aktuelle Inszenierung:

Tempus fugit - Freie Gruppe

   
 
 

"Ich war's"
ein Theaterexperiment

Uraufführung

Regie: Karin Maßen
 

 


 

   
   
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  Handlung:

Vier junge Leute haben gemeinsam eine Geschichte erlebt. Eine Geschichte mit einem schrecklichen Ende. Doch wie kommt es, dass jeder eine völlig andere Version des Geschehens schildert? Was ist die wahre Geschichte? Wer lügt? Oder hat jeder der Beteiligten seine eigene Wahrheit?
Ein verzweifelter Richter versucht genau das herauszufinden. Doch ist das überhaupt möglich?
Fest steht: Auf einem Campingplatz treffen vier junge Leute zufällig aufeinander: Max, Timo und das Pärchen Sascha und Bea. Sie kommen miteinander ins Gespräch und es dauert nicht lange und man hat sich für den nächsten Tag zum Grillen verabredet. Was genau passiert auf dieser Grillparty? Im Nachhinein erzählt jede Person etwas anderes - nur eines ist sicher: Am Ende des Tages liegt Sascha mit tödlichen Stichverletzungen auf dem Boden.
Nun möchte man meinen, bei drei Augenzeugen und dem Protokoll des im Krankenhaus verstorbenen Opfers muss diese Tat doch zu rekonstruieren sein… Doch es gibt vier Geständnisse! Jeder bezichtigt sich selbst der Tat!

Um heraus zu finden, was geschehen ist, ist das Publikum gefragt.
Das ist der experimentelle Teil der Aufführung. Sowohl für das Publikum, wie auch für die Schauspieler und die Technik.
Die zwei Tage können aus den jeweiligen Innensichten der Campingplatzbesucher gespielt werden und die Wechsel von der Sicht z.B. von Bea zu der Sicht von Max, Sascha oder Timo sind jederzeit von dem Publikum durch einen einfachen Platzwechsel in dem Zuschauerfeld einzufordern.
Ein von Simon Stotz entwickeltes Computerprogramm wertet mithilfe einer „sensorischen“ Kamera unentwegt die Bewegungen im Zuschauerbereich aus, und macht die fließenden Wechsel optisch für die Zuschauer sichtbar und ihnen so ihren Einfluss auf das Stück bewusst.
So kann das Publikum in die verschiedenen Sichten der Beteiligten einsteigen, das Geschehen aus den Augen des Einzelnen betrachten und somit auch viel über das Innenleben, das ganz subjektive Empfinden der jeweiligen Figur entdecken, denn jeder der vier jungen Leute erzählt hier seine ganz eigene, in sich selbst stimmige Geschichte.
Was aus welcher Perspektive gezeigt wird, hängt ganz von den Zuschauern ab. Und somit kann auch keine Aufführung so sein wie die vorherige. Bei jeder Vorstellung entsteht ein neues Stück, eine neue Version der Tat, eine neue Wahrheit.
 

 
   
  Presse
   
 

SPUNK (Die Oberbadische vom 14.2.2008)

Totschlag in vierfacher Ausführung

Theatergruppe Tempus fugit zufrieden mit Zuschauerinteraktion

Von Norman Riebesel

Als Theaterexperiment bezeichnen die Tempus fugit-Schauspieler rund um Regisseurin Karin Maßen ihr Stück „Ich war’s“, das vergangene Woche vier Mal im Burghof aufgeführt wurde. Es geht darin um Wahrheit und subjektive Wahrnehmung.

Das Stück ist nur 45 Minuten lang. Vier junge Leute treffen sich auf einem Campingplatz. Drei Männer balzen um ein Mädchen herum, was einen Konkurrenzkampf auslöst. AM Ende gibt es mit Sascha (Kristofer Gudmundsson), dem Freund von Bea (Stefanie Klimkait), einen Toten. Um die Frage nach dem Mörder zu klären, war das Publikum gefragt. Mit komplizierter Technik wurde der Vorbühnenraum, in dem sich die Zuschauer frei bewegen konnten, in vier Felder unterteilt, für jede Figur eins. Je nachdem, in wessen Feld sich der größte Teil des Publikums aufhielt, änderte sich die Perspektive aus der heraus die Schauspieler das Stück aufführten.

