur der Knacks des Genickbruchs
erlaubt dem Zuschauer die Empathie des Mitleidens. Der Bühnenraum wird
völlig ausgenutzt, ja mit dem Lauf über die Stühle erhält er gar eine
weitere Ebene, die Inszenierung will nichts auslassen, um die Absurdität
in ihrer ganzen Fülle auf die Bühne zu bringen. Ein pralle Inszenierung,
die bis zuletzt gefangen nimmt.
Martina David-Wenk
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Die Oberbadische vom 15.4.11
Die Kuriositäten des Lebens
Weil am Rhein. Das Theaterstück
„ZwischenFälle“ von Tempus fugit feiert am heutigen Freitag, 15. April,
um 20 Uhr im Weiler Kesselhaus Premiere. Die vom städtischen Kulturamt
und dem Freien Theater Tempus fugit unterstützte Gruppe trifft sich seit
2009 und wurde zu ihrem jetzigen zweiten Stück mit zahlreichen
Neuzugängen erweitert.
Daniil Charms, sagte von sich selbst:
„Mich interessiert nur der „Quatsch“; nur das, was keinerlei praktischen
Sinn hat. Mich interessiert das Leben nur in seiner unsinnigen
Erscheinung“, und so handelt „Zwischen- Fälle“ auch von den Kuriositäten
des Lebens. Was war mit dem rothaarigen Mann, der keine Augen und keine
Ohren hatte? - Wie ging es mit Petrakow weiter, der sich einmal schlafen
legen wollte, sich aber neben das Bett legte? - Oder ist es normal, wenn
eine alte Frau vor lauter Neugierde aus dem Fenster fällt, aufschlägt
und sich das Genick bricht?
Weitere Informationen und Karten beim
Städtischen Kulturamt Weil am Rhein unter Tel. 07621/704 412 oder per
eMail an
kultur@weil-am-rhein.de
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Weiler Zeitung vom 14.4.11
Absurdes rund ums Warten
„Zwischen-Fälle“: Premiere
der Kesselhausgruppe von „Tempus fugit“ / Zweites Stück
Weil am Rhein. Die Kesselhausgruppe des Theaters „Tempus fugit“
feiert am Freitag, 15. April, um 20 Uhr Premiere mit dem Stück
„Zwischen-Fälle“. Aufführungsort ist das Kesselhaus in Friedlingen.
Basierend auf den oft absurden Texten von Daniil Charms und Peter Handke
inszeniert die Regisseurin Simone Lüdi mit den zehn Ensemblemitgliedern
eine Komposition aus Sprache, Bewegung und Rhythmus.
Die
Kesselhausgruppe wurde im Oktober 2009 von „Tempus fugit“ in Kooperation
mit dem Kulturamt Weil am Rhein initiiert. Nach der Produktion „Der
Brief“ im vergangenen Jahr ist „Zwischen- Fälle“ die zweite Inszenierung
der Gruppe. Auch in dieser Spielzeit prägten die Altersunterschiede der
Ensemblemitglieder (19 bis 56 Jahre) sowie die unterschiedlichen
Erfahrungen die Theaterarbeit.
Durch Improvisation näherte sich
die Gruppe den absurden Texten von Charms und befasste sich gleichzeitig
mit der Thematik des Wartens. So entstanden teilweise skurrile Szenen,
die eine direkte Verbindung zu den Texten herstellen: Was war mit dem
rothaarigen Mann, der keine Augen und keine Ohren hatte? Wie ging es mit
Petrakow weiter, der sich einmal schlafen legen wollte, sich aber neben
das Bett legte? Oder ist es normal, wenn eine alte Frau vor lauter
Neugierde aus dem Fenster fällt, aufschlägt und sich das Genick bricht?
Das Stück ist am 15., 16. und 17. April jeweils um 20 Uhr im Kesselhaus
zu sehen. Karten können unter www.fugit.de oder 07621- 1675476
reserviert werden.
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BZ vom 13.04.2011
"Zwischen-Fälle" bei Tempus
fugit
Im Kesselhaus ist am kommenden Freitag
Premiere des neuen Stücks
WEIL
AM RHEIN (BZ). Am kommenden Freitag, 15. April, feiert die
Kesselhausgruppe von Tempus fugit um 20 Uhr Premiere mit dem Stück
"Zwischen-Fälle" . Aufführungsort ist das Kesselhaus in Weil am Rhein.
Basierend auf den oft absurden Texten von Daniil Charms sowie von
Peter Handke inszeniert die Regisseurin Simone Lüdi mit den zehn
Ensemblemitgliedern eine Komposition aus Sprache, Bewegung und Rhythmus.
Die Kesselhausgruppe wurde im Oktober 2009 von Tempus fugit in
Kooperation mit dem Kulturamt Weil am Rhein initiiert.
