aktuelle Inszenierung:

Tempus fugit - Jugendtheater Rheinfelden

   
 
 

"Iphigenie Königskind"
von Pauline Mol

Regie: Karin Maßen
 

 


 

   
   
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  Handlung:

Als Vorlage für Pauline Mols Stück diente Euripides’ Klassiker “Iphigenie auf Aulis“. Die Autorin hielt sich, was die vordergründige Handlung betrifft, weitgehend an den Verlauf der antiken Geschichte. Die griechische Flotte unter Befehl des Heerführers und Königs Agamemnon will nach Troja segeln um Krieg zu führen, da Helena, die rechtmäßige Frau seines Bruders Menelaos, nach Troja entführt worden war. Aber der Krieg kann nicht beginnen, denn die Griechen sitzen wegen anhaltender Windstille in Aulis fest. Agamemnon befragt das Orakel, das ihm offenbart, dass einzig und allein das Opfer seiner eigenen Tochter Iphigenie die Flaute beenden würde.

Obwohl es dem Vater schwer fällt, lässt er seine Tochter Iphigenie unter dem Vorwand, dass sie Achilles heiraten soll griechische Lager bestellen. Doch starke Zweifel plagen Agamemnon. Als er beschließt, das Leben seiner Tochter zu schonen, ist es schon zu spät, seine Tochter und seine Frau Klytemnästra haben das Lager bereits erreicht. Die Soldaten, in Erwartung in den Krieg ziehen zu können, vermuten längst, dass die Götter durch die Opferung Iphigenies gnädig gestimmt werden sollen. Klytemnästra fleht ihren Mann an, das Leben der Tochter zu verschonen, der mutige Achilles will Iphigenie gegen das ganze Heer verteidigen und Menelaos selbst will letztlich doch auf seine Frau Helena verzichten: aber es ist zu spät, denn das Volk fordert ein Opfer. Und erstaunlicher weise akzeptiert Iphigenie freiwillig ihren Opfertod. In der Euripides-Fassung will sie aus patriotischen Gründen in den Tod gehen: für Hellas als Befreierin Griechenlands vor der Bedrohung durch die Barbaren.

Pauline Mol zeigt jedoch andere Gründe für die Opferbereitschaft Iphigenies...
 

 
  Dramaturgie:

Pauline Mol wechselt gegenüber der Euripides-Vorlage den Blickwinkel: Die Geschichte wird nicht aus der Sicht der Erwachsenen erzählt, sondern aus der Perspektive des Kindes. Durch einen dramaturgischen Eingriff gelingt Pauline Mol dieser Blickwinkelwechsel: Sie spaltet die Figur der Iphigenie in das Kind und Iphigenie auf.
Der Zuschauer sieht nicht nur eine Iphigenie, sondern zwei Figuren. Auf der Bühne selbst nimmt jedoch nur Iphigenie das Kind wahr, alle anderen Figuren können es nicht sehen.
Das Kind ist derjenige Teil Iphigenies, der sich nicht an die Erwachsenenwelt anpasst. Das Kind spiegelt die Gefühle, das Unbewusste, die Seele Iphigenies wieder.
Iphigenie ist der Teil der Figur, der sich an die elterlichen Erwartungen anpaßt, sich unterdrücken läßt, die Eltern in Schutz nimmt und sich letztendlich aus Liebe für sie opfert. Sie versucht im Verlauf des Stücks, sich immer weiter in die Welt der Erwachsenen hineinzuspielen.
Die Beziehung der beiden zueinander prägt den Spannungsbogen der meisten Szenen. Er zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Stück.

 

