aktuelle Inszenierung:

EINE KOOPERATION DES
SCHULTHEATERS DER KAUFMÄNNISCHEN SCHULEN LÖRRACH UND DER
MATHILDE-PLANCK-SCHULE LÖRRACH MIT DEM
TEMPUS FUGIT JUGENDTHEATER
 

   
 
 

"Ganze Tage - Ganze Nächte"
nach Xavier Durringer

Regie: Karin Maßen
 

 


 

   
   
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  zum Stück:

„Ich würde gerne was anderes machen, als das, was ich mache, verstehst du, was anderes.

Jemand anders sein, am liebsten sogar das genaue Gegenteil...“

Gerald sucht eine Frau, die er lieben kann. Bislang hat er bei Frauen kein Glück gehabt. Er ist auf der Suche, um dem Alleinsein zu entfliehen.

Luzia und Fred führen eine Beziehung die geprägt ist von bohrender Eifersucht, Machogehabe und dem verzweifelten Bemühen „cool“ zu sein.

Silvia ist eine Frau, die von niemandem beachtet wird. Sie fällt nicht auf, keiner kann sich ihren Namen merken...

Ein junges Mädchen versucht den Menschen zu entkommen. Sie will von allen in Ruhe gelassen werden und stopft sich mit Schokolade voll...

Daneben ein Mädchen, das aufhört zu essen, zu denken, zu fühlen...

In Textpassagen, kleinen Geschichten, Monologen und Dialogen wird bruchstückhaft eine Welt sichtbar - poetisch und ernüchternd zugleich.

Durringers Stück hat keine dramatische Handlung, aber das Drama ist immer gegenwärtig. Die Figuren haben keine Entwicklung, dafür Sehnsucht, Angst, Aggression, Liebe und Schmerz und das „ganze verdammte Zeug!“

Rat- und orientierungslos taumeln die zufällig aufeinander treffenden Protagonisten durch die soziale Eiseskälte, die sie umgibt und die sie selbst verkörpern. Sie beschimpfen sich, streiten, reden aneinander vorbei, sind abwechselnd zärtlich und aggressiv, romantisch und brutal.

Kurze Momentaufnahmen des ganz alltäglichen Wahnsinns Leben. Facettenreiche Sinnbilder für den Lebenshunger der Menschen, die alles dafür tun, um sich diesen nicht einzugestehen. Hart am Abgrund, und doch immer wieder geprägt von Komik, Hoffnung und der Suche nach dem anderen in sich selbst.

Zur Idee der
Neuinszenierung:


Schon 2005 hatte sich die Regisseurin mit den damaligen Spielern und Spielerinnen an die Inszenierung dieses Theaterstückes gewagt und damit großen Erfolg in Lörrach und der Region gehabt.
Die Energie und das Potential der jetzigen Gruppe, die gemeinsamen Gespräche, das Interesse der Spieler und Spielerinnen an dem Thema und die gemeinsame Lust, eine große neue schauspielerische Herausforderung meistern zu wollen, ließen die Idee aufkeimen, dieses Stück wieder ins Rampenlicht zu stellen und neu zu hinterfragen. So näherten wir uns der Frage nach der Verrohung, der Vereinsamung und der verzweifelten Suche nach Geborgenheit und Glück von Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen und entdeckten dabei auch die eigenen
persönlichen Anteile.

Wie mit einer Kamera fingen wir an, Szenen neu zu beobachten und für die Bühne umzusetzen GANZ SACHT; MANCHMAL KOMISCH; MANCHMAL SEHR ERNST; NACHDENKLICH UND WÜTEND ZUGLEICH.

Karin Maßen


 

 
  zum Autor:

Geboren 1963 in Paris. Dramatiker, Drehbuchautor und Filmregisseur. Seit 1989 leitet er die freie Theatergruppe „Compagnie La Lezarde“, für die er schreibt und inszeniert. Mit seinen Aufführungen in verlassenen Fabrikgebäuden der banlieues von Paris erschloss Durringer ein neues, dem traditionellen Theater gegenüber äußerst kritisches Publikum.

Xavier Durringer gehört wohl zu den radikalsten Vertretern seiner Spezies; er hat den Jugendlichen aus der cite aufs Maul geschaut und thematisiert in seinen Stücken die Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft. (aus: Neue Theaterstücke aus Frankreich: Scene 1, Verlag der Autoren S. 308)

 
  Zu dem gesellschaftlichen Hintergrund des Stückes:

Die sozialkritische Situation in den französischen Vorstädten begann mit der Industrialisierung nach dem 2. Weltkrieg, als Frankreichs Wirtschaft enorm zulegte und so nicht mehr aus eigenen Ressourcen zu decken war. Der Bedarf an billigen Arbeitskräften war extrem hoch. Dies war der Startschuss für die Massenimmigration nach Frankreich. Die Arbeiter kamen vorüberwiegend aus den maghrebinischen Ländern entlang der Nordafrikanischen Küste. Frankreich wurde so das europäische Land mit den meisten muslimischen Migranten. Zu dieser Zeit entstanden die Arbeitersiedlungen entlang der Industriegebiete um möglichst viele Migranten günstig unterzubringen. Jedoch wie so oft hält eine wirtschaftliche Lage nicht dauerhaft an und die Situation auf dem französischen Arbeitsmarkt verschlechterte sich drastisch. Durch Mangel an Integrationsprogrammen war die Arbeitslosenzahl zuerst in den Vorstädten zu spüren. Über die Jahre hinweg spitze sich die Situation extrem zu, dass man von einer Gettoisierung sprechen kann. Die Trabantenstädte gleichen teilweise den heutigen Slums in Dritte-Welt-Ländern und sind geprägt von Armut, Arbeitslosigkeit und Hass.
 

 
   
  Presse
   
  BZ vom 26.09.2009

Gebrochene Struktur

"Ganze Tage, ganze Nächte" von Tempus fugit und dem Schultheater der kaufmännischen Schulen und der Mathilde-Planck-Schule

An kleinen Tischen sitzen verstreut junge Leute, immer alleine, nie mit jemandem zusammen. Mitten durch Tische und leere Stühle geht die Bühne des neuen Stückes von Tempus fugit, dieses Mal gemeinsam mit Mitgliedern des Schultheaters der kaufmännischen Schulen und der Mathilde Planck-Schule. Die jungen Schauspieler stehen auf, wenden sich der Bühne zu und erzählen die Geschichte "vom Typen, der einer Frau hinterherschaut" , ihr in die Bahn folgt, bis diese aussteigt, von einem Mann abgeholt wird, um in ihrem Haus zu verschwinden. Sie sind Zuschauer allesamt, die da auf der Bühne ihre Geschichte erzählen.

"Ganze Tage, ganze Nächte" ist eine Stück des Franzosen Xavier Durringer, der dieses in den Vorstädten der französischen Städte angesiedelt hat. Keine Hoffnung nirgends, keine Liebe, keine Geborgenheit. Es ist die Zeit der Houllebecques’schen Elementarteilchen, Durringer bringt die Bindungslosen auf die Bühne, ohne jedoch den kalten sezierenden Blick des französischen Skandalromanciers auf seine Protagonisten zu richten.

Im Gegenteil, das Stück ist von Anteilnahme für die Figuren geprägt, ohne jedoch engagiertes Theater um traditionellen Sinne zu sein. Da ist die Struktur viel zu gebrochen, die einzelnen Handlungsstränge zu getrennt. Es werden auch keine Entwicklungen geschildert, sondern Momentaufnahmen. Da ist Claudia (Franziska Kienzler), nervös, nägelkauend ist sie geplagt von Schuppenflechten und hat doch die Liebe getroffen, oder besser einen Menschen, der bereit ist, die Leerstelle, die sie für die Liebe bereitgestellt hat, zu füllen. Und der unbedarfte Gerald, der endlich eine Frau kennengelernt hat, ist von allem unbeleckt, das prädestinierte Opfer, in seiner Intention endlich dazuzugehören. Ganz klasse ist Matty Schneider, Figur und Schauspieler gehen eine fast untrennbare Verschmelzung ein.

Obwohl Prostitution, HIV und Aggression ihren Platz im Stück haben, werden da die sichtbaren Grenzverletzungen des allgemeinen Codexes nicht ausgeschlachtet, erst ganz zum Schluss stellt sich heraus, dass die Namenlose, von Elisabeth Wenk gespielt, wohl an Aids erkrankt ist. Kürzlich war Till Lang noch behäbiger, sturer Tischlermeister in Frischs Andorra und nun überrascht er mit ganz intensivem körperlichen Einsatz, aggressiv, verletzlich, er setzt alles ein, um seine Seelenzustände deutlich zu machen, da kriecht einer förmlich in seine Rolle hinein. Und füllt sie aus bis in den letzten Winkel mit auch wagemutigem Körpereinsatz. Silvia (Annika Greiner) ist ebenfalls unbeleckt von allem, eine die übersehen wird, "deren Name schon so langweilig ist, das ihn jeder vergisst." Sie ist das Gänseblümchen des Stücks, gedeiht überall, will sich der Sonne entgegenrecken, und wächst stetig und bescheiden, selbst im Dreck. So herrlich naiv ist sie in ihrem Streben nach dem Wissen und Erkenntnis.

Das Stück spielt auf drei Ebenen, neben der Bühne im Publikum aber auch im anschließenden Treppenhaus, Dynamik entsteht so mit den verschiedenen Ortswechseln, wo gerade die Sprache, sich ständig wiederholt und so den Eindruck von Stillstand entstehen lässt.

