Supergau im Urlaub. Rausschmiss. Komasaufen.
Katastrophale Aupairstelle. Lebenstraum geplatzt. Liebeskummer.
Krankheit. Verdammte Einsamkeit ... . In der szenischen Collage
erinnern sich Senioren und Jugendliche an Grenzmomente in der eigenen
Biografie, an das Gefühl „zu fallen“, an Augenblicke des Scheiterns.
Sie hören sich gegenseitig zu, beobachten sich, steigen ins Spiel ein
und aus. Geschichten vernetzen sich. Es entsteht ein Kaleidoskop
unterschiedlichster Befindlichkeiten und Überlebensstrategien. Der
Schrecken weicht der Lust am Spiel. Tragik verwandelt sich in Komik.
„Ein biografisches Theaterstück mit Senioren und Jugendlichen zum Thema „Fallen“ zu entwickeln, ist eine heikle Angelegenheit. Wie schafft man es, eine Form zu finden, in der die Geschichten der Spielerinnen gut aufgehoben sind — keiner ausgestellt wird? Wie gewinnt man das Vertrauen der Teilnehmenden? Dem konkreten Fixieren des szenischen Materials ging eine lange Phase der „Ensemblebildung“ voraus, die uns alle überrascht hat: Indem wir Dinge taten, für die man sonst keine Zeit hat, beispielsweise - sich stundenlang gegenseitig Musik vorstellen — sich Briefe schreiben
— sich an unmöglichen Ausnahmeorlen treffen — ‚ entstand eine überaus fröhliche und beschwingte Atmosphäre. Man fühlte sich während der Proben ein bisschen wie im Urlaub. Berührungsängste zwischen Alt und Jung schwanden — der Kontakt wurde immer selbstverständlicher.
Als die szenische Abfolge stand und wir begannen, das biografische Material festzulegen, wich diese Unbeschwertheit immer mehr dem Druck der nahenden Premiere. Mir war es vor allem wichtig, dass sich alle vierzehn Spielerinnen auf der Bühne sicher fühlen würden. Das bedeutete viel Wiederholung, genaues Festlegen der szenischen Abläufe, immer wieder Geduld und Verständnis. In mir stritt sich manches Mal die Regisseurin mit der Theaterpädagogin:
Ich musste mich teilweise von szenischem Material verabschieden, das ich gern auf der Bühne gesehen hätte, aus Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Teilnehmenden. Rückblickend bin ich froh darüber. Jede Entscheidung — auch der Verzicht — brachte etwas Neues hervor. Und so war das Projekt „ ... fiel einfach um“ eine abenteuerliche Fahrt zwischen Alt und Jung — mit Höhen und Tiefen
— angereichert mit beeindruckenden Gesprächen über das Leben, in dem am Ende — vor allem nach dem Fallen - immer nur zählt: weiter
machen!!!“
Die Gründung einer generationenübergreifenden Theatergruppe geht auf die Initiative von Frederic Toussaint, einem 20-jährigen Teilnehmer der Tempus fugit Multiplikatorenausbildung, Anfang 2009 zurück. Weil der Alltag relativ selten Gelegenheiten für intensive Begegnungen zwischen alten und jungen Menschen bietet, wollte Frederic durch die Theaterarbeit eine solche Gelegenheit schaffen. Gesagt getan: Schon bald formierte sich eine Gruppe aus Schülern und Senioren, die mit viel Neugierde und Freude eine kleine Szenen-Collage erarbeitete und anschließend aufführte. Die schönen Probeerlebnisse und das positive Feedback der Teilnehmenden gaben den Anstoß, die Gruppe fortzusetzen. Seit Oktober 2009 proben die vierzehn Ensemblemitglieder mit viel Elan und Begeisterung wöchentlich unter der Leitung von Eva Gruner an der ersten Eigenproduktion.
Eva Gruner studierte „Kulturwissenschaft und ästhetische Praxis“ an der Universität Hildesheim. Im Anschluss war sie als Theaterpädagogin und stellvertretende künstlerische Leiterin am freien Theater „STiC-er“ in Stralsund tätig. Von 2002 bis 2007 arbeitete sie als Tanzdramaturgin, Tanzpädagogin und Regisseurin zusammen mit dem portugiesischen Choreografen Carlos Matos am Stadttheater Hildesheim
/ Niedersachsen. Seit 2007 lebt sie mit ihrer Familie als frei schaffende Regisseurin, Choreografin und Theaterpädagogin in Lörrach, wo sie u. a. für Tempus fugit und das Theater Basel tätig ist.
