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aktuelle Inszenierung:
Tempus fugit - Freie Gruppe |
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"Ich war's"
ein Theaterexperiment
Uraufführung
Regie: Karin Maßen
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> Handlung |
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> Presse |
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> Fotos |
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> Es spielen |
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Handlung:
Vier junge Leute
haben gemeinsam eine Geschichte erlebt. Eine Geschichte mit einem
schrecklichen Ende. Doch wie kommt es, dass jeder eine völlig andere
Version des Geschehens schildert? Was ist die wahre Geschichte? Wer
lügt? Oder hat jeder der Beteiligten seine eigene Wahrheit?
Ein verzweifelter Richter versucht genau das herauszufinden. Doch ist
das überhaupt möglich?
Fest steht: Auf einem Campingplatz treffen vier junge Leute zufällig
aufeinander: Max, Timo und das Pärchen Sascha und Bea. Sie kommen
miteinander ins Gespräch und es dauert nicht lange und man hat sich für
den nächsten Tag zum Grillen verabredet. Was genau passiert auf dieser
Grillparty? Im Nachhinein erzählt jede Person etwas anderes - nur eines
ist sicher: Am Ende des Tages liegt Sascha mit tödlichen
Stichverletzungen auf dem Boden.
Nun möchte man meinen, bei drei Augenzeugen und dem Protokoll des im
Krankenhaus verstorbenen Opfers muss diese Tat doch zu rekonstruieren
sein… Doch es gibt vier Geständnisse! Jeder bezichtigt sich selbst der
Tat!
Um heraus zu finden, was geschehen ist, ist das Publikum gefragt.
Das ist der experimentelle Teil der Aufführung. Sowohl für das Publikum,
wie auch für die Schauspieler und die Technik.
Die zwei Tage können aus den jeweiligen Innensichten der
Campingplatzbesucher gespielt werden und die Wechsel von der Sicht z.B.
von Bea zu der Sicht von Max, Sascha oder Timo sind jederzeit von dem
Publikum durch einen einfachen Platzwechsel in dem Zuschauerfeld
einzufordern.
Ein von Simon Stotz entwickeltes Computerprogramm wertet mithilfe einer
„sensorischen“ Kamera unentwegt die Bewegungen im Zuschauerbereich aus,
und macht die fließenden Wechsel optisch für die Zuschauer sichtbar und
ihnen so ihren Einfluss auf das Stück bewusst.
So kann das Publikum in die verschiedenen Sichten der Beteiligten
einsteigen, das Geschehen aus den Augen des Einzelnen betrachten und
somit auch viel über das Innenleben, das ganz subjektive Empfinden der
jeweiligen Figur entdecken, denn jeder der vier jungen Leute erzählt
hier seine ganz eigene, in sich selbst stimmige Geschichte.
Was aus welcher Perspektive gezeigt wird, hängt ganz von den Zuschauern
ab. Und somit kann auch keine Aufführung so sein wie die vorherige. Bei
jeder Vorstellung entsteht ein neues Stück, eine neue Version der Tat,
eine neue Wahrheit.
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Presse |
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SPUNK (Die
Oberbadische vom 14.2.2008)
Totschlag in vierfacher
Ausführung
Theatergruppe Tempus
fugit zufrieden mit Zuschauerinteraktion
Von Norman Riebesel
Als Theaterexperiment bezeichnen die Tempus fugit-Schauspieler rund um
Regisseurin Karin Maßen ihr Stück „Ich war’s“, das vergangene Woche vier
Mal im Burghof aufgeführt wurde. Es geht darin um Wahrheit und
subjektive Wahrnehmung.
Das Stück ist nur 45 Minuten lang. Vier junge Leute treffen sich auf
einem Campingplatz. Drei Männer balzen um ein Mädchen herum, was einen
Konkurrenzkampf auslöst. AM Ende gibt es mit Sascha (Kristofer
Gudmundsson), dem Freund von Bea (Stefanie Klimkait), einen Toten. Um
die Frage nach dem Mörder zu klären, war das Publikum gefragt. Mit
komplizierter Technik wurde der Vorbühnenraum, in dem sich die Zuschauer
frei bewegen konnten, in vier Felder unterteilt, für jede Figur eins. Je
nachdem, in wessen Feld sich der größte Teil des Publikums aufhielt,
änderte sich die Perspektive aus der heraus die Schauspieler das Stück
aufführten.