Die größte Herausforderung sei laut Matthias Meier (Max) die Interaktion mit den Mitspielern gewesen: „Wir haben die Information, aus welcher Perspektive wir spielen mussten, per Lichtsignal bekommen. Wir mussten dann blitzschnell umschalten und unser Spiel untereinander abstimmen. Im Gegensatz zu normalen Theaterstücken wussten wir nie im Voraus, was wir gleich spielen würden.“ Er ist sehr zufrieden mit der Wirkung auf das Publikum. Er habe mit vielen Zuschauern gesprochen und so erfahren, dass sie sich wirklich Gedanken über das Stück gemacht und darüber auch diskutiert hätten.

Deshalb ist auch Karin Maßen, die die Zuschauer gezielt zum Mitmachen und Nachdenken animieren wollte, sehr zufrieden, dass ihr das offenbar mit dem Stück gelungen ist.

 
 

BZ vom 09.02.2008

Das Publikum agiert als Regisseur

Die Uraufführung des Theaterexperiments "Ich war’s" von Tempus fugit im Burghof in Lörrach war ein Erfolg

Mit energischen Schritten betrat der Richter, gespielt von Thorsten Blank, die Bühne und leitete das Theaterstück "Ich war’s" von Tempus fugit mit einer Daseinserklärung an das Publikum ein. Es gehe um eine Leiche, den jungen Studenten Sascha (Kristofer Gudmundsson) und um drei Zeugen, Bea (Stefanie Klimkait), Max (Matthias Meier) und Timo (Felix Braunholzer), ebenfalls Studenten. Vor seinem Tod habe Sascha zu Protokoll gegeben, dass es Selbstmord gewesen sei, so führt der Richter die Beweislage fort. Doch nun gäbe es ein Problem, denn alle drei Zeugen erzählen drei unterschiedliche Geschichten, jede Version in sich schlüssig — und alle drei gestehen den Mord an Sascha. Nun müsse also, so der Richter, das Publikum helfen, diesen bizarren Todesfall aufzuklären.

Die Art der Partizipationsmöglichkeit des Publikums in dem Theaterstück wurde den Zuschauern dann vom Richter mit Hilfe des Polizisten, dargestellt von Ric Weißer, vorgestellt: Vor der Bühne befinden sich vier Felder auf dem Boden, jedes Quadrat steht für einen Verdächtigen. Mit Bewegungen in diesen vier Feldern entschied das Publikum, welche Version der Ereignisse es hören wollte.

Nach einer Aufforderung des Richters und anfänglichem Zögern trauten sich dann alle Zuschauer aufzustehen und an dem interaktiven Theaterstück teilzunehmen.

Die vier Schauspieler begannen eine Szene zu spielen, während die Zuschauer aufmerksam zuhörten und sich je nach Interesse in den vier Charkterfeldern hin und her bewegten. Sensoren zeichneten die dynamische Initiative des Publikums auf und es bildete sich eine Mehrheit für einen Charakter heraus. Die Sichtweise von Max interessiert die Zuschauer in der 18 Uhr-Vorstellung am Donnerstagabend am Meisten.

Nachdem das Publikum wieder seine ursprünglichen Plätze eingenommen hatte, denn die aktive Teilnahme an dem Stück war hier zu Ende, begann die Szene von vorne. Das junge Liebespaar Bea und Sascha trafen auf einem Campingplatz auf die Freunde Max und Timo. Anfänglich schien alles seinen normalen Gang zunehmen, die vier neuen Freunde tranken Bier und verbrachten eine gute Zeit miteinander. Doch dann fing Saschas Freundin Bea an, ungeniert und hemmungslos mit Max vor den Augen ihres Freundes zu flirten. Timo versuchte, seinen Freund Max davon abzuhalten mit Bea etwas anzufangen, es sei gegenüber Sascha nicht fair. Doch Max störte das nicht, er und Bea fingen an, "Saschi" immer mehr ins Lächerliche zu ziehen und sich über ihn lustig zu machen. Als Sascha sich aufmachte, um Nachschub an Bier für die Clique zu besorgen, zog Bea Max in ihr Zelt und die beiden standen offensichtlich kurz vor sexuellen Interaktionen, als Sascha zurückkehrte und die beiden überraschte. Wutentbrannt und aggressiv zog er die beiden aus dem Zelt, eine große Rangelei zwischen den vier Studenten folgte und plötzlich lag Sascha tot am Boden. Das Licht ging aus, das Theaterexperiment war zu Ende.

