aktuelle Inszenierung:


TEMPUS FUGIT
Jugendtheater Rheinfelden

 

   
 
 

Picknick am Valentinstag
von Joan Lindsay

Regie: Karin Maßen

 


 

   
   
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  zum Stück:

"Whether Picnic At Hanging Rock is fact or fiction my readers must decide for themselves. As the fateful picnic took place in the year 1900 and all the characters who appear are long since dead, it hardly seems important." Joan Lindsay

Das Appleyard College ist ein australisches Mädcheninternat - fern ab von belebten Straßen. Ein isolierter Ort an dem heranwachsende Kinder durch qualifizierte Lehrer zu gebildeten, jungen Frauen geformt werden sollen.Doch unter der strengen Leitung ihrer Direktorin wird den Schülerinnen kein Raum gelassen um sich zu entfalten. Die einzige Möglichkeit, um ihrem Alltag für ein paar Stunden zu entfliehen, bietet der alljährliche Ausflug am Valentinstag.
Eine Felsformation nahe Melbourne namens „Hanging Rock“ wird das begehrte Reiseziel. Zunächst verläuft alles wie geplant und die Mädchen genießen eine idyllische Zeit.
Doch als Miranda, Irma, Marion und Miss Mc Craw spurlos verschwinden nimmt eine mysteriöse Geschichte ihren Lauf.
Die Suchaktionen verlaufen erfolglos, das gesamte Personal sowie die Schülerinnen des Appleyard Collage befinden sich in einem Zustand der Angst, Verzweiflung und Trauer.
Trotz der ständigen Ungewissheit soll das Internatsleben wie gewohnt weitergeführt werden. Doch es folgen erneut mysteriöse Ereignisse, die mehrere Opfer mit sich bringen.

 

 
  Presse
   
  Südkurier vom 08.04.2011

Zwischen Traum und Realität

Friedrichshafen. Aus einem nüchternen Bühnenbild mit hängenden weißen Papierbahnen eine starke Inszenierung mit dramaturgischer Dichte hervortreten zu lassen, das ist bei den Theatertagen Karin Maßen mit ihrer Jugendtheatergruppe „Tempus fugit“ aus Rheinfelden und dem Stück „Picknick am Valentinstag“ auf faszinierende Weise gelungen. Das will etwas heißen bei einem Stück, das als Film populär wurde und das zu einem nicht unwesentlichen Teil von Landschaftsbildern lebt. Australien um 1900: Eine Gruppe Mädchen eines australischen Mädcheninternats brechen am Valentinstag zum nahe liegenden Hanging Rock zu einem Picknick auf.

Vier Mädchen lösen sich von der Gruppe. Sie wollen die Umgebung erkunden und entfernen sich traumwandlerisch immer mehr von den anderen. Eine der vier kehrt jedoch um, und so beginnt die betreuende Lehrerin nach den drei Mädchen zu suchen. Bald schon gelten die Mädchen, genau wie die Lehrerin als verschwunden.

Das Bühnenbild entsteht während des Spiels, durch Abreißen oder Verändern der Papierbahnen. Da wird ein Fenster herausgeschnitten, dort Papier zerknüllt und durch Rascheln Meeresrauschen erzeugt; schließlich werden Papierstücke zu Briefen umfunktioniert. Das Stück beginnt ruhig und steigert sich langsam zu kraftvollen, intensiven Szenen, als die Geschichte um das Verschwinden der Mädchen hohe Wellen schlägt. Das Verschwinden, die Suche und die sich daraus ergebenden Ereignisse stehen dabei die ganze Zeit im Mittelpunkt. Doch wendet sich „Picknick am Valentinstag“ auch dem Schicksal der Betroffenen zu und dem, was das Verschwinden bei den Einzelnen auslöst. Zeitsprünge werden oft mit nur einem Satz überbrückt, ohne dass dadurch ein Bruch entsteht. Fantastisch ist die Rolle der Internatsbesitzerin besetzt, die in viktorianischer Strenge für Zucht und Ordnung sorgt und keine Schwächen duldet, aber selbst dem Alkohol frönt. Die Figur wird intensiv und mit aller Unerbittlichkeit verkörpert. Doch gehen auch fast alle anderen Darsteller in ihren Rollen voll und ganz auf, oft mit bewundernswertem schauspielerischem Talent, Bühnenpräsenz und Körpersprache. Nicht zu vergessen die klare Artikulation.

Neben poetischen Bildern – die schönen Mädchen mit ihren Schirmen wie in einem Gemälde von Renoir – bindet die Inszenierung auch Ironie und Wortwitz mit ein, ohne die Tragik der Handlung dadurch zu verharmlosen. Figuren und Abläufe sind oft klar gegliedert und lösen sich dann wieder in fließende oder aktionsreiche Handlungsstränge auf. Wie die Mädchen in langen weißen Kleidern über die Bühne schweben, dazu das wechselnde Lichtspiel, lässt eine mystische Stimmung aufkommen und schafft eine Ebene zwischen Traum und Realität. Komplizierte Zusammenhänge werden hier transparent gemacht und lassen gleichzeitig genügend Freiraum für eigene Interpretation.

Diese Inszenierung zieht den Zuschauer in ihren Bann, sie ist spannend und unterhaltsam zugleich sowie voller kreativer Ideen – also absolut preisverdächtig.
 