Die größte Herausforderung sei laut Matthias Meier (Max) die Interaktion
mit den Mitspielern gewesen: „Wir haben die Information, aus welcher
Perspektive wir spielen mussten, per Lichtsignal bekommen. Wir mussten
dann blitzschnell umschalten und unser Spiel untereinander abstimmen. Im
Gegensatz zu normalen Theaterstücken wussten wir nie im Voraus, was wir
gleich spielen würden.“ Er ist sehr zufrieden mit der Wirkung auf das
Publikum. Er habe mit vielen Zuschauern gesprochen und so erfahren, dass
sie sich wirklich Gedanken über das Stück gemacht und darüber auch
diskutiert hätten.
Deshalb ist auch Karin Maßen, die die Zuschauer gezielt zum Mitmachen
und Nachdenken animieren wollte, sehr zufrieden, dass ihr das offenbar
mit dem Stück gelungen ist. |
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BZ vom 09.02.2008
Das Publikum agiert
als Regisseur
Die Uraufführung des
Theaterexperiments "Ich war’s" von Tempus fugit im Burghof in Lörrach
war ein Erfolg
Mit energischen Schritten betrat der Richter, gespielt von Thorsten
Blank, die Bühne und leitete das Theaterstück "Ich war’s" von Tempus
fugit mit einer Daseinserklärung an das Publikum ein. Es gehe um eine
Leiche, den jungen Studenten Sascha (Kristofer Gudmundsson) und um drei
Zeugen, Bea (Stefanie Klimkait), Max (Matthias Meier) und Timo (Felix
Braunholzer), ebenfalls Studenten. Vor seinem Tod habe Sascha zu
Protokoll gegeben, dass es Selbstmord gewesen sei, so führt der Richter
die Beweislage fort. Doch nun gäbe es ein Problem, denn alle drei Zeugen
erzählen drei unterschiedliche Geschichten, jede Version in sich
schlüssig — und alle drei gestehen den Mord an Sascha. Nun müsse also,
so der Richter, das Publikum helfen, diesen bizarren Todesfall
aufzuklären.
Die Art der Partizipationsmöglichkeit des Publikums in dem Theaterstück
wurde den Zuschauern dann vom Richter mit Hilfe des Polizisten,
dargestellt von Ric Weißer, vorgestellt: Vor der Bühne befinden sich
vier Felder auf dem Boden, jedes Quadrat steht für einen Verdächtigen.
Mit Bewegungen in diesen vier Feldern entschied das Publikum, welche
Version der Ereignisse es hören wollte.
Nach einer Aufforderung des Richters und anfänglichem Zögern trauten
sich dann alle Zuschauer aufzustehen und an dem interaktiven
Theaterstück teilzunehmen.
Die vier Schauspieler begannen eine Szene zu spielen, während die
Zuschauer aufmerksam zuhörten und sich je nach Interesse in den vier
Charkterfeldern hin und her bewegten. Sensoren zeichneten die dynamische
Initiative des Publikums auf und es bildete sich eine Mehrheit für einen
Charakter heraus. Die Sichtweise von Max interessiert die Zuschauer in
der 18 Uhr-Vorstellung am Donnerstagabend am Meisten.
Nachdem das Publikum wieder seine ursprünglichen Plätze eingenommen
hatte, denn die aktive Teilnahme an dem Stück war hier zu Ende, begann
die Szene von vorne. Das junge Liebespaar Bea und Sascha trafen auf
einem Campingplatz auf die Freunde Max und Timo. Anfänglich schien alles
seinen normalen Gang zunehmen, die vier neuen Freunde tranken Bier und
verbrachten eine gute Zeit miteinander. Doch dann fing Saschas Freundin
Bea an, ungeniert und hemmungslos mit Max vor den Augen ihres Freundes
zu flirten. Timo versuchte, seinen Freund Max davon abzuhalten mit Bea
etwas anzufangen, es sei gegenüber Sascha nicht fair. Doch Max störte
das nicht, er und Bea fingen an, "Saschi" immer mehr ins Lächerliche zu
ziehen und sich über ihn lustig zu machen. Als Sascha sich aufmachte, um
Nachschub an Bier für die Clique zu besorgen, zog Bea Max in ihr Zelt
und die beiden standen offensichtlich kurz vor sexuellen Interaktionen,
als Sascha zurückkehrte und die beiden überraschte. Wutentbrannt und
aggressiv zog er die beiden aus dem Zelt, eine große Rangelei zwischen
den vier Studenten folgte und plötzlich lag Sascha tot am Boden. Das
Licht ging aus, das Theaterexperiment war zu Ende.