Das
generationenübergreifende Stück " & fiel einfach um" von Tempus fugit
hatte Premiere
LÖRRACH. Wer 70 Jahre Leben hinter sich
hat, ist häufiger gefallen, enttäuscht worden, im Kleinen und vielleicht
auch im Großen gescheitert als ein Mensch, der mit Anfang 20 ins Leben
erst aufbricht. Ein junges Mädchen erleidet mit dem jahrelang
Umschwärmten Schiffbruch. Ein junger Mann ist mit dem tief
enttäuschenden Ende einer Traumreise konfrontiert, eine Jugendliche
strandet ohne Geld im fremden Berlin. Was ist das gegen die Wunde, die
bleibt, wenn man von der Ehefrau samt Hab und Gut, in Müllsäcken
verstaut, vor die Tür gesetzt wird, wenn man nach einem Unfall die
Laufbahn als Tänzerin an den Nagel hängen muss? Und doch: Die subjektive
Dimension der Katastrophe ist bei Alt und Jung die gleiche.
Erschütterungen kennen keine Altersgrenze — Krankheit etwa oder
Einsamkeit. Die Produktion " & fiel einfach um" , die das Theater Tempus
fugit unter Leitung von Eva Gruner mit sieben jungen Praktikantinnen und
Praktikanten und sieben Spielerinnen und Spielern jenseits der 65
erarbeitet hat, lässt einen mit solchen Gedanken zurück. Der Beginn ist
etwas statisch, doch bald folgt man den Geschichten und Bildern mit
großem Interesse. Ist beeindruckt von dem Mann, der sich an einen Chopin
her-ankämpft, obwohl er am Piano kein Meister ist; kann sich einfühlen
in die Härte, die es bedeutet, blutjung beim Au-Pair-Aufenthalt in der
Fremde einer frostigen Sklaventreiberin in die Hände zu fallen — in
einer Zeit, da ohne Handy und E-Mail Distanzen noch wirklich welche
waren; man leidet mit dem jungen Mann, der sich aus Frust ins Koma säuft
und entspannt sich mit dem anderen, der sich aus Musik, Tee und Tabak
sein Selbsttröstungsritual zaubert. Wer Glück hat, lernt früh, sich
wieder aufzurichten.
Mit sparsamen Mitteln ist die Collage
komponiert, mehr als ein paar Stühle, jene Müllsäcke und wenige
Requisiten braucht es nicht. Ruhe und Dynamik wechseln sich ab. Die
Fäden der Geschichten von Niederlage, Enttäuschung und Gesunden werden
immer wieder aufgenommen, mal wird "nur" erzählt, mal szenisch
untermalt, mal im Ensemble choreografisch agiert. Immer wieder treffen
sich Alt und Jung im Spiel, dann wieder agieren sie nach Generationen
sortiert — wie im richtigen Leben. Etwa wenn die Jungen über Stühle
balancieren und die Alten zur Vorsicht mahnen. Ausprobierenwollen und
Unbefangenheit gehört zu den frühen wie wachsende Ängstlichkeit zu den
späten Jahren. Man trifft sich freilich in der Erkenntnis, dass das
Glück in den kleinen Dingen wohnt: in Schokoladenkuchen und
Sonnenschein, einer Schneeballschlacht und im Grillen bei Vollmond. Und
im Chopin-Stück, dem man immer ein bisschen näher kommt.
Sabine Ehrentreich
Weitere Aufführungen vom 8. bis zum 10. Juni je um 20 Uhr in der Alten
Feuerwache
Die Oberbadische vom
7.6.10
Die große Angst vor dem tiefen Fall Tempus fugit feiert Premiere mit „... fiel einfach um“ in
der Alten Feuerwache
Von Christine Brehm
Lörrach. Es sind immer die überraschenden Momente, die überraschen.
Komisch, nicht? Genau das ist das Thema des neuen Stücks „... fiel
einfach um“ von Tempus fugit, das am Samstagabend in der Alten
Feuerwache Premiere feierte. Regie führte Eva Gruner.
Sieben
junge und sieben ältere Schauspieler erzählen ihre ganz persönlichen
Grenzmomente. So facettenreich das Leben ist, so unterschiedlich sind
ihre Geschichten: unerträgliche Einsamkeit, tragischer Liebeskummer,
Scheidung, Krankheiten oder Komasaufen. Jeder dieser überwältigenden und
unverhofften Momente, in denen man glaubt, ganz tief zu fallen, führt
beim Betroffenen zu seiner ganz eigenen Überlebensstrategie.