  BZ vom 30.11.2010

Viktorianisches Versteckspiel

Tempus Fugit zeigt "Picknick am Valentinstag"

Von unserer Mitarbeiterin Chris Rütschlin

RHEINFELDEN. Mit "Picknick am Valentinstag" , einem Theaterstück nach dem gleichnamigen Roman der Australierin Joan Lindsay, entführte die Jugendtheatergruppe Rheinfelden von Tempus Fugit am Freitagabend in der Rheinfelder Stadtbücherei ihr junges Publikum in eine Welt von Geschichten über die Kluft zwischen den europäischen Siedlern und den Mysterien des alten Australiens.

Am Valentinstag 1900 verschwinden auf mysteriöse Weise drei junge Mädchen und die Lehrerin Miss McCraw (wortgewandt Eva Hintermaier) bei dem Ausflug eines Mädcheninternats zum Hanging Rock. Suchaktionen verlaufen ergebnislos. Spekulationen aller Art bahnen sich ihren Weg — war es ein australischer Jack the Ripper oder spielt unterdrückte sexuelle Hysterie mit eine Rolle? — und verdichten sich, bis endlich eines der Mädchen aufgefunden wird, das sich aber an nichts erinnert, oder sich an nichts erinnern will. Der Niedergang der Mädchenschule ist besiegelt. Abmeldungen häufen sich, die Leiterin Mrs. Appleyard (überzeugend und ausdrucksstark Petra Jeroma) wird zur Trinkerin und verweist ihr Dichterinnentalent Sarah (Franziska Heining spielt überzeugend die Seelenqualen der jugendlichen Lyrikerin, die unter der grausamen Härte der Schulleiterin zerbricht) wegen ausbleibender Schulgeldzahlungen zurück ins Waisenhaus.

Für die Regie zeichnete Karin Maßen verantwortlich, die auch bei dieser Inszenierung pfiffige Regiekniffe parat hatte. Geiger Larsen Genovese schuf den musikalischen Rahmen mit herrlichem Geigenspiel, weiße Papiertrennwände, die je nach Lage von den Akteuren heruntergerissen wurden, dienten als transparente Wand für imposante Schattenspiele, bei denen das Publikum Einblick bekam in die Valentinskarten-schreibende Gemütswelt der Jugendlichen. Das Publikum genoss diese kunstvoll arrangierte voyeuristische Perspektive. Dass die zunehmend von den jugendlichen Schauspielerinnen und Schauspielern heruntergerissenen Papierwände auch für das verklemmte Versteckspiel einer australischen Siedlergemeinschaft stehen könnten, wird kunstvoll inszeniert.

Makellose Kostüme zeichneten ein authentisches Frauenbild zur Jahrhundertwende im Viktorianismus, in der Frauen durch wallende bodenlange Röcke ihrer körperlichen Freiheit beraubt waren und geistige Freiheit für sie oft noch ein Ideal in weiter Ferne bleiben sollte. Herrlich nahm sich hier die Rolle der dichtenden Internatsschülerin Sara Waybourne aus, in der die Autorin wohl auch für ihre weiblichen Genossinnen der schreibenden Zunft ein Plädoyer verfasst hatte.

Das 17-köpfige Ensemble gefiel durch gutes Zusammenspiel, und die Rolle des untröstlichen Michael Fitzhubert (ein herrlich verliebter schwärmerischer Sebastian Palzer), der seiner verschollenen Liebe sogar des Nachts noch auf den gefährlichen Felsen nachstieg.

Die Technik (André Kulawik) sorgte für einen reibungslosen Ablauf. Auf den Publikumsrängen blieb kein Stuhl leer. Der Lesesaal der neuen Bücherei erwies sich wieder einmal als ein trefflicher Vorführungsort, und der Abend belegte, dass Rheinfeldens Kulturlandschaft mit ihm eine wichtige Bereicherung erfuhr.

Weitere Aufführungen sind am 14.,15. und 16. Januar um 20 Uhr in der Stadtbibliothek Rheinfelden .
   
 
  Fotos
   
  bei den Proben am 11.11.2010
   
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  Generalprobe am 25.11.2010
   
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
   
   
   
   
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  Fotos: Thomas Quartier
   
 
 
Es spielen:
 
 
Mrs. Appleyard Petra Jeroma
Mademoiselle Poitiers Annika Moos
Miss Mac Craw Eva Hintermaier
Miranda Maren Schrader
Irma Leopold Melina Delpho
Marion Quade Kora Winkler
Edith Horton Anne Dahl
Sara Waybourne Franziska Heining
Rosamunde Larissa Probst
Tom Marius Klingenstein
Minnie Anna Mehlin
Gärtner Louis Mehlin
Mr Hussey Rafael Scafenen
Albert Crundall Elias Füchsle
Michael Fitzhubert Sebastian Palzer
Colonel Fitzhubert Jakob Klapprott
Constable Bumpher Markus Möller
   
Regie Karin Maßen
   
Regieassistenz: Elisabeth Wenk, Silvia Jourdan
Musik

Larsen Genovese

Programm- und Plakatgestaltung Etienne Blatz
Fotos Thomas Quartier
Technik André Kulawik
Produktionsleitung Vivien Prahl
Programminhalte
 
Aufführrechte: National Library of Australia
 
   
 
   
  Wir danken ganz herzlich  

der Stadt Rheinfelden, der Sparkasse Lörrach sowie allen Sponsoren und Paten für ihre Unterstützung.  

Gefördert vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport über den Landesverband Amateurtheater Baden–Württemberg e.V.
 

 

 

 

IMPRESSUM

 

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