Die Regisseurin, Karin Maßen, war mit dem Ergebnis der Premiere vollauf
zufrieden, sie hätte nicht erwartet, dass die Zuschauer sich so viel
bewegen und umherlaufen würden, so begeisterte sie sich. Auch das
Publikum fand das Experiment sehr interessant und obwohl anfangs etwas
Mut aufgebracht werden musste, um nicht wie gewohnt in seinen
Theaterplätzen sitzen zu bleiben, scheint der Theaterversuch ein voller
Erfolg gewesen zu sein. Einige meinten sogar, sie wollen noch einmal
eine andre Vorstellung besuchen, um einen anderen Ausgang des Stücks zu
sehen.
Tempus fugit hat es geschafft, den Zuschauern auf ganz simple Art ein
spannendes Stück zu präsentieren.
Joëlle Homberger |
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Die Oberbadische vom
9. Februar 2008
Vier junge Leute und
ein Mord
Theaterexperiment „Ich
war’s“ vom Freien Theater Tempus fugit im Burghof
Von Gabriele Hauger
Lörrach. Ein Experiment ist immer auch ein Wagnis. Man weiß nie, was
dabei heraus kommt. Als Theaterexperiment bezeichnen die jungen Tempus
fugit-Schauspieler rund um Regisseurin Karin Maßen ihr aktuelles Stück
„Ich war‘s“, das am Donnerstag im Burghof Premiere hatte.
Kompliziert-ausgefeilte Technik, souveräne schau spielerische Leistung,
aber auch ein wenig Hilflosigkeit bei den geforderten Zuschauern - so
lässt sich das Ergebnis zusammenfassen.
Der Rahmen des knapp einstündigen Stücks ist klar. Vier junge Leute
treffen sich auf einem Campingplatz.
Drei junge Männer und eine Frau, die sich ihrer weiblichen Reize nur
allzu bewusst ist - das birgt Stoff für gockelhaftes Verhalten samt
Konkurrenzkampf. Schnell wird die jeweilige Machtstellung ausgelotet:
Wer muss das Bier holen, wem wendet sich das Mädchen am intensivsten zu,
wer ist am coolsten? Doch diese zunächst spielerisch ausgetragenen
Rivalitäten nehmen an Schärfe zu. Am Ende gibt es mit Sascha (Kristofer
Gudmundsson), dem Freund von Bea (Stefanie Klimkait), gar einen Toten.
Den Rahmen der Handlung bildet die Gerichtsverhandlung nach dem Mord mit
einem Richter (Thorsten Blank), der die Zuschauer direkt miteinbezieht,
und einem Polizisten (Ric Weisser), der ein wenig Humor in das Ambiente
bringt.
Wer war also der Mörder? Geradezu Agatha Christiemäßig gibt es die
verschiedensten Varianten, die allesamt im Spiel auf der Bühne
angerissen werden.
Nun aber kommt das experimentelle, technische Element zum Tragen: Die
Zuschauer sollen sich auf Feldern vor der Bühne bewegen. Mittels einer
Sensorkamera (entwickelt von Simon Stotz) werden diese Bewegungen
eingefangen und auf den Bühnenhintergrund projiziert .
Je nachdem, auf welcher Fläche sich mehr Zuschauer befinden, wird der
Tathergang aus der Perspektive eines der vier Beteiligten geschildert.
Bei der Premiere fällt die Zuschauerwahl auf Max (Matthias Meier), den
machohaften Kumpel von Timo (Felix Banholzer).
Von den Schauspielern ist Flexibilität und schnelles Umschalten
gefordert, was sie souverän umsetzen. Die Zuschauer allerdings tun sich
ein bisschen schwer, sich fließend hin- und herzubewegen. Sie scheinen
sich eher auf das spannende Spiel konzentrieren zu wollen.