Nach der
Produktion "Der Brief" im vergangenen Jahr ist die Produktion
"Zwischen-Fälle" die zweite Inszenierung der Gruppe. Auch in dieser
Spielzeit prägten die Altersunterschiede der Ensemblemitglieder (19 bis
56 Jahre) sowie die damit verbundnen unterschiedlichen Erfahrungen die
Theaterarbeit.
Durch Improvisation näherte sich die Gruppe den
absurden Texten von Charms und befasste sich gleichzeitig mit der
Thematik des Wartens.
So entstanden teilweise skurrile Szenen,
die eine direkte Verbindung zu den Texten herstellen: Was war mit dem
rothaarigen Mann, der keine Augen und keine Ohren hatte?
Wie ging
es mit Petrakow weiter, der sich einmal schlafen legen wollte, sich aber
neben das Bett legte? Oder ist es normal, wenn eine alte Frau vor lauter
Neugierde aus dem Fenster fällt, aufschlägt und sich das Genick bricht?
Das Stück ist am 15., 16. und 17. April, jeweils 20 Uhr, im
Kesselhaus zu sehen. Karten: www.fugit.de
oder Telefon: 07621/1675476 reserviert werden .
Weiler Zeitung vom 20.4.11
Schadenfreude und Sensationsgier
Kesselhaus-Theatergruppe mit dem Stück „Zwischen-Fälle” / Begeistertes
Publikum bei der Premiere
Von Daniela Buch
Weil am Rhein. Die Kesselhaus Theatergruppe zeigte am Wochenende das
Stück „Zwischen-Fälle”, ein vor Enthusiasmus und Lebendigkeit
sprudelndes Beispiel des absurden Theaters. Die intelligent aufgebaute
Inszenierung gewann durch die ständigen Gegensätze. Das Publikum bei der
Premiere reagierte begeistert.
Schauspielerisch umgesetzt und
rezitiert wurden Textpassagen des russischen Schriftstellers Daniil
Charms und des österreichischen Autoren Peter Handke. Die Darsteller
Caroline Buffet, Maria Dalbert, Jonas Kaufmann, Ute Keilbach, Martin
Kumbartzky, Anette Metzner, Morgana Pasch, Berthold Schmidt-Lahr,
Barbara Siefert und Katharina Schäfer durchlebten auf der Bühne - und
mit ihnen das Publikum im Raum - eine wirre, einem Albtraum gleichende
Verkettung von Begegnungen, Gesprächsfetzen und wortloser
Gruppendynamik, die schlussendlich Konventionen und Rollenverhalten
entlarvte.
Trotz der bewegten, bunten Eindrücke, die das
Gesamtbild transportierte, geriet der überwiegende Teil der Szenen in
düstere Gefilde und Kaltschnäuzigkeit. Skizziert wurden menschliche
Regungen wie Klatschsucht, Schadenfreude, Sensationsgier,
Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit, Wut oder Ärger.
Von einem
Huhn mit vier Beinen, das eigentlich fünf Beine hatte, war da die Rede.
Insgesamt sechs Frauen fielen vor lauter Neugierde aus dem Fenster und
brachen sich das Genick. Darf eine Frau ihren Prinzen mit Suppe
bewerfen? Auf Fragen wie diese fand sich selbstredend keine schlüssige
Antwort.
Vornehmlich Äpfel und Stühle wurden als Requisiten
benutzt. Auch das muss keinen Sinn ergeben und könnte es doch: den Apfel
zu essen bedeutet vielmehr, die Stille zu durchbrechen, sich lebendig zu
fühlen, etwas zu tun zu haben, sich an diesem festzuhalten.
So
wie man den Stuhl als Sitzgelegenheit, als Schutzschild oder zur
Abgrenzung verwenden kann. In den Tanzsequenzen und Bewegungsszenen ließ
sich nicht klar ausmachen, ob der Akteur den Stuhl herumwirbelte oder
sich im Gegenteil an den Stuhl klammerte - Ausdruck des Versuchs, Halt
und Haltung zu bewahren inmitten einer endlosen Flut an unerfassbaren
Situationen, in die diese Charaktere bewusst oder unbewusst
hineinschlitterten.
Da verwunderte es kaum mehr, dass die
Auskunft über den Fahrplan von Zügen und Fähren weniger die
Verlässlichkeit als die Unkontrollierbarkeit der vermeintlich planbaren
Welt offenlegte.
So abrupt wie das Stück anfing, hörte es auch
wieder auf, und die Darsteller verschwanden in der pechschwarzen
Dunkelheit. Es dauerte einen Moment, bis das Publikum realisierte, dass
nichts mehr folgen sollte, dann jedoch brach ein herzlicher Applaus los,
der andauerte, bis das Ensemble wiederholt auf die Bühne trat und je
eine langstielige Rose in Empfang nehmen durfte.