Doch
es gibt nicht nur die negativen Momente, in denen man fällt. Es gibt
auch die Schönen, in denen man sich gerne fallen lässt, ja sich fallen
lassen soll - wie in der Musik. Ein Stück von Chopin war der
überraschende Moment im Leben Winfried Kirsts, der am Flügel das
Theaterstück musikalisch begleitet.
In dessen Musik könne er
versinken, stundenlang. Geschickt machen sich die Darsteller auch die
Musik als Überleitung zur nächsten biografischen Szene zu nutze.
Ein falscher Ton lässt die Schauspieler aufschreien und der nächste
Erzähler ergreift das Wort. Ein anderes Mal ist es ein Wecker, der die
Geschichten voneinander trennt und gleichzeitig als Symbol für
Arbeitszeit und das Aufstehen am Arbeitstag die nächste Episode
einleitet.
Aus den manchmal traurigen Grenzmomenten werden aber
auch schnell komische. Brigitte Kösler, die eine ältere Dame darstellt,
die bei schlechtem Wetter an ihrer Einsamkeit verzweifelt, hat auch ihre
Taktik gegen den Grenzmoment und das Fallen entwickelt: Wenn sie einsam
ist, joggt sie in der Wohnung, bis der Nachbar klingelt. Dann freut sich
über den „Besuch“ und lässt den Nachbarn erst nach vielen Tassen Tee
wieder gehen.
Es ist gerade die Einfachheit der Inszenierung, mit
dem „... fiel einfach um“ auftrumpft. Bei jeder Figur gibt es nur eine
Requisite wie etwa den Wecker, der aus der Geschichte stammt und diese
verkörpert.
Alle Schauspieler spielen mit viel Herz und
Überzeugung, um letztendlich vor allem eine Botschaft zu vermitteln: Es
gibt viel schönes auf der Welt. Man muss die negativen Grenzmomente
überwinden. Man darf keine Angst vorm Fallen haben.
Diese Momente
gehören zum Leben, daher bedarf es einer eigenen Strategie, diese zu
überwinden und gestärkt daraus hervorzugehen.
Weitere Vorstellungen: 8., 9., 10. Juni,
jeweils um 20 Uhr, in der Alte Feuerwache in Lörrach.
Wochenblatt vom
2.6.10
Uraufführung in der
Alten Feuerwache (…)
Das
Theater „Tempus fugit“ feiert am 5. Juni um 20 Uhr in der Alten
Feuerwache am Burghof die Uraufführung des Stückes „...und fiel einfach
um!“ aus Eigenregie: Supergau im Urlaub. Rausschmiss. Komasaufen.
Katastrophale Aupairstelle. Lebenstraum geplatzt. Liebeskummer.
Krankheit. Verdammte Einsamkeit ... . In der szenischen Collage
erinnern sich Senioren und Jugendliche an Grenzmomente in der eigenen
Biografie, an das Gefühl „zu fallen“, an Augenblicke des Scheiterns. Sie
hören sich gegenseitig zu, beobachten sich, steigen ins Spiel ein und
aus. Geschichten vernetzen sich. Es entsteht ein Kaleidoskop
unterschiedlichster Befindlichkeiten und Überlebensstrategien. Der
Schrecken weicht der Lust am Spiel. Tragik verwandelt sich in Komik. (…)
BZ vom 01.06.2010
Vom Fallen und wieder Aufstehen
Vor der Premiere: Die erste generationenübergreifende
Produktion von Tempus fugit hat die Spielenden bereichert
Von unserer Redakteurin
Sabine Ehrentreich
LÖRRACH.
Die Lebenswelten von Alt und Jung berühren sich im Alltag viel zu
selten. In der Überzeugung, dass Erfahrene und Jugendliche sich
gegenseitig viel zu geben haben, nahm Tempus fugit im Herbst die Arbeit
an einer generationenübergreifenden Theaterproduktion auf, am Samstag
ist Premiere. "...fiel einfach um!" ist der etwas rätselhafte Titel: Es
geht um Grenzmomente im Leben, ums Scheitern — ums Fallen eben.
"Biografisches Theater" ist das, was Regisseurin Eva Gruber mit sieben
Praktikantinnen und Praktikanten des freien Theaters und sieben Männern
und Frauen jenseits der 65 erarbeitet hat, der Landesverband freier
Theater Baden-Württemberg gab einen Zuschuss. 75 Jahre alt ist der
älteste der Akteure, die Senioren und Seniorinnen bringen teils, aber
nicht durchweg Bühnenerfahrung mit. Entstanden ist eine Collage aus
biografischem und fiktivem Material rund um das Thema Fallen — im
konkreten wie im übertragenen Sinne. Ältere Menschen fürchten den Sturz,
Junge suchen ihn vielfach; und jeder, gleich welchen Alters, kennt
Momente des Scheiterns. Um diese Motive herum wurde gearbeitet.
