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aktuelle Inszenierung:
Freies Theater
Tempus fugit
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"aufTischen"
Regie: Karin Maßen,
Eva Gruner, Silvia Jourdan-Kirzdörfer, Daniel
Vogel
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Zur Performance |
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Zur Performance
Ein Tisch (v. griech.: „δίσκος“ = Diskus) ist ein
klassisches Brückenmöbel, welches den Raum überspannt, statt ihn zu
umschließen. Wir spannten wieder einmal Bögen zwischen allen Gruppen,
gerade um auch unsere neuen Spieler/innen schnell die Gemeinsamkeit
in unserer Arbeit entdecken zu lassen.
PrakTisch
unterscheidet sich der Zugang der Gruppen und der Regie durch
verschiedene künstlerische und ästhetische Schwerpunkte (Tanz,
Szene, Choreographie), aber auch durch unterschiedliche inhaltliche
Aspekte. „Ein Tisch“ wurde einerseits sachlich ernst genommen, aber
auch die Symbolik des Tisches, die metaphorische Bedeutung und die
Redensarten wurden den Gruppen aufgetischt:
Niemand konnte seine Beine einfach nur unter den Tisch
strecken, sondern war ganz schön gefordert, reinen Tisch zu
machen, ob am Grünen, am Runden oder zu Hause, Tischreden zu
halten, laute, leise, den Tisch zu erobern, mit Charme oder Melone,
ihn zu einer Tafel zu gestalten, oder zu untergraben, Tischnachbar zu
sein, aber auch Tischgenosse, gar der Tafelrunde anzugehören, ihn
zu bewohnen, darauf zu hausen, auf den Tischen zu tanzen, aber
auch vom Tisch zu fallen, unter den Tisch gekehrt zu werden, um
wiederum darauf zu triumphieren, jemanden über den Tisch zu ziehen,
sich darauf zu präsentieren, aber auch sich darunter zu verstecken!
PhantasTisch werden aus dieser Fülle an Ideen kleine
Blitzlichter gezeigt. Die Entschlüsselung aller Tischmomente wird in
den Zuschauern vielleicht einige Erinnerungen oder neue Verbindungen
wecken. Uns schwebt ein fröhlicher, frecher, grotesker,
provozierender, beschämender, kritischer und satter Abendtisch vor.
Die Karten werden offen auf den Tisch gelegt:
– es ist angerichtet!
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Presse |
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BZ vom 04.08.2009
Alles drehte sich um den Tisch
Tempus fugit sezierte in der letzten
Produktion des Jahres Geschichten an und unter dem Möbel
LÖRRACH (dw). Auf der Bühne beim alten
Wasserwerk reden Menschen, essen Menschen, trinken Menschen. Doch etwas
fehlt: wo das Glas hinstellen, wo die Gabel ablegen? Es gibt keinen
Tisch. In der nächsten Szene ist er da, man speist und diniert, es wird
aufgefahren und abgetragen, parliert und geschwiegen rund um die Tische
aus Holz. Was ist ein Tisch? Dieser Frage widmet das Freie Theater
Tempus fugit die letzte Produktion des Jahres. Es ist eine temporeiche
Performance mit Live-Musik, die fast ohne Worte auskommt. Ein Finale,
das noch einmal alle Gruppen von Tempus fugit vereint, eine
Gemeinschaftsproduktion auch der Regisseurinnen Karin Maßen, Eva Gruner
und Silvia Jourdan-Kirzdörfer. Rhythmisch unterstützt wird die Gruppe
von Daniel Vogel. Alles ist im Fluss, ständig wechseln die Akteure und
Settings, immer wieder werden neue und andere Bilder beschworen.
Und die Bilder entwickeln sich
weiter, lassen ganze Epochen entstehen, wenn sich Till Lang und Lina
Schelker zum Beispiel als altes Ehepaar an ihrem leeren Tisch
niederlassen und darüber sinnieren, was sich hier schon alles abspielte.
Wer kennt sie nicht, die vielen kleinen Tragödien, die im Kreise der ach
so trauten und lieben Familie gegeben werden? Die falschen Filme, die
bei solchen Terminen laufen, die Leichen unterm Tisch, die sich
bemerkbar machen, von denen aber niemand Notiz nehmen will.
Am Geschäftstisch tanzen die
Börsianer
Der Tisch des
geschäftlichen Meetings wird zur Farce, ein Abriss der jüngsten
Wirtschaftskrise, von Monopoly spielenden Zockern, die freudig vereint
alle aufs Gleiche setzen, bis zu geschassten Topleuten, denen der Stuhl
vor die Tür gestellt wird. Wendelin Wiedeking lässt grüßen — obwohl der,
als die Theaterproduktion vor vier Wochen begann, noch im Amte war. Anne
Ehmke hat hier noch ihren Auftritt und interpretiert Konstantin Weckers:
"Wenn die Börsianer tanzen" . Sie tanzen nach wie vor der Krise.