Am Ende bleibt die Frage: Wie sehen die anderen Mordvarianten aus? Diese
Neugier wird nicht gestillt. Dennoch: ein originelles Experiment, das
perspektivisch neue, auch technische Möglichkeiten auslotet. Theater
lebt von solchen Experimenten. |
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Der
Sonntag vom 3.2.08
Ein bewegendes Experiment
Tempus fugit inszeniert im Lörracher Burghof ein interaktives
Theaterstück mit ungewissem Ausgang
Von Kornelia Schiller
So richtig will die Technik noch nicht, wie die
Schauspieler wollen, aber bis zur Premiere am Donnerstagabend ist noch
ein wenig Zeit. Bis dahin kann noch probiert werden, bevor das
eigentliche Experiment im Lörracher Burghof seinen Lauf nehmen wird. Es
wird ein theatralisches Experiment sein, das die Theatergruppe Tempus
fugit mit dem Stück „Ich war‘s“ auf die Bühne bringt. Experiment
deshalb, weil weder Schauspieler noch Publikum um den Ausgang des
Stückes wissen.
Das experimentelle Setting sieht wie folgt aus: ein Campingplatz, vier
junge Leute, ausgelassene Stimmung und eine Leiche. Die drei Zeugen Bea
(Stefanie Klimkait), Timo (Felix Banholzer) und Max (Matthias Meier)
behaupten, Sascha (Kristofer Gudmundsson) getötet zu haben. Der Tote
schreibt in einem Abschiedsbrief, er habe Selbstmord begangen. Doch wer
war es nun? Der Schlüssel zur Lösung dieses Mordfalles ist die Bewegung
des Publikums. Denn das sitzt nicht, wie in einer Theateraufführung
üblich, auf Stühlen. Ein in Viertel eingeteiltes Quadrat ist die
Aktionsfläche für die Zuschauer, in dem sie sich nach Lust und Laune
bewegen können. Jedes Quadrat steht für einen Charakter: für Bea, Max,
Sascha und Timo. Durch die Bewegung innerhalb der vier Quadrate bestimmt
das Publikum den Fortgang der Handlung.
Alles anders in Sekunden
„Es wird eine Herausforderung. Sowohl für die
Schauspieler als auch für das Publikum“, erzählt Regisseurin Karin
Maßen, die das Stück zusammen mit der Gruppe geschrieben hat. Die
Handlung basiert auf vier einzelnen Geschichten. Binnen Sekunden kann
sich diese sich verlagern, kann die Geschichte der einen erzählenden
Person unterbrochen werden, in dem sich ein Teil des Publikums innerhalb
der Quadrate bewegt.
Noch passiert auf der Leinwand, die direkt über den Kulissen hängt,
nicht viel. Schließlich fehlen noch die 60 Zuschauer, die für die Lösung
dieses theatralischen Kriminalfalls sorgen sollen. Doch Meier und seine
Schauspielkollegen führen vor, wie die raffinierte Technik, die
Tempus-fugit-Schauspieler Simon Stotz entwickelt hat, funktioniert. Eine
Infrarotkamera zeichnet die Bewegungen auf und rechnet sie in Grauwerte
um. Mal blinkt ein Feld gelb, mal eins rot, grün oder blau, je nachdem
wo die meisten Personen stehen. Und genau hier liegt die Krux: Die
Kamera kann die Menschen, die sich auf dem schwarzen Rechteck während
der Probe bewegen, noch nicht genau auseinander dividieren. So wird
nicht geprobt an diesem Nachmittag, sondern an der Austarierung
gearbeitet, was die Schauspieler nicht merklich aus der Ruhe bringt.
Wie bei Tempus-fugit-Inszenierungen üblich, bewegen sich die
Schauspieler in einer sehr reduzierten Kulisse. Ein paar Baumstämme und
ein Zelt sind die Requisiten. Weniger bedeutet bei Tempus fugit immer
mehr. Das Mehr ist vor allem das schauspielerische Können und Engagement
der Akteure. Bis zur Premiere bleibt den sechs Darstellern - zu den vier
Protagonisten kommen ein Polizist und ein Richter - nicht mehr viel
Zeit, jedoch ertragen sie mit einer Engelsgeduld die technischen Tücken.