Einen
extragroßen Beifall gab es für die Regisseurin Simone Lüdi. Die
Kesselhaus Theatergruppe für Erwachsene, die vom städtischen Kulturamt
und dem Freien Theater „Tempus Fugit“ unterstützt wird, legte mit
“Zwischen- Fälle” ihre nunmehr zweite Produktion vor. Neue Mitglieder
und Interessierte sind ab Oktober diesen Jahres willkommen, die Gruppe
zu verstärken. Die Proben finden wöchentlich im Kulturzentrum Kesselhaus
statt.
BZ vom 20.04.2011
Absurd und doch fesselnd
Die Theatergruppe Kesselhaus bringt
skurrile "Zwischen-Fälle" überzeugend auf die Bühne
Von unserer Mitarbeiterin Regine Ounas-Kräusel
WEIL AM
RHEIN. So ungewöhnlich wie die gesamte neue Produktion der Theatergruppe
Kesselhaus ist auch die erste Szene: Auf der nahezu leeren, dunklen
Bühne begegnen sich eine junge Frau und ein Mann, der sich als Prinz
ausgibt. Sie springt auf Stühle, will ihn mit Suppe bespritzen, ob er
ein Prinz ist, ist ihr egal.
Am Wochenende führte die Truppe
(Regie: Simone Lüdi Sick) ihr Stück "Zwischen-Fälle" dreimal im
Kesselhaus auf. Es basiert auf Texten von Daniil Charms, einem
russischen Schriftsteller und von Peter Handke. Das Stück hat keine
Handlung, die sich entwickelt. Collageartig reihen die Darsteller
Geschichte an Geschichte. Nacheinander, durcheinander erzählen sie die
skurrilen Begebenheiten oder setzen sie szenisch um.
Da sitzen
die zehn Schauspieler aufgereiht auf den Stühlen und erzählen: Ein Mann
kann nicht schlafen, fällt aus dem Bett und bleibt am Boden liegen. Er
hat keinen Bauch, keinen Rücken, keine Eingeweide: Im Grunde ist es
überflüssig, über ihn zu reden. Woanders beugt sich eine Frau aus dem
Fenster, fällt hinunter und bricht sich das Genick. "Kracks" macht eine
Schauspielerin und beugt sich mit Verrenkungen nach vorne.
Ausdrucksvoll setzen die Schauspieler — die Jüngste ist 19, der älteste
56 Jahre alt — die Begebenheiten um. Das Erzählte unterstreichen sie mit
Gesten und Geräuschen, sie krächzen wie Raben, gackern wie Hühner,
machen "krack" wie brechende Knochen. Bei den szenischen Darstellungen
setzen sie in wechselnden Rollen ihre Körpersprache ein.
So auch
in der Schlussszene: Ein junger Mann, verkörpert von zwei Frauen,
begehrt Einlass, den ein Wächter verweigert: Kräftemessen mit Blicken.
Als der junge Mann schließlich das Tor passieren darf, irrt er ziellos
wirr über die Bühne und findet ihn nicht — den Himmel.
"Mich
interessiert nur der Quatsch. Nur das, was keinerlei praktischen Sinn
hat" , schrieb Daniil Charms zu seinen Texten. Dass dabei
Absurd-Düsteres überwog, ist kaum verwunderlich: Der Dadaist Daniil
Charms, der Konventionen brechen wollte, wurde ständig verfolgt und
verhungerte im Jahr 1942 während der Belagerung Petersburgs im
Gefängnis.
Das Stück "Zwischen-Fälle" ist die zweite Produktion
der Theatergruppe Kesselhaus, die sich 2009 auf Initiative des
Kulturamtes und des Freien Theaters Tempus fugit gründete. Ab Oktober
ist die Truppe wieder offen für neue Mitspieler.
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Generalprobe am 14. April 2011 |
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Fotos: Thomas Quartier |
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Es spielen:
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| Caroline Buffet |
Maria Dalbert |
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Jonas Kaufmann |
Ute Keilbach |
Martin Kumbartzky |
Anette Metzner |
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Morgana Pasch |
Berthold Schmidt-Lahr |
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Barbara Siefert |
Katharina Schäfer |
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| Regie: |
Simone Lüdi-Sick |
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Produktionsleitung: |
Daniela Hasche |
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Lichttechnik: |
André Kulawik |
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Fotos: |
Thomas Quartier |
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Grafik: |
Etienne Blatz |
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Wir danken ganz herzlich
dem Kulturamt
Weil am Rhein, dem
Kesselhaus Weil am Rhein für ihre
Unterstützung. Besonderer Dank geht auch an das
Ministerium für Kultus,
Jugend und Sport für die Förderung über den Landesverband
Amateurtheater Baden-Württemberg e.V. sowie an allen Sponsoren und
Paten.
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Texte von Daniil Chrams aus:
TRINKEN SIE ESSIG, MEINE HERREN! (Band 1: Prosa), erschienen
im Verlag Galiani Berlin, 2010. Texte von Daniil Chrams aus:
Fälle / Fallen aus dem Russischen von Peter Urban erschienen im
Verlag der Autoren. Das Copyright für „Zugauskunft“ von Peter
Handke liebt beim Suhrkamp Verlag. |
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