Die Regisseurin, Karin Maßen, war mit dem Ergebnis der Premiere vollauf zufrieden, sie hätte nicht erwartet, dass die Zuschauer sich so viel bewegen und umherlaufen würden, so begeisterte sie sich. Auch das Publikum fand das Experiment sehr interessant und obwohl anfangs etwas Mut aufgebracht werden musste, um nicht wie gewohnt in seinen Theaterplätzen sitzen zu bleiben, scheint der Theaterversuch ein voller Erfolg gewesen zu sein. Einige meinten sogar, sie wollen noch einmal eine andre Vorstellung besuchen, um einen anderen Ausgang des Stücks zu sehen.

Tempus fugit hat es geschafft, den Zuschauern auf ganz simple Art ein spannendes Stück zu präsentieren.

Joëlle Homberger

 
 

Die Oberbadische vom 9. Februar 2008

Vier junge Leute und ein Mord

Theaterexperiment „Ich war’s“ vom Freien Theater Tempus fugit im Burghof

Von Gabriele Hauger

Lörrach. Ein Experiment ist immer auch ein Wagnis. Man weiß nie, was dabei heraus kommt. Als Theaterexperiment bezeichnen die jungen Tempus fugit-Schauspieler rund um Regisseurin Karin Maßen ihr aktuelles Stück „Ich war‘s“, das am Donnerstag im Burghof Premiere hatte. Kompliziert-ausgefeilte Technik, souveräne schau spielerische Leistung, aber auch ein wenig Hilflosigkeit bei den geforderten Zuschauern - so lässt sich das Ergebnis zusammenfassen.

Der Rahmen des knapp einstündigen Stücks ist klar. Vier junge Leute treffen sich auf einem Campingplatz.

Drei junge Männer und eine Frau, die sich ihrer weiblichen Reize nur allzu bewusst ist - das birgt Stoff für gockelhaftes Verhalten samt Konkurrenzkampf. Schnell wird die jeweilige Machtstellung ausgelotet: Wer muss das Bier holen, wem wendet sich das Mädchen am intensivsten zu, wer ist am coolsten? Doch diese zunächst spielerisch ausgetragenen Rivalitäten nehmen an Schärfe zu. Am Ende gibt es mit Sascha (Kristofer Gudmundsson), dem Freund von Bea (Stefanie Klimkait), gar einen Toten.

Den Rahmen der Handlung bildet die Gerichtsverhandlung nach dem Mord mit einem Richter (Thorsten Blank), der die Zuschauer direkt miteinbezieht, und einem Polizisten (Ric Weisser), der ein wenig Humor in das Ambiente bringt.

Wer war also der Mörder? Geradezu Agatha Christiemäßig gibt es die verschiedensten Varianten, die allesamt im Spiel auf der Bühne angerissen werden.

Nun aber kommt das experimentelle, technische Element zum Tragen: Die Zuschauer sollen sich auf Feldern vor der Bühne bewegen. Mittels einer Sensorkamera (entwickelt von Simon Stotz) werden diese Bewegungen eingefangen und auf den Bühnenhintergrund projiziert .

Je nachdem, auf welcher Fläche sich mehr Zuschauer befinden, wird der Tathergang aus der Perspektive eines der vier Beteiligten geschildert. Bei der Premiere fällt die Zuschauerwahl auf Max (Matthias Meier), den machohaften Kumpel von Timo (Felix Banholzer).

Von den Schauspielern ist Flexibilität und schnelles Umschalten gefordert, was sie souverän umsetzen. Die Zuschauer allerdings tun sich ein bisschen schwer, sich fließend hin- und herzubewegen. Sie scheinen sich eher auf das spannende Spiel konzentrieren zu wollen.

Am Ende bleibt die Frage: Wie sehen die anderen Mordvarianten aus? Diese Neugier wird nicht gestillt. Dennoch: ein originelles Experiment, das perspektivisch neue, auch technische Möglichkeiten auslotet. Theater lebt von solchen Experimenten.