Zum Schauplatz eines Mikroepos
wird der Tisch ebenso. Anne Ehmke ist dieses Mal diejenige, die den
Tisch der Reichen vor der Invasion der Armen bewahrt. Sie selektiert,
lehnt ab, erlaubt, meint sich behaupten zu können, allein im Glanz des
Scheinwerferlichts. Doch die anderen, die die nur unterm Tisch Platz
finden, kommen. Erwehren kann sich ihrer niemand, sie erobern den Platz
im Licht, werden verdrängt, andere kommen, auch diese gehen.
Aber auch
Komik hat Platz in der einstündigen Produktion von Tempus fugit.
Heiterkeit, hervorgerufen von der Spielfreude der vielen verschiedenen
Theatergruppen. Rundum gelungen ist das Stück, ein fulminanter
Abschluss, ein rhythmenreicher mitreißender Theaterabend. Offenen
Szenenapplaus ernteten die jungen Schauspieler, selbst bei einem Stück
wie diesem, das gar keine Zeit für den Beifall ließ.
Martina David-Wenk |
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Die Oberbadische vom
29.7.09
Es wird nochmal „aufgetischt“
Jugendtheaterprojekt „aufTischen“ mit Tempus fugit im Alten
Wasserwerk
Von Dorothea Gebauer
Lörrach.
Ein Tisch ist viel mehr als nur ein Tisch. In „aufTischen“, einem
Jugendtheaterprojekt aller Tempus fugit-Gruppen, wird er zum Leitmotiv
zündender Blitzlichter, zu einer zappenden Abfolge dessen, was sich um
ihn ereignen kann. „aufTischen“ - eine lebhafte Kulturgeschichte in
Szenen rund um den Tisch - wird noch einmal am morgigen Donnerstag, 30.
Juli, um 21 Uhr, im Alten Wasserwerk aufgeführt.
Unglaublich,
denkt der Besucher, der sich in vergnüglicher Manier der Herausforderung
stellt, eine Fülle von Tischmomenten für sich zu entschlüsseln. Da
greift zu kurz, wenn der Tisch als Ort gesehen würde, wo man nur isst.
Das lebhafte Spiel, das mit knapper Sprache und dafür umso mehr
Körperarbeit, Mimik und Lauten arbeitet, gestaltet den Raum in und umden
Tisch kunstfertig und differenziert aus. Ein Kosmos an Kontroversen,
Gesprächen, Machtkämpfen und sozialer Hackordnung wird durch szenisches
Spiel entfaltet. Da wird mit Mitteln des Schauspiels fröhlich und frech
übersetzt, was die Sprache schon an Geheimnissen bereithält. Ob es darum
geht, „reinen Tisch zu machen“ oder „jemanden über den Tisch zu ziehen“:
Immer ist der Tisch Kristallisationspunkt dramatischen Geschehens, ist
Durchgang zu einer Welt, die man dahinter nie vermutet hätte.
Einfallsreich, unterhaltsam, mit Witz, Biss und Tiefgang sowie Tempo
wird alles ausgelotet, was man sich vorstellen kann. Dazu dienen Tanz
und Gesang. Unzählige Male werden Holztische umgeworfen, umpositioniert,
tauchen in unterschiedlichsten Settings auf.
Rasant
beispielsweise die Szene, als mit Krawatte und Nadelstreifenanzug eine
Konferenz gespielt wird. Da herrscht berstend aufgeladene Stimmung. Gift
und Galle, Zündelndes und Aggressionen sind ungesagt zu hören. Der Krieg
ohne Worte, das, was unter dem Eisberg ist, wird wunderbar sichtbar
gemacht. Und wo die Dinge nicht auf den Tisch kommen, schnattern sie
unter dem Tisch weiter.
Oben die weiße Tischdecke, die Unschuld
suggeriert, darunter der gedrängte Pulk an Schauspielern, der vor sich
hinquasselt als Symbol dafür, was da ist, aber nicht auf den Tisch
gelegt werden darf.
Doch nicht nur kritisch und grotesk ist die
Arbeit der Jugendlichen, oft hält sie auch Lacher bereit. Wenn die
Bedienungen im Frack auftauchen, sich synchron und unter Tiergeräuschen
auf die Tische zubewegen, sieht man sich einer Schar von Pinguinen
gegenüber.
Die gelungene Premiere der Inszenierung „aufTischen“
fand am Sonntag statt. Bei gutem Wetter herrschte im Alten Wasserwerk
prachtvolle Openair-Atmosphäre, so dass auch die Live-Musik neben der
Bühne unter freiem Sommerhimmel einen geschützten Platz hatte und die
Bilder musikalisch unterstützen konnte. |
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Fotos
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Fotos:
Karin Quartier |
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