 
  Pauline Mol

Pauline Mol ist 1953 in den Niederlanden geboren, studierte Niederlandistik und Theaterwissenschaft und arbeitete viele Jahre zusammen mit dem damaligen Kollektiv Theater Teneeter im Bereich des Kinder- und Jugendtheaters. Sie übernahm die künstlerische Leitung der Jugendtheater-Gesellschaft Artemis (Nord-Brabant, Niederlande). Neben ihrer Tätigkeit als Dramaturgin und Theaterleiterin beschäftigt sie sich seit ca. 10 Jahren zunehmend mit dem Schreiben von Stücken. Eines der in Deutschland bekanntesten und schönsten Theaterstücke ist "Dag Monster" ("Tag Monster"), das sie 1986 geschrieben hat. "Iphigenie Königskind" entstand 1989 und weist, wie fast alle Stücke Mols eine besondere Perspektive auf: Der Stoff wird aus der Sicht von Kindern erzählt. Pauline Mol schreibt für Kinder und ergreift vehement Partei für diese. Dabei erzählt sie davon, was sie selbst am meisten beschäftigt, was gleichzeitig heißt, daß sich die Frage nach einer Kunst für Kinder für die Autorin nicht stellt: "Ich mache nur dann etwas, wenn ich mich selbst zu hundert Prozent an der Geschichte beteiligt fühle und wenn ich sie Kindern wirklich vermitteln will. Man muß den Mut haben, in seinen Stoff einzudringen, ihn sich ganz zu Eigen machen. Gerade weil ich für Kinder arbeite... es ist ein unaufhörliches Suchen danach, das für ein Kind glaubhaft zu machen, was für einen selbst das Wichtigste ist."
 

 
   
  Presse
   
  Die Oberbadische vom 11.12.07

Bravo "Tempus fugit" und 9b

Gelungene Aufführungen von „Iphigenie Königskind“

Rheinfelden (pem). Bravo Tempus fugit - Bravo Goetheschule. Mit der Premiere „Iphigenie - Königskind“ am Freitagabend sowie zwei weiteren Vorstellungen am Samstag und am Sonntag landete die „Tempus fugit“- Jugendtheatergruppe Rheinfelden, zusammen mit den Schülerinnen und Schülern der Klasse 9b der Goetheschule, einen großen Erfolg.
Keine einfachen Rollen, die Kora Winkler als Iphigenie und Anna Mehlin als Kind hatten, aber glänzend meisterten. Vollauf gelungen die gesamte Besetzung mit Nicole Pawlowski als Klytämnestra, dem Agamemnon Till Lang, Menelaos alias Sebastian Palzer, sowie in weiteren Rollen Anika Moos, Charlotte Jankowitz, Markus Müller, Fabian Müller und Michael Zier. Das Bühnenbild einfach und schlicht, ebenso wie die Kostüme in Weiß und in Schwarz. Stimmungsvoll und passend die musikalische Begleitung mit George Ricci. Ein Drama aus der griechischen Mythologie angepasst auf die heutige Zeit, welches Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen anspricht.
Die Geschichte wird nicht aus der Sicht der Erwachsenen erzählt, sondern aus der Perspektive des Kindes. Durch einen dramaturgischen Eingriff gelingt Pauline Mol dieser Blickwinkelwechsel: Sie spaltet die Figur der Iphigenie in das Kind und Iphigenie auf. Iphigenie ist der Teil et Figur, der sich an die elterlichen Erwartungen anpasst, sich unterdrücken lässt, die Eltern in Schutz nimmt und sich letztlich aus Liebe für sie opfert.
Sie versucht im Laufe des Stücks, sich immer weiter in die Welt der Erwachsenen hineinzuspielen. Die Beziehung der beiden zueinander prägt den Spannungsbogen der meisten Szenen. Er zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Stück. Keine leichte Kost und keine einfachen Texte. Hier standen hoffnungsvolle Talente auf der Bühne.
Im Hintergrund die Mädchen und Jungen der Klasse 9b der Goetheschule. Sie übten während einer dreitägigen Projektphase einzelne Szenen und durften auch hinter die Kulissen des Theaters schauen. „Uns hat die Theaterarbeit sehr, sehr viel Spaß gemacht“, waren sie sich am Schluss einig.
Der Schüler Bastian fungierte am Schluss als Interviewer: „Hat es Ihnen gefallen“? fragte er das Publikum. Ja, es hat gefallen, und der Beifall der Zuschauer war gewaltig.


Die Oberbadische vom 11.12.07

Alte Griechen in Jeans und T-Shirt

Jugendtheater Tempus fugit bringt einen modernisierten Klassiker in Rheinfelden auf die Bühne