Vielleicht hätte die eine oder andere Figur noch mehr an ihre Grenzen gehen können, sich intensiver dem Leben um sie herum hingeben, eben nicht nur Till Lang. Aggression hatte zu Beginn des Stückes ihren Raum, sie weiter aufblitzen lassen, hätte es noch authentischer werden lassen.

Martina David-Wenk
 
  Die Oberbadische vom 26.9.09

Kämpfen oder aufgeben?

Tempus fugit: „Ganze Tage-Ganze Nächte“

Lörrach (lc). Ein außergewöhnliches Theaterstück zeigten 13 Schüler bei der Premiere von „Ganze Tage - Ganze Nächte“ im Foyer der Kaufmännischen Schulen. Sie erzählten in Monologen und kleinen Geschichten von Menschen am Abgrund, die sich verzweifelt nach Liebe und Geborgenheit sehnen.

Ein langer Steg war in der Schule aufgebaut. Bistro-Tische und Stühle reihten sich um die ungewöhnliche Bühne. Das Publikum fühlte sich von Anfang an in das Schicksal der Protagonisten eingeschlossen. Und tatsächlich befanden sich - zur allgemeinen Überraschung - die Schauspieler unter den Gästen. Plötzlich standen sie auf und erzählten ihre tragischen Geschichten. Ein Spiel aus Liebe, Aggressionen und Zärtlichkeiten beginnt. Inszeniert wird zum Beispiel die Geschichte von Luzia und Fred.

Eifersucht zerstörte ihre Beziehung. Er ertränkt sie mit Worten, engt sie ein und durchbohrt Luzia mit seinen misstrauischen Augen. Dieses anspruchsvolle Stück nach der Vorlage von Xavier Durringer - gleichermaßen geprägt von Tragik und Komik - verlangte den Schülern sehr viel Emotionalität ab. Leidenschaftlich verkörperten sie ihre Rollen: Menschen am Rande der Gesellschaft, auf der Suche nach Liebe, die nicht fähig sind, ihren Gefühlen einen Namen zu geben. Die Bühne - ein Steg - versinnbildlichte diesen Abgrund. Schicksale, die das Publikum zutiefst berührten, musikalisch untermalt von Daniel Vogel.

Die Kooperation des Schultheaters der Kaufmännischen Schulen Lörrach und der Mathilde-Planck Schule mit dem Tempus Fugit Jugendtheater war ein voller Erfolg. „Es war eine echte Herausforderung und die Schüler haben sie hervorragend gemeistert“, lobte auch Regisseurin Karin Maßen.

   
 
   
  Fotos
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos von der Generalprobe am 23. September 2009

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Thomas Quartier

   
 
 
Es spielen:
 
 
 
   
Anja Gottschalk Annika Greiner
Melanie Wolf Verena Sepp
Elisabeth Wenk Jesse Bernauer
Matty Schneider Naomi Abukha
Michael Zier Fabian Müller
Till Lang Franziska Kienzler
Miriam Pfitzenmaier Matthias Krimmer
Artur Schmidt Adrian Sennsenbrenner
   
Regie: Karin Maßen
Regieassistenz: Etienne Blatz
   
Musik/Komposition: Daniel Vogel
   
Bühnenbau Tempus fugit
Plakat- und Programmgestaltung Britta Rechlin
Lichtdesign / Lichttechnik André Kulawik
   
Kostüme Karin Maßen, Sylvia Kirzdörfer und Gruppe
Fotos Thomas Quartier
Produktionsleitung Sören Herrmann
   
Stückvorlage: Xavier Durringer in der Übersetzung von Alain Jadot und Andreas Jandl.
Verlag Felix Bloch Erben
 
 
  Wir danken:

Für eine immer ausgezeichnete und vertrauensvolle Zusammenarbeit und Unterstützung durch Herrn OstD Eickmeier, Frau OstDin Marais und dem Kollegium der Schulen, speziell Frau OstRin Isolde Braig als Ansprechpartnerin der Schulen.
Für die Telefonate, mündlich und schriftlich Absprachen bei Frau Hirlinger, Frau Weiß, Frau Eiche, Herrn Schäuble (alles Gute für den Ruhestand) und Frau Gehrt.
Allen Hausmeistern und Reinigungskräften herzlichen Dank für ihre Hilfsbereitschaft und ihr Entgegenkommen.
Frau Lang für ihre freundliche und zuvorkommende Art, ihre Geduld und Entgegenkommen bei den Proben und Aufführungen im Foyer.
Herrn Hug für das Buffet allen Eltern und LehrerInnen, die durch Probentermine immer wieder gefordert wurden.

Gefördert vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport über den Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg e.V.

 
 
 

 

 

 

IMPRESSUM

 

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