Man merkt ihnen die Spiellust an, auch wenn sie nicht wissen, wie das
Stück enden wird. Dankbar sind sie vor allem dem Landesverband Freier
Theater und dem Kunst- und Kulturförderkreis für die Finanzierung die
dieses Experiment ermöglicht, das Regisseurin Karin Maßen sehr am Herzen
liegt: „Wir wollen zeigen, dass Theater vom Publikum beeinflusst werden
kann, darf und soll, im Gegensatz zum Fernsehen oder zum Kino wo der
Zuschauer nur passiver Konsumierer ist." |
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BZ vom 02.02.2008
Das Publikum als treibende
Kraft
VOR DER PREMIERE: Im Theaterexperiment "Ich war’s"
verlangt "Tempus fugit" vom Zuschauer im Burghof Mut zur Bewegung
Max, Timo, Sascha und Bea haben gemeinsam eine Geschichte erlebt mit
schrecklichem Ausgang. Auf dem Campingplatz treffen die vier jungen
Leute zufällig aufeinander, kommen miteinander ins Gespräch und
verabreden sich für den nächsten Tag zum Grillen. Was passiert bei der
Party? Im Nachhinein erzählt jede Person eine andere Geschichte. Sicher
ist nur eines: Am Ende liegt Sascha mit tödlichen Stichverletzungen auf
dem Boden. Und jeder der vier, selbst das Opfer, bevor es im Krankenhaus
stirbt, sagt: "Ich war’s!". Und so heißt auch das Theaterexperiment, das
die regionale Gruppe "Tempus fugit" im Lörracher Burghof wagt. Ob es
gelingt, hängt wesentlich vom Publikum ab. Denn es steuert den Fortgang
des Stückes, die Aufklärung des Falles. "Die Zuschauer müssen nicht
spielen", erklärt Regisseurin Karin Maßen. "Wir hoffen aber, dass sie
ihre Neugierde kundtun, indem sie sich bewegen."
Der Raum vor der Bühne ist nämlich in vier Felder eingeteilt, die den
vier Hauptdarstellern Stefanie Klimkait, Matthias Meier, Felix Banholzer
und Kristofer Gudmundsson zugeordnet sind. Hier können sich maximal 60
Besucher pro Vorstellung frei bewegen; Sitzplätze gibt es nicht. Eine
Infrarot-Kamera an der Decke zeichnet die Bewegungen auf und ein
Computer wertet sie aus. Aus der Perspektive der Figur, auf deren Feld
sich jeweils die meisten Zuschauer befinden, wird das Stück gespielt.
Ein paar Schritte genügen also, um die Sichtweise zu ändern. Damit den
Zuschauern ihr Einfluss bewusst wird, werden die Bewegungen grafisch
projiziert: Das Publikum entwirft die Kulisse und erzeugt eine neue
Version der Tat, eine neue Wahrheit, der Thorsten Blank als Richter und
Ric Weißer als Polizist in der Rahmenhandlung - einem Verhör vor Gericht
- auf der Spur sind.
Den Anstoß zu dem Experiment gab Simon Stotz, früher selbst bei "Tempus
fugit" aktiv, mit seiner ausgezeichneten Diplomarbeit "e-walls/digitale
Wände" an der Basler Hochschule für Gestaltung und Kunst. Sein
Computerprogramm, das Bewegungen in grafische Muster, eine Art lebende
Tapete, umsetzt, liefert die technische Grundlage für das Projekt, das
der Landesverband freier Theater fördert und für das der Burghof die
notwendige Ausrüstung stellt.
Für Karin Maßen ist der Einsatz moderner Technik allerdings keineswegs
Selbstzweck. "Ich war’s", ein Spiel mit den Grenzen von Subjektivität
und Objektivität, zeige vielmehr die besondere Qualität von Theater:
Jede Vorstellung ist einzigartig, weil abhängig von den Befindlichkeiten
der Spieler und des Publikums. "Das Stück ist eine Liebeserklärung ans
Theater", sagt denn auch Karin Maßen. Sie hofft, dass vor allem junge
Besucher, die geprägt sind von der Perfektion in Film und Fernsehen, zu
den vier Vorstellungen an zwei Tagen kommen.
"Die Augen" letztmals in Originalbesetzung
Unterschiedliche Versionen desselben Geschehens, das Spannungsfeld von
Wirklichkeit und Wahrnehmung, erleben die Zuschauer auch in "Die Augen".
Am 9. Februar zeigt "Tempus fugit" , ebenfalls im Burghof, die 2004 in
Göppingen preisgekrönte Produktion frei nach der gleichnamigen Novelle
von Franz Nabl letztmals in der Originalbesetzung von 2002. Bei Karin
Maßens Lieblingsstück müssen die Besucher aber nicht stehen und sich
bewegen, sondern können das Bühnengeschehen sitzend genießen, wie sie es
gewohnt sind.
Daniel Gramespacher |
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Die Oberbadische vom 23.01.2008
Was ist Wirklichkeit?
Spannendes Theaterexperiment „Ich war’s" von Tempus fugit
Von Gabriele Hauger
Lörrach. Eine
nette Grillparty auf einem Campingplatz. Vier junge Leute feiern. Doch
etwas Schreckliches geschieht: Einer der jungen Männer, Sascha, liegt am
nächsten Morgen tot am Boden. Wer war der Täter? Oder war es gar
Selbstmord? Dieser Frage geht das experimentelle Tempus fugit-Stück „Ich
war‘s“ nach.
Alle vier Beteiligten behaupten: „Ich war‘s“. Das Publikum befindet sich
mitten in der anschließenden Gerichtsverhandlung. Ein Richter und ein
Polizist weisen die Zuschauer ein. Denn:
Das Publikum hat keine festen Sitzplätze, sondern bestimmt durch seine
Mobilität, welche Wendung die Handlung und Aufklärung des Falles nimmt.
Es gibt vier Felder, Symbole für je ein Geständnis auf der Bühne. Je
nachdem, auf welchem Feld mehr Zuschauer stehen, wird die Version des
Tathergangs aus der Sicht einer der vier jungen Leute erzählt.
Das Theaterexperiment unter der Regie von Karin Maßen geht einen ganz
ungewöhnlichen Weg. Der Erzählfluss von „Ich war‘s“ ist chronologisch,
doch die Perspektiven wechseln und damit auch die Auflösung des Falles.
„Das ist unglaublich spannend und eine große Herausforderung an die
Schauspieler“, so Regisseurin Karin Maßen. Denn letztere müssen schnell
und flexibel reagieren: Die Zuschauerbewegung bestimmt den Lauf des
Spiels.
Die Idee entstand durch ein von dem langjährigen Tempus
fugit-Schauspieler Simon Stotz im Rahmen seiner Diplomarbeit in
Grafikdesign kreiertes Computerprogramm. Er entwickelte eine sensorische
Kamera, die die Publikumsbewegungen ermittelt und auf eine Leinwand
projeziert. Technische Unterstützung erfährt er bei der Umsetzung vom
Burghof-Team, vor allem von Mark Searle.
Das mit 4000 Euro vom Landesverband Freier Theater Baden-Württemberg aus
Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft, Forschung und Kunst geförderte
Theaterexperiment ist doppelbödig, hat einen ebenso spielerischen wie
ernsthaften Charakter. Dabei müssen sich die Schauspieler absolut
aufeinander einlassen. „Theater entsteht hier wahrhaft aus dem Moment
heraus, anders als in einem Film, der fix und fertig ist und immer
gleich. Ich sehe dieses Experiment als ein klares Plädoyer für das
Theater insgesamt“, so Karin Maßen. Es geht ihr aber noch um einen
weiteren Aspekt:
Um das Thema glauben und vertrauen können. Um objektive und subjektive
Wahrnehmung: Wo liegt die Wahrheit, wo die Wirklichkeit?
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Fotos von den Proben |
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Generalprobe am 7. Februar 2008 |
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Fotos: Thomas Quartier |
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Richter |
Thorsten Blank |
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Polizist |
Ric Weißer |
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Timo |
Felix Banholzer |
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Sascha |
Kristofer
Gudmundsson |
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Max |
Matthias Meier |
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Bea |
Stefanie Klimkait |
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Regie, Dramaturgie: |
Karin Maßen |
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Buch: |
Stefanie Klimkait,
Matthias Meier,
Karin Maßen |
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Lichttechnik |
Mark Searle, André
Kulawik |
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Technik und Design |
Simon Stotz |
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Plakat und
Programmgestaltung |
Simon Stotz |
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Foto |
Thomas Quartier |
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Video |
Kirstin & Thomas Quartier |
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mit besonderem Dank
an Burghof GmbH für Beratung und Begleitung des Projekts.
Dank auch an den
Kunst und Kulturförderkreis Lörrach,
und an die Stadt Lörrach für die finanzielle Unterstützung |
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GEFÖRDERT DURCH DEN LANDESVERBAND FREIER THEATER
BADEN-WÜRTTEMBERG E.V. AUS MITTELN DES MINISTERIUMS FÜR
WISSENSCHAFT, FORSCHUNG UND KUNST. |
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