aktuelle Inszenierung:

Tempus fugit -  Jugendtheater Lörrach
 

   
 
 

"Jugend ohne Gott"
nach Ödön von Horváth

Regie: Karin Maßen
 

 


 

   
   
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  zum Stück:

1934, ein Jahr nach der nationalsozialistischen Machtergreifung. Ein  junger  Lehrer,  trotz humanistischer Ideale äußerlich angepasst, innerlich resignierend , sieht in den Schülern seiner Klasse nur noch eine verrohte Jugend ohne Ideale und Ziele. Wachsende Anpassung, Apathie oder blinde Gefolgschaft sind in der Schulklasse präsent. Seine beiläufige Bemerkung, auch Neger seien doch Menschen, bringt die Klasse und Eltern geschlossen gegen ihn auf. In einem  vormiltiärischen Zeltlager, das der Wehrertüchtigung der Jugend dienen soll, geraten die Dinge vollends aus dem Lot. Als im Lager Sachen gestohlen werden, beobachtet der Lehrer, der die aufgestellten Wachen beaufsichtigt, die nächtliche Begegnung einer seiner Schüler mit einem fremden Mädchen. Um mehr zu erfahren, verschafft er sich Zugang zu dessen Tagebuch - und sieht sich, als tags darauf ein anderer Schüler erschlagen aufgefunden wird, in ein grausames Verbrechen verstrickt.

Eingebettet in eine Kriminalgeschichte beschreibt Horváth einerseits den Zeitgeist kurz nach der nationalsozialistischen Machtergreifung, anderseits weist er auch weit darüber hinaus.

Er Lässt er den Lehrer die Frage stellen:  „Was ist dies für eine Jugend? Eine harte oder nur eine rohe?“, dies könnte auch einer  aktuellen Debatte zur Befindlichkeit der heutigen Jugend entstammen.

Spannend daran ist nicht  allein die schrittweise Auflösung des Falles, die Entstehung, Verschleierung und die Enthüllung eines Mords, sondern der schwelende Gewissenskonflikt des Lehrers als Repräsentant einer fordernden Erwachsenenwelt, der von  anderen das verlangt, was er selbst nicht tut, der lange zuschaut ohne zu handeln und dann das Falsche tut?

Die Glaubwürdigkeit des eigenen Handelns steht in Frage - generationenübergreifend  - damals und heute.
 

 
  zum Autor:

Ödön von Horváth wurde 1901 im ungarischen Sušak einem Vorort von Fiume (heute das kroatische Rijeka) geboren.

1919 siedelte er nach Wien über, wo er in die Obhut seines Onkels übergeben wurde. Ab 1923 lebte er vor allem in Berlin, Salzburg und bei seinen Eltern im oberbayrischen Murnau. In dieser Zeit veröffentlichte er erste Gedichte.

 Der junge Dichter schloss sich keiner Partei an, sympathisierte aber mit den Linken und warnte in seinen Stücken zunehmend vor den Gefahren des Faschismus.

Horváths Ruhm als Dichter erlebte 1931 einen ersten Höhepunkt, als er den Kleist Preis erhielt und sein erfolgreiches Bühnenstück „Geschichten aus dem Wiener Wald“ aufgeführt wurde. Als die SA nach Hitlers Machtergreifung 1933 die Villa seiner Eltern in Murnau durchsuchte, verließ Horváth Deutschland und lebte in den folgenden Jahren in Wien und in Henndorf.

Horváths finanzielle Situation verschlechterte sich, weil seine Stücke in Deutschland nicht mehr aufgeführt werden durften. Erst 1937 konnte er wieder einen größeren Erfolg verzeichnen, da sein Roman „Jugend ohne Gott“ in Amsterdam erschien, aber bereits 1938 in die „Liste der schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ aufgenommen und im Reichgebiet eingezogen wurde.

Am 1. Juni 1938 traf Horváth den Regisseur Robert Siodmak in Paris um mit ihm die Verfilmung des Romans „Jugend ohne Gott“ zu besprechen. Am selben Abend wurde Horváth bei einem Gewitter auf den Champs-Élysées von einem herabstürzenden Ast erschlagen.

 
 

Wir danken:

Dem Hans-Thoma-Gymnasium für die Proben und Aufführungsmöglichkeiten in der Aula;
Der Stadt Lörrach;
allen Sponsoren und Paten;
den Tempus fugit Spielerinnen und Spielern für ihre Hilfe beim Bühnenbau.

Gefördert vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport
über den Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg e.V.

 
   
  Presse
   
 

BZ vom 18.07.2008

Im Zeltlager geraten die Dinge aus dem Lot

Jugendtheatergruppe Tempus fugit spielt "Jugend ohne Gott"

Seit der Gründung von Tempus fugit versteht sich das Theaterensemble als Ort der Ausbildung. Jungschauspielern soll die Möglichkeit gegeben werden, sich künstlerisch zu entfalten und sich weiterzuentwickeln. Unter der Regie von Karin Maßen brachte die Jugendtheatergruppe von Tempus fugit nun "Jugend ohne Gott" auf die Bühne. Am Mittwoch hatte das Stück Premiere in der Aula des Hans-Thoma-Gymnasiums.

Vorlage für die Umsetzung ist der gleichnamige Roman des österreichisch-ungarischen Autors Ödön von Horváth. "Die Glaubwürdigkeit des eigenen Handelns wird in Frage gestellt", heißt es über das Werk. Es geht um den Konflikt mit sich selbst, um Vorurteile und Zivilcourage, um wachsende Anpassung, um Mitläufer und Außenseiter.

Das Stück spielt im Jahr 1934, ein Jahr nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Ein junger Lehrer, innerlich resignierend, sieht in den Schülern seiner Klasse nur noch eine Jugend ohne Ideale und Ziele. "Was ist dies für eine Jugend, eine harte oder nur eine rohe", fragt er. In einem Zeltlager geraten die Dinge dann aus dem Lot und der Lehrer sieht sich plötzlich in ein grausames Verbrechen verstrickt. Spannend ist nicht nur die Entwicklung des Kriminalfalles, sondern auch der Gewissenskonflikt des Lehrers, der sich bis zum Ende zuspitzt.

Wie schon im Titel deutlich wird, spielt auch die Glaubensfrage eine wichtige Rolle. Die Jugend wird als gottlos bezeichnet, weil sie ohne Gerechtigkeitsempfinden aufwächst.

Etliche Monate haben die Regisseurin Karin Maßen und die achtzehn Schauspieler an der Realisierung des Stückes gearbeitet. Neben dem künstlerisch-ästhetischen Anspruch, kommt es Karin Maßen darauf an, die Spieler selbst zu Wort kommen zu lassen. "Während der gemeinsamen Arbeit, hat jeder Darsteller die Möglichkeit, selbst Ideen einzubringen und diese zu diskutieren", erklärte sie. Tempus fugit legt seit Jahren Wert auf eine qualitativ gute Ausbildung. Im Vordergrund steht natürlich das Schauspielen, aber auch die Mitarbeit in allen weiteren Bereichen des Theaters, unter anderem beim Bühnenbau, sind gefragt.

Der Roman "Jugend ohne Gott" erschien 1937 in Amsterdam, wurde gleich ein großer Erfolg und in acht Sprachen übersetzt. Auf Antrag der Gestapo wurde das Werk 1938 in die "Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums" aufgenommen. Ödön von Horváth schloss sich keiner Partei an, warnte in seinen Stücken aber zunehmend vor den Gefahren des Faschismus.

Wieder einmal ist Tempus fugit mit dem Stück eine sehr professionelle Inszenierung gelungen. Erstmals wurden die Szenen von zwei Freiburger Musikern, Wolfgang Zumpe und Henning Hellfeld, untermalt. "Die Spieler waren engagiert und haben viel an der Umsetzung gearbeitet", berichtete Karin Maßen nach der Premiere stolz.

Ulla Kaufmann


Die Oberbadische vom 18. Juli 2008

Jugend ohne Werte –wertlose Jugend?

Tempus fugit bringt mit „Jugend ohne Gott“ zeitlose Gesellschaftskritik aus der NS-Zeit

Von Norman Riebesel

Lörrach. Der Theatersommer beim Jungen Theater Nellie Nashorn und bei Tempus fugit steht im Zeichen des Nationalsozialismus. Am Mittwoch hatte die Tempus Fugit- Gruppe um Regisseurin Karin Maßen Premiere mit „Jugend ohne Gott“.
Maßen hat den gleichnamigen Roman von Ödön von Horváth selbst zum Theaterstück umgeschrieben. Die Anfangszeit des Nationalsozialismus. Der Lehrer (namenlos: Felix Tritschler) ist enttäuscht von seinen Schülern, die sich unreflektiert indoktrinieren lassen. Er fragt sich: „Was wird das für eine Generation? Eine harte, oder nur eine rohe?“ Aber auch er selbst ist nach außen angepasst und hilft mit, die Jugendlichen im Sinne des Regimes zu formen. Im Zeltlager kommt es zum Mord am Schüler N (Caspar Bartscherer). Der Verdacht fällt auf Z (Benedikt Brahm). In der Gerichtsverhandlung kommt auch für den Lehrer die Stunde der Wahrheit. Horváth hat in seinem Roman den Weg des atheistischen Lehrers zu Gott in den Mittelpunkt gestellt. Das Maßen- Stück betont hingegen die Orientierungslosigkeit der Jugend und die Schuld des Lehrers. Die Orientierungslosigkeit beziehungsweise die Hinwendung zu falschen Idealen bildet den Mittelpunkt des ersten Aktes. Im Zeltlager marschieren die Jugendlichen in Formation. Ihre Stiefel machen diese Demonstration nicht nur optisch, sondern auch akustisch sehr überzeugend. Die Marschmusik (Wolfgang Zumpe und Henning Hellfeld) tut ihr Übriges. Gespielt wird auch ein Original-Hitlerjugend- Lied von Reichsjugendführer Baldur von Schirach, das die Schauspieler mitsingen: „Vorwärts! Vorwärts! schmettern die Fanfaren“. Dennoch will Maßen auch den Bezug auf die heutige Zeit ermöglichen, was ihr mit der Sensationsreporterin (Franziska Kienzler) und ihrem Fotografen (Christopher Tammik) hervorragend gelingt. Die Schuld des Lehrers ist auch die Kollektivschuld der Erwachsenen, die dem Regime - wider besseres Wissen - durch Anpassung Vorschub leisten. Individuelle Schuld lädt der Lehrer durch das Ausspionieren des Tagebuchs von Z auf sich. Unter der Maske des Gutmenschentums kommt hier sein Voyeurismus zum Vorschein. Maßen hat sich auf ein traditionelles Rollenfach besonnen: die lustige Person, die Narrenfreiheit hat und unter dem Deckmantel der Unzurechnungsfähigkeit oft die für das Stück fundamentalen Wahrheiten verkündet. In „Jugend ohne Gott“ ist das der wegen Verführung Schutzbefohlener suspendierte Lehrer Caesar, für Darsteller Michael Zier „eine Traumrolle“. Neben der Vagabundin Eva (Naomi Abukha - für Maßen die Idealbesetzung) - ist Caesar die einzige Person, die einen richtigen Namen besitzt. Das verbindende Element: Beide stechen aus der Masse heraus und stehen für Individualität.

   
 
   
  Fotos
 

 

 

 

 

 

 
 
  Generalprobe am 15. Juli 2008
 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

Fotos: Thomas Quartier

 
   
 
 
Es spielen:
 
 
Lehrer Felix Tritschler
Alter Ego Annika Greiner
Z Benedikt Brahm
N Caspar Bartscherer
T Till Lang
G Yukon Benner
R ; Direktor Paul Klapprott
L ; Fotograf Christopher Tammik
Frau N ; Eine Lina Dinkel
B ; Annie Florine Tshiang Tshianganga
A ; Marta Anja Wagner
E; Bettelmädchen Gloria Göbel
D ; Verteidigerin Rosanna Hilpert
Cäsar Michael Zier
Nonne ; Gerichtspräsidentin Susanne Beitinger
Eva Naomi Abukha
Lehrerin ; Staatsanwältin Linda Wölfle
Reporterin ; Jemand Franziska Kienzler
   
Regie / Dramaturgie: Karin Maßen
Co-Regie Sylvia Jourdan-Kirzdörfer
   
Musik, Komposition und Aufführung Wolfgang Zumpe & Henning Hellfeld
Körperarbeit  Michael Greff
Lichtdesign / Lichttechnik André Kulawik
Fotos Thomas Quartier
Plakat- und Programmgestaltung Britta Rechlin
   
Produktionsleitung Fabian Müller
 
 
 

 

 

 

IMPRESSUM

 

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