Am Anfang stand das Kennenlernen, das Zusammenwachsen zum Ensemble. Es
wurde um themenbezogene Aufgaben und Fragen improvisiert. Die Bildung
von Patenschafts-Duos, die sich auch außerhalb der Proben trafen, sei
überaus wertvoll gewesen, sagen die Akteurinnen Verena Sepp und
Felicitas Tauer. Man verabredete sich an "unmöglichen Orten" zum
Austausch, schrieb sich Briefe, beichtete sich "Jugendsünden" , erfüllte
sich Wünsche, stellte Lieblingsmusik vor. Oft hatte man "Riesenspaß" ,
erzählen die Akteure; man lernte sich kennen, fasste Vertrauen, ließ
sich überraschen. Die Jungen lernten, auf das Tempo der Alten Rücksicht
zu nehmen. Man bekam, sagt Verena Sepp, "ein ganz anderes Bild
voneinander" . So entstand eine Fülle an Material — so viel, dass Eva
Gruber irgendwann die Reißleine ziehen musste. Nicht alles fand Eingang,
und nicht alles, was verwendet wird, ist wirklich erlebt, es blieb Raum
für Fiktion und eine große Sensibilität für allzu Intimes. Um
"Seelen-Striptease" oder therapeutisches Theater ging und geht es nicht.
Im zweiten Schritt ging es darum, aus dem Stoff eine bühnentaugliche
Collage zu formen, die Texte zu verfremden, Geschichten zu zersplittern
und neu zu komponieren. Was entstanden ist, ist am Samstag und in der
kommenden Woche in der Alten Feuerwache zu besichtigen. Der Ort ist ein
Glücksfall, finden die Regisseurin, ihr Assistent Till Lang und das
Ensemble. Alt und Jung die Gruppe, Alt und Neu das Haus, gespielt wird
vor einer Bruchsteinwand. Für diesen idealen Ort sei man dem Gastgeber
Matthäusgemeinde dankbar, sagt Eva Gruber.
Die Briefe ließen sich
nicht ins Bühnengeschehen integrieren, sie sind in der Alten Feuerwache
in einer kleinen Ausstellung zu sehen. Schön wäre es, finden die
Akteure, wenn die Zuschauer nach dem rund 75 Minuten währenden Spiel
noch die Briefe lesen würden — und darüber vielleicht ins Gespräch
kämen.
Das Projekt generationenübergreifendes Theater soll mit
der letzten Aufführung nicht zu Ende sein, zu spannend waren die
Erfahrungen während des Probenprozesses.
"...fiel einfach um!" , Biografisches Theater mit
Senioren und Jugendlichen; Premiere am Samstag, 5. Juni, weitere
Vorstellungen am 8., 9. und 10. Juni jeweils um 20 Uhr in der Alten
Feuerwache.
Die Oberbadische vom
1.6.10
Lebensträume und Erinnerungen
„...fiel einfach um!“: Alt
und jung auf der Bühne: Tempus fugit mit biografischem Theater
Lörrach (hau). Fallen - dieses Wort verbinden Senioren mit Gefahr,
mit Angst, mit scheitern. Jugendliche hingegen reizt es, Risiken
auszutesten, an Grenzen zu gehen. „...fiel einfach um!“ nennt Tempus
fugit seine neueste Produktion, die am Samstag Premiere feiert.
Sieben Jahrespraktikanten des Freien Theaters stehen gemeinsam mit
sieben Senioren im Alter zwischen 65 und 75 Jahren auf der Bühne.
Letztere hatten sich auf einen Zeitungsaufruf hin gemeldet und verfügen
teilweise über Laien-Schauspielerfahrung.
In monatelangen
intensiven Gesprächen und Begegnungen sowie bei Improvisationen haben
jung und alt unter der Regie von Eva Gruner eine selbst geschrieben
Szenen-Collage zusammengestellt.
Es geht um Grenzmomente der
eigenen Biografie, um Erinnerungen und Hoffnungen, um das Scheitern an
Lebensträumen und die Erwartungen an die Zukunft.
Das
ungewöhnliche und spannende Projekt, dessen Ergebnis anfangs völlig
offen war, wird in der Alten Feuerwache gezeigt. Ein idealer Ort, wie
Regisseurin Eva Gruner findet. Denn das renovierte historische Gebäude
vereinigt spiegelbildlich alt und neu.