 
 

Der Sonntag vom 3.2.08

Ein bewegendes Experiment

Tempus fugit inszeniert im Lörracher Burghof ein interaktives Theaterstück mit ungewissem Ausgang

Von Kornelia Schiller

So richtig will die Technik noch nicht, wie die Schauspieler wollen, aber bis zur Premiere am Donnerstagabend ist noch ein wenig Zeit. Bis dahin kann noch probiert werden, bevor das eigentliche Experiment im Lörracher Burghof seinen Lauf nehmen wird. Es wird ein theatralisches Experiment sein, das die Theatergruppe Tempus fugit mit dem Stück „Ich war‘s“ auf die Bühne bringt. Experiment deshalb, weil weder Schauspieler noch Publikum um den Ausgang des Stückes wissen.
Das experimentelle Setting sieht wie folgt aus: ein Campingplatz, vier junge Leute, ausgelassene Stimmung und eine Leiche. Die drei Zeugen Bea (Stefanie Klimkait), Timo (Felix Banholzer) und Max (Matthias Meier) behaupten, Sascha (Kristofer Gudmundsson) getötet zu haben. Der Tote schreibt in einem Abschiedsbrief, er habe Selbstmord begangen. Doch wer war es nun? Der Schlüssel zur Lösung dieses Mordfalles ist die Bewegung des Publikums. Denn das sitzt nicht, wie in einer Theateraufführung üblich, auf Stühlen. Ein in Viertel eingeteiltes Quadrat ist die Aktionsfläche für die Zuschauer, in dem sie sich nach Lust und Laune bewegen können. Jedes Quadrat steht für einen Charakter: für Bea, Max, Sascha und Timo. Durch die Bewegung innerhalb der vier Quadrate bestimmt das Publikum den Fortgang der Handlung.

Alles anders in Sekunden

„Es wird eine Herausforderung. Sowohl für die Schauspieler als auch für das Publikum“, erzählt Regisseurin Karin Maßen, die das Stück zusammen mit der Gruppe geschrieben hat. Die Handlung basiert auf vier einzelnen Geschichten. Binnen Sekunden kann sich diese sich verlagern, kann die Geschichte der einen erzählenden Person unterbrochen werden, in dem sich ein Teil des Publikums innerhalb der Quadrate bewegt.
Noch passiert auf der Leinwand, die direkt über den Kulissen hängt, nicht viel. Schließlich fehlen noch die 60 Zuschauer, die für die Lösung dieses theatralischen Kriminalfalls sorgen sollen. Doch Meier und seine Schauspielkollegen führen vor, wie die raffinierte Technik, die Tempus-fugit-Schauspieler Simon Stotz entwickelt hat, funktioniert. Eine Infrarotkamera zeichnet die Bewegungen auf und rechnet sie in Grauwerte um. Mal blinkt ein Feld gelb, mal eins rot, grün oder blau, je nachdem wo die meisten Personen stehen. Und genau hier liegt die Krux: Die Kamera kann die Menschen, die sich auf dem schwarzen Rechteck während der Probe bewegen, noch nicht genau auseinander dividieren. So wird nicht geprobt an diesem Nachmittag, sondern an der Austarierung gearbeitet, was die Schauspieler nicht merklich aus der Ruhe bringt.
Wie bei Tempus-fugit-Inszenierungen üblich, bewegen sich die Schauspieler in einer sehr reduzierten Kulisse. Ein paar Baumstämme und ein Zelt sind die Requisiten. Weniger bedeutet bei Tempus fugit immer mehr. Das Mehr ist vor allem das schauspielerische Können und Engagement der Akteure. Bis zur Premiere bleibt den sechs Darstellern - zu den vier Protagonisten kommen ein Polizist und ein Richter - nicht mehr viel Zeit, jedoch ertragen sie mit einer Engelsgeduld die technischen Tücken. Man merkt ihnen die Spiellust an, auch wenn sie nicht wissen, wie das Stück enden wird. Dankbar sind sie vor allem dem Landesverband Freier Theater und dem Kunst- und Kulturförderkreis für die Finanzierung die dieses Experiment ermöglicht, das Regisseurin Karin Maßen sehr am Herzen liegt: „Wir wollen zeigen, dass Theater vom Publikum beeinflusst werden kann, darf und soll, im Gegensatz zum Fernsehen oder zum Kino wo der Zuschauer nur passiver Konsumierer ist."

 
 

BZ vom 02.02.2008

Das Publikum als treibende Kraft

VOR DER PREMIERE: Im Theaterexperiment "Ich war’s" verlangt "Tempus fugit" vom Zuschauer im Burghof Mut zur Bewegung

Max, Timo, Sascha und Bea haben gemeinsam eine Geschichte erlebt mit schrecklichem Ausgang. Auf dem Campingplatz treffen die vier jungen Leute zufällig aufeinander, kommen miteinander ins Gespräch und verabreden sich für den nächsten Tag zum Grillen. Was passiert bei der Party? Im Nachhinein erzählt jede Person eine andere Geschichte. Sicher ist nur eines: Am Ende liegt Sascha mit tödlichen Stichverletzungen auf dem Boden. Und jeder der vier, selbst das Opfer, bevor es im Krankenhaus stirbt, sagt: "Ich war’s!". Und so heißt auch das Theaterexperiment, das die regionale Gruppe "Tempus fugit" im Lörracher Burghof wagt. Ob es gelingt, hängt wesentlich vom Publikum ab. Denn es steuert den Fortgang des Stückes, die Aufklärung des Falles. "Die Zuschauer müssen nicht spielen", erklärt Regisseurin Karin Maßen. "Wir hoffen aber, dass sie ihre Neugierde kundtun, indem sie sich bewegen."

Der Raum vor der Bühne ist nämlich in vier Felder eingeteilt, die den vier Hauptdarstellern Stefanie Klimkait, Matthias Meier, Felix Banholzer und Kristofer Gudmundsson zugeordnet sind. Hier können sich maximal 60 Besucher pro Vorstellung frei bewegen; Sitzplätze gibt es nicht. Eine Infrarot-Kamera an der Decke zeichnet die Bewegungen auf und ein Computer wertet sie aus. Aus der Perspektive der Figur, auf deren Feld sich jeweils die meisten Zuschauer befinden, wird das Stück gespielt. Ein paar Schritte genügen also, um die Sichtweise zu ändern. Damit den Zuschauern ihr Einfluss bewusst wird, werden die Bewegungen grafisch projiziert: Das Publikum entwirft die Kulisse und erzeugt eine neue Version der Tat, eine neue Wahrheit, der Thorsten Blank als Richter und Ric Weißer als Polizist in der Rahmenhandlung - einem Verhör vor Gericht - auf der Spur sind.

Den Anstoß zu dem Experiment gab Simon Stotz, früher selbst bei "Tempus fugit" aktiv, mit seiner ausgezeichneten Diplomarbeit "e-walls/digitale Wände" an der Basler Hochschule für Gestaltung und Kunst. Sein Computerprogramm, das Bewegungen in grafische Muster, eine Art lebende Tapete, umsetzt, liefert die technische Grundlage für das Projekt, das der Landesverband freier Theater fördert und für das der Burghof die notwendige Ausrüstung stellt.

Für Karin Maßen ist der Einsatz moderner Technik allerdings keineswegs Selbstzweck. "Ich war’s", ein Spiel mit den Grenzen von Subjektivität und Objektivität, zeige vielmehr die besondere Qualität von Theater: Jede Vorstellung ist einzigartig, weil abhängig von den Befindlichkeiten der Spieler und des Publikums. "Das Stück ist eine Liebeserklärung ans Theater", sagt denn auch Karin Maßen. Sie hofft, dass vor allem junge Besucher, die geprägt sind von der Perfektion in Film und Fernsehen, zu den vier Vorstellungen an zwei Tagen kommen.

"Die Augen" letztmals in Originalbesetzung

Unterschiedliche Versionen desselben Geschehens, das Spannungsfeld von Wirklichkeit und Wahrnehmung, erleben die Zuschauer auch in "Die Augen". Am 9. Februar zeigt "Tempus fugit" , ebenfalls im Burghof, die 2004 in Göppingen preisgekrönte Produktion frei nach der gleichnamigen Novelle von Franz Nabl letztmals in der Originalbesetzung von 2002. Bei Karin Maßens Lieblingsstück müssen die Besucher aber nicht stehen und sich bewegen, sondern können das Bühnengeschehen sitzend genießen, wie sie es gewohnt sind.

Daniel Gramespacher

 
  Die Oberbadische vom 23.01.2008

Was ist Wirklichkeit?

Spannendes Theaterexperiment „Ich war’s" von Tempus fugit

Von Gabriele Hauger

Lörrach. Eine nette Grillparty auf einem Campingplatz. Vier junge Leute feiern. Doch etwas Schreckliches geschieht: Einer der jungen Männer, Sascha, liegt am nächsten Morgen tot am Boden. Wer war der Täter? Oder war es gar Selbstmord? Dieser Frage geht das experimentelle Tempus fugit-Stück „Ich war‘s“ nach.
Alle vier Beteiligten behaupten: „Ich war‘s“. Das Publikum befindet sich mitten in der anschließenden Gerichtsverhandlung. Ein Richter und ein Polizist weisen die Zuschauer ein. Denn:
Das Publikum hat keine festen Sitzplätze, sondern bestimmt durch seine Mobilität, welche Wendung die Handlung und Aufklärung des Falles nimmt. Es gibt vier Felder, Symbole für je ein Geständnis auf der Bühne. Je nachdem, auf welchem Feld mehr Zuschauer stehen, wird die Version des Tathergangs aus der Sicht einer der vier jungen Leute erzählt.
Das Theaterexperiment unter der Regie von Karin Maßen geht einen ganz ungewöhnlichen Weg. Der Erzählfluss von „Ich war‘s“ ist chronologisch, doch die Perspektiven wechseln und damit auch die Auflösung des Falles. „Das ist unglaublich spannend und eine große Herausforderung an die Schauspieler“, so Regisseurin Karin Maßen. Denn letztere müssen schnell und flexibel reagieren: Die Zuschauerbewegung bestimmt den Lauf des Spiels.
Die Idee entstand durch ein von dem langjährigen Tempus fugit-Schauspieler Simon Stotz im Rahmen seiner Diplomarbeit in Grafikdesign kreiertes Computerprogramm. Er entwickelte eine sensorische Kamera, die die Publikumsbewegungen ermittelt und auf eine Leinwand projeziert. Technische Unterstützung erfährt er bei der Umsetzung vom Burghof-Team, vor allem von Mark Searle.
Das mit 4000 Euro vom Landesverband Freier Theater Baden-Württemberg aus Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft, Forschung und Kunst geförderte Theaterexperiment ist doppelbödig, hat einen ebenso spielerischen wie ernsthaften Charakter. Dabei müssen sich die Schauspieler absolut aufeinander einlassen. „Theater entsteht hier wahrhaft aus dem Moment heraus, anders als in einem Film, der fix und fertig ist und immer gleich. Ich sehe dieses Experiment als ein klares Plädoyer für das Theater insgesamt“, so Karin Maßen. Es geht ihr aber noch um einen weiteren Aspekt:
Um das Thema glauben und vertrauen können. Um objektive und subjektive Wahrnehmung: Wo liegt die Wahrheit, wo die Wirklichkeit?


 

   
 
   
  Fotos von den Proben
   
 

 
 

 
 

 
 

 
 
   
  Generalprobe am 7. Februar 2008
   
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

Fotos: Thomas Quartier

   
 
 
Es spielen:
 
 
 
   
Richter Thorsten Blank
Polizist Ric Weißer
Timo Felix Banholzer
Sascha Kristofer Gudmundsson
Max Matthias Meier
Bea Stefanie Klimkait
   
Regie, Dramaturgie: Karin Maßen
   
Buch: Stefanie Klimkait, Matthias Meier,
Karin Maßen
   
Lichttechnik Mark Searle, André Kulawik
Technik und Design Simon Stotz
Plakat und Programmgestaltung Simon Stotz
Foto Thomas Quartier
Video Kirstin & Thomas Quartier
   
 
mit besonderem Dank an Burghof GmbH für Beratung und Begleitung des Projekts.

Dank auch an den Kunst und Kulturförderkreis Lörrach,
und an die Stadt Lörrach für die finanzielle Unterstützung

 

GEFÖRDERT DURCH DEN LANDESVERBAND FREIER THEATER BADEN-WÜRTTEMBERG E.V. AUS MITTELN DES MINISTERIUMS FÜR WISSENSCHAFT, FORSCHUNG UND KUNST.

 
 
 

 

 

 

IMPRESSUM

 

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