Von Norman Riebesel

Rheinfelden. Das Stück „Iphigenie Königskind“ der niederländischen Autorin Pauline Mol nach der antiken Vorlage von Euripides spielte die Tempus fugit - Jugendtheatergruppe Rheinfelden an den drei Tagen des vergangenen Wochenendes im Gemeindesaal St. Josef.
Gleich zu Beginn ist man als Zuschauer etwas verwirrt und vielleicht auch enttäuscht: Obwohl das Stück im antiken Griechenland spielt und Tempus fugit über einen reichen Kostümfundus verfügt, laufen die Schauspieler in Jeans und T-Shirts auf der Bühne herum, klassische Gewänder werden allenfalls durch Umhänge angedeutet. Laut Regisseurin Karin Maßen habe man sich aber bewusst für moderne Kleidung entschieden, um eine Brücke in die heutige Zeit zu schlagen.
Das scheint auf den ersten Blick nicht ganz einfach bei dieser Thematik: Iphigenie - ihre Naivität wird von Kora Winkler glaubhaft vermittelt -‚ die Tochter des Königs Agamemnon, soll geopfert werden, um der Flotte genügend Wind zu verschaffen, damit diese in den Krieg ziehen kann. Eigentlich ein nicht gerade heutiges Thema. Die Fassung von Pauline Mol schafft es dennoch, den Fokus vom Wohl des Staates hin zum familiären Konflikt und auf das Seelenleben Iphigenies zu lenken.
Um dieses deutlicher zu machen, tritt sie quasi doppelt auf: einmal einfach als Iphigenie und dann als „das Kind“, das nur sie und die Zuschauer sehen können.
Anna Mehlin, die Jüngste im Team, schafft es als Kind hervorragend, einerseits dessen Liebesbedürftigkeit deutlich zu machen, andererseits aber auch die Handlungsweisen der Erwachsenen immer wieder kritisch zu hinterfragen und Iphigenie vor ihnen zu warnen.
Ihren Vater Agamemnon hat mit Till Lang ein schon erfahrener Tempus fugit Schauspieler in gewohnter Qualität umgesetzt. Er schafft es auch, den Gewissenskonflikt zwischen Vater und König zu veranschaulichen. Wie immer besonders beeindruckend ist die Körperbeherrschung der Tempus fugit Schauspieler. Besonders Till Lang und Fabian Müller als Bote legen einige sehenswerte Stunts hin. Auch die musikalische Untermalung mit Live-Instrumenten von George Ricci erweist sich als Glücksgriff und trägt mit zur Begeisterung des Publikums im ausverkauften Premieren-Saal bei.


Die Oberbadische vom 6. Dezember 2007

Klassiker zurück in die Klassenzimmer

Jugendtheater „Tempus fugit“ arbeitet mit Rheinfelder Goetheschule zusammen

Rheinfelden (pem). „Tempus fugit baut darauf, dass der Funke überspringt, dass die jugendliche Begeisterung der Spieler ansteckt und beispielgebend weiterwirken kann“. Regisseurin Karin Maßen spricht mit Begeisterung. Und mit Begeisterung macht die Klasse 9b der Goetheschule Rheinfelden erstmals bei einer Theateraufführung mit.
Die „Tempus fugit“-Jugendtheatergruppe aus Rheinfelden, zusammen mit den 23 Teenagern der Goetheschule, haben „Iphigenie Königskinder“, nach der Vorlage von Euripides und der „Iphigenie auf Tauris“, von Johann Wolfgang Goethe inszeniert. Premiere ist am jetzigen Freitag im Gemeindesaal Sankt Josef in der Friedrichstraße in Rheinfelden, weitere Vorführungen finden am Samstag, 8. und Sonntag, 9. Dezember statt. Alle drei Vorstellungen beginnen um 20 Uhr.
Die Jugendlichen der Goetheschule und ihre Klassenlehrerin Kristina Moos sind mit Enthusiasmus dabei. Sie arbeiten zusammen mit den Praktikanten Till Lang, Fabian Müller, Michael Zier, Produktionsleiter ist Felix Tritschler von „Tempus fugit“. Ziel ist es, die jungen Menschen dazu zu ermuntern, klassische Dramentexte neu zu entdecken, Berührungsängste und Vorurteile abzubauen und auch schwierige Textstellen zu entschlüsseln. Auch soll die Lebendigkeit und die Ursprünglichkeit von Theateraufführungen im Gegensatz zu Film und Fernsehen erlebt werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Nachbearbeitung, dabei sollen die Mitwirkenden einen eigenen Kriterienkatalog für ihre Bewertung erstellen und dazu angehalten werden, öffentlich Kritik zu üben und die Rolle des kritischen Betrachters einzunehmen.
Dazu sollen die Schüler sich aber auch in Gruppen vorbereiten, um mehr über andere Inszenierungen wie Schauspiel, Kostüm, Maske, Requisite und Sprache, von damals und