Die Regisseurin trug sich
schon länger mit der Idee zu diesem Stück. Dass die Harmonie zwischen
den insgesamt 14 Schauspielern aber derart zündet und inspiriert, davon
waren alle überrascht.
Und man hat voneinander gelernt.
Vorurteile lösten sich auf. Wie fit die Alten noch sind, das
beeindruckte auch die beiden Tempus fugit- Jahrespraktikantinnen Verena
Sepp und Felicitas Tauer, wie sie im Pressegespräch verdeutlichen. Um
anfängliche Berührungsängste zwischen den beiden Gruppen abzubauen, ließ
Eva Gruner per Los Patenschaften zwischen Jugendlichen und Senioren
bilden. Heraus gekommen seien geradezu „ideale Kombinationen“. Die Paare
wurden dazu angehalten, sich zu treffen, von ihren Wünschen oder
Jugendsünden zu erzählen oder sich persönliche Briefe zu schreiben.
„Das war eine tolle Hilfe, so haben wir uns schnell und intensiv
kennengelernt“, erzählt Felicitas Tauer. Und Verena Sepp ergänzt: „Ich
hatte von älteren Menschen ein ganz anderes Bild im Kopf.“
Alle
14 Schauspieler haben intensive Probezeiten hinter sich: Es wurde
gemeinsam improvisiert, Texte entwickelt oder einfach mal nur Musik
vorgestellt und gehört. Eine Fülle an Material sei so zusammengekommen.
Trotz des biografischen Inhalts der einzelnen Erzählstränge, seien die
Geschichten so verfremdet, dass auf keinen Fall ein „Seelenstriptease“
herauskomme, unterstreicht Gruner.
Ein Teil des Materials - Fotos
oder Briefe und Texte - wird parallel zu den Vorführungen ausgestellt.
Das Theaterprojekt soll zudem in teilweise neuer
Schauspieler-Zusammensetzung fortgeführt werden.
Premiere: Samstag, 5. Juni, 20 Uhr;
weitere Vorstellungen: 8., 9., 10. Juni, jeweils um 20 Uhr, Alte
Feuerwache in Lörrach
DER KOMMENTAR
Jeder kann vom anderen lernen
Von Gabriele Hauger
Die Gesellschaft altert. Doch die Generation 65plus will mehr als
Gartenarbeit und Enkel hüten. Fitte Senioren sind trotz anhaltendem
Jugendwahn als Zielgruppe erkannt und zunehmend im Fernsehen und in der
Werbung präsent. Generationenübergreifende Wohn-Modelle sind im
Gespräch. Die zunehmende Zahl älterer Menschen in Deutschland ist also
ein Thema.
Dass dies nun auch vom ambitionierten Freien Theater
Tempus fugit aufgegriffen wird, entspricht dem Zeitgeist und ist dennoch
ein inspirierendes Signal. Vor allem weil hier eben nicht - wie so oft -
jung und alt getrennt agieren, sondern weil tatsächlich gemeinsam und
gleichberechtigt entwickelt, diskutiert und geprobt wird.
Gemeinsam ein Theaterstück schreiben und aufführen: ein ideales
Beispiel, um durchaus vorhandene Vorurteile abzubauen. Im Anschluss an
die Vorstellungen hoffen Regisseurin und Schauspieler auf
generationenübergreifende Gespräche im Publikum. Wenn das gelingt, zieht
die Verständigung zwischen jung und alt weitere Kreise - zum Nutzen
aller: Denn jeder kann vom anderen lernen.
Werner Adams Linde Adelmann Karin Drändle Gisela
Halmazna Renate Hess Winfried Kirst Brigitte Kösler
Etienne Blatz Benjamin Böcker Elias Füchsle Anja
Gottschalk Verena Sepp Felicitas Tauer Michael Zier
Klavier
Winfried Kirst
Regie/Dramaturgie
Eva Gruner
Produktionsleitung /
Regieassistenz
Felicitas Tauer
Regieassistenz
Till Lang
Plakat und Gestaltung
Etienne Blatz
Technik
André Kulawik
Programminhalt
Eva Gruner, Felicitas
Tauer
Fotos
Thomas Quartier
Wir danken
Der Stadt Lörrach, dem Landesverband
freier Theater Baden-Württemberg, allen Paten und Sponsoren für ihre
Unterstützung, Pfarrer Abraham und der Matthäusgemeinde für die Aufl
ührungsmöglichkeit sowie Frau Haack für Ihre freundliche Betreuung,
Michael Greff für die Einführung in die Sturzprophylaxe. Gefördert durch den Landesverband Freier Theater Baden–Württemberg e.V. aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst.