aktuelle Inszenierung:

Tempus fugit - Freie Gruppe

   
 
 

"Ein wahrer Held"
von John Millington Synge

Regie: Vaclav Spirit
 

 


 

   
   
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  Handlung:

„Ein wahrer Held“ ist eine irische Tragikkomödie in drei Akten und wurde 1907 im Dubliner Abbey Theater uraufgeführt.
Das Stück spielt in der kleinen Dorfschenke des Michael James, die hauptsächlich von dessen Tochter Pegeen geführt wird.
Eines Abends kommt ein erschöpfter und verdreckter Fremder in diese Kneipe, der sofort das Interesse der Dorfbewohner weckt. Die Versammelten wollen wissen, ob er auf der Flucht sei. Nur zögernd gibt er preis ein schweres Verbrechen begangen zu haben. Die Dorfbewohner sind hellauf begeistert. Das hatte es zuvor in diesem Dorf noch nie gegeben:
Einen echten Mann, einen wahren Helden.
Doch schon bald erfährt sein unbeschwerlich gewordenes Leben eine Wendung...

Durch die Bearbeitung von Vaclav Spirit könnte das Stück in einer Zeitspanne von hundert Jahren, irgendwo zwischen dem County Mayo und Baden-Württemberg spielen.

 

 
   
  Autor
   
 

John Millington Synge wurde 1871 in Dublin geboren.

Er reiste sehr früh nach Deutschland, und studierte in Würzburg Musik und zog anschließend nach Paris, um ein Studium in Fremdsprachen zu absolvieren, wo seine ersten Gedichte und Dramenentwürfe entstanden. Dort traf er den irischen Autoren William Butler Yates, der ihm riet auf Inishmaan, eine der Aran Islands, einer kleinen Inselgruppe in der Nähe Galways, in Irland zu ziehen, um sich Inspiration aus Einsamkeit und Ruhe zu ziehen.

Er ging diesem Ratschlag nach und entwickelte sich zum poetischen Realisten.

„...die echte reine Freude findet man nur in der wilden hinreißenden Wirklichkeit. Realismus allein genügt nicht, die Bühne muss Wirklichkeit und Fröhlichkeit ausstrahlen.“

Die Uraufführung des „Playboy of the Western World“ 1907 führte zu einem großen Skandal:

Nationalistische Kreise vermuteten eine Verunglimpfung der Ehre des Vaterlands und die Kirche hielt die sittlichen, moralischen Grundlagen der Gesellschaft für erschüttert.

Zwei Jahre später starb John Millington Synge an Krebs in Dublin.

   
 
   
  Presse
   
 

BZ vom 29.01.2008

Bild einer kränkelnden Gesellschaft

Jugendtheatergruppe Tempus fugit und Vaclav Spirit inszenieren im Nellie Nashorn in Lörrach John Millingtons "Ein wahrer Held"

In der Liebe und im Krieg sind alle Mittel erlaubt. Das mag sich auch Christy Mahon gedacht haben, als er die schöne Pegeen in dieser herunter gekommenen Kneipe das erste Mal erblickt. Die oder keine, egal mit welchen Mitteln, denn das Mädchen ist bereits einen anderen versprochen. Dass ausgerechnet der Mord an seinem Vater ihn zu einem wahren Helden macht, scheint ihn Zeiten von medial aufgebauschter jugendlicher Gewalt beinahe ein Abbild der Realität zu sein. Doch Christy Mahon ist nur ein Charakter des Stücks "Ein wahrer Held", das die Jugendtheatergruppe Tempus fugit unter der Regie von Vaclav Spirit einstudiert hat. Am Samstag feierte es Premiere im Nellie.

Was nach einem modernen Stück klingt, hatte tatsächlich 1907 seine Premiere in Dublin. Der Ire John Millington Synge hat das Stück geschrieben, dass bei seiner Uraufführung für einen Skandal sorgte. Werden doch im Verlauf von 60 Minuten kirchliche Werte und menschliche Verhaltensweisen mittels künstlerischer Freiheit kritisiert. Und so passiert es, dass der junge, unsichere Christy Mahon vorgibt, seinen Vater mit einem Spaten den Schädel gespalten zu haben, um die Anerkennung der Menschen zu erhalten, die er für seine Freunde hält. Einen Mord musste er begehen, um vom Niemand zum Jemand zu avancieren. Mit seiner schüchternen Mimik, den zaghaften Bewegungen erweist sich Ric Weißer in der Rolle des Christy Mahon als brillante Besetzung. Er transportiert mit jeder Bewegung, mit jeder Geste, mit jedem Satz die Unsicherheit des Protagonisten. Und in unbeobachteten Momenten zeigt er nur dem Zuschauer sein wahres Gesicht: wenn er in Unterhosen vor einem Spiegel posiert um sich vor Augen zu führen, dass er jemand ist. Er spielt eine Posse mit den Dorfbewohnern, führt sie an der Nase herum, ohne das sie es merken.

Ein Niemand wird zu einer Ikone stilisiert, zu einem Sexsymbol erhoben und als die Fassade bröckelt, lässt man den Star ganz schnell wieder fallen. Es ist das Bild einer kränkelnden Gesellschaft, das die elf jungen Schauspieler mit nur wenigen Mitteln inszenieren. Generationskonflikt, die Sehnsucht nach der perfekten Liebe und das Streben nach Bewunderung, nach gesellschaftlicher Akzeptanz sind die Themen, die in "Ein wahrer Held" mit dem theatralischen Augenzwinkern inszeniert werden. Ein Tisch und ein paar Holzkisten sind die Requisiten, mit denen man auskommt. Vor allem die Akteure überzeugen durch ihr engagiertes Spiel, das sowohl seine traurigen Momente hat, als auch seine Lustigen, aber niemals mit dem erhobenen Zeigefinger daher kommt, sondern eher zum Nachdenken anregt.

Kornelia Schiller


Die Oberbadische vom 28.1.08

Sagenhafter Aufstieg, Fall und Emanzipation

Jugendtheatergruppe Tempus fugit feiert in Lörrach Premiere mit Stück es irischen Autors John Millington Synge

Von Norman Riebesel

Lörrach. Um Bewunderung, Liebe und Zurückweisung geht es in dem Stück „Ein wahrer Held“ des Iren John Millington Synge. Am Samstag hatte die Jugendtheatergruppe von Tempus fugit Premiere mit dem Drama. Regie führte Vaclav Spirit, eigentlich Regisseur der Theatergruppe „Gut und Edel“, der das Stück mit den jungen Schauspielern in nur zwei Wochen einstudiert hat Der junge, verunsicherte und panische Christopher Mahon (Ric Weißer) kommt in die Kneipe eines verschlafenen Dorfes Die Dorfbewohner interessieren sich sofort für ihn, umso mehr, als er behauptet, seinen Vater (Thorsten Blank) erschlagen zu haben. Sie bewundern ihn und sehen in ihm einen echten Helden. Auch Pegeen (Nicole Pawlowski) kann sich dieser Verehrung nicht entziehen. Zeitweise wuselt sogar eine Schar kreischender Mädels um ihn herum - er ist in dem Dorf so etwas wie ein Popstar.

Doch bald zeigt sich, dass er lediglich glaubte, seinen Vater erschlagen zu haben. Der ist nur verletzt und kommt selber in das Dorf, um sich an seinem Sohn zu rächen. Als die Dorfbewohner das schließlich mitbekommen, lassen sie Mahon fallen wie eine heiße Kartoffel, sogar Pegeen, die ihn heiraten wollte. Er ist zuerst enttäuscht, aber am Ende ist er doch dankbar, dass sie ihn zum Mann gemacht haben. Er versöhnt sich mit seinem Vater und sie lassen die Dorfbewohner links liegen, verspotten sie wegen ihrer Dummheit und gehen nach Hause.

In dem Stück sieht man viele bekannte Tempus fugit-Gesichter, was schon fast eine Qualitätsgarantie ist. Ric Weißer gelingt es hervorragend, die Unsicherheit Mahons umzusetzen. Er ist der verschreckte, schüchterne Knabe, der am Ende gereift aus der Geschichte hervor geht. Nicole Pawlowski ihrerseits in der weiblichen Hauptrolle besticht vor allem durch ihr ausdrucksstarkes Spiel. Ihre Figur ist in ihrer unerschütterlichen Selbstsicherheit ein Gegenpol zu Mahon. Auch den inneren Konflikt, in den sie gerät, als sie entdeckt, dass Mahon seinen Vater keineswegs umgebracht hat, stellt sie glaubwürdig dar. Für den Zuschauer ist es fast ein Schock, dass auch sie sich schließlich von Mahon abwendet. Auf die solide Leistung können auch die anderen Schauspieler stolz sein, so dass Vaclav Spirit sich zufrieden zeigte.

Obwohl er sonst nicht für Tempus fugit tätig ist, trägt das Stück die typische Handschrift der Gruppe: Am wichtigsten ist dabei, dass auf der Bühne immer was los ist und dass es meist unglaublich schnell geht. Beschaulich geht es dort niemals zu. Immer wuseln die Schauspieler hin und her, fliegende Auf- und Abtritte sind die Regel, kurze und knackige Dialoge folgen aufeinander. Auch typisch für Tempus fugit ist die gute Körperbeherrschung, die in der Gruppe durch ein gezieltes Athletiktraining gefördert wird und es den Schauspielern ermöglicht, sogar Stunts hinzulegen, was auch diesem Stück wieder einmal zugute gekommen ist. Das Bühnenbild ist wie immer aus einfachen Mitteln zusammengesetzt, aber nicht so spartanisch wie sonst oft. Es besteht im wesentlichen aus ein paar alten Kisten.


BZ vom 25.01.2008

Liebe und Zurückweisung

Die Jugendtheatergruppe von Tempus fugit spielt "Ein wahrer Held" / Premiere am Samstag

Von unserer Redakteurin Silke Kohlmann

LÖRRACH. Unter der Regie von Vaclav Spirit bringt die Jugendtheatergruppe von Tempus fugit "Ein wahrer Held" auf die Bühne. Im Stück des irischen Autors John Millington Synge geht es um Bewunderung und Zurückweisung. Ein Stück für junge Menschen, sagt Spirit. Am Samstag hat es im Nellie Nashorn Premiere.

Eines Abends kommt ein erschöpfter und verdreckter Fremder in die Kneipe eines verschlafenen Dorfes. Sofort weckt er das Interesse der Dorfbewohner. Ist er auf der Flucht? Nur zögernd gibt der Fremde Auskunft — und berichtet schließlich, seinen Vater erschlagen zu haben. Die Dorfbewohner sind hellauf begeistert: Ein echter Mann, ein wahrer Held ist in ihren Reihen. Aber bald schon erfährt sein unbeschwerlich gewordenes Leben eine Wendung.

Die Uraufführung des "Playboy of the Western World" — so der Originaltitel — führte 1907 in Dublin zu einem großen Skandal: Nationalistische Kreise vermuteten eine Verunglimpfung der Ehre des Vaterlands und die Kirche hielt die sittlichen und moralischen Grundlagen der Gesellschaft für erschüttert.

Regisseur Vaclav Spirit hat das Stück ins Hier und Heute übertragen. "Es eignet sich sehr gut für eine junge Gruppe", sagt Spirit. Schließlich ist der "wahre Held" ein junger Mann. Und das Thema des Stücks ist immer aktuell: Es geht um den Generationenkonflikt, "um den Konflikt eines jungem Mannes mit seinem Vater, aber auch mit seinen Kumpels" , erklärt Spirit. Es handelt von Liebe und Bewunderung, aber auch vom Im-Stich-Gelassen-Werden.

Binnen zwei Wochen haben die jungen Schauspieler von Tempus fugit das Stück eingearbeitet. "Es war eine wunderbare Zusammenarbeit" , berichtet Spirit. "Die jungen Leute waren wahnsinnig diszipliniert und bereitwillig, hart zu arbeiten."

Schon einmal hat Vaclav Spirit, eigentlich Regisseur der Lörracher Theatergruppe "Gut und Edel" , mit Tempus fugit zusammengearbeitet, hat die Goldoni-Komödie "Diener zweier Herren" inszeniert. Mit Karin Maßen, Regisseurin von Tempus fugit, verbinde ihn eine lange Freundschaft. "Jetzt hatten beide Seiten Lust, wieder zusammenzuarbeiten", erklärt Spirit.

   
 
   
  Video (Ausschnitte)
   
 

   
 
   
  Fotos von den Proben
   
 
 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
   
  Generalprobe am 26. Januar 2008
   
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

Fotos: Thomas Quartier

   
 
 
Es spielen:
 
 
 
   
Christopher Mahon   Ric Weißer
Old Mahon, sein Vater  Thorsten Blank
Michael James Felix Tritschler
Pegeen, seine Tochter    Nicole Pawlowski
Shawn Keogh, ihr Versprochener Till Lang
Witwe Quin Katrin Mörgelin-Oehler
Philly, Kumpel von Michael   Michael Zier
Jimmy, Kumpel von Michael Fabian Müller
Honor, Mädchen Lina Schelker
Sara, Mädchen Miriam Pfitzenmaier
Susan, Mädchen  Franziska Kienzler
   
Regie, Textbearbeitung und Bühnenbild: Vaclav Spirit
   
Lichttechnik André Kulawik
Musikkonzeption Daniel Vogel
Bewegungsberatung Michael Greff
Plakat und Programmgestaltung Britta Rechlin
Programmtext Michael Zier, Nicole Pawlowski
Produktionsleitung Felix Tritschler, Ric Weißer
Kostüm Nicole Pawlowski, Ric Weißer
Foto/Video Thomas Quartier
   
Rechte Pegasus / Verlag Autorenagentur
 
 
 

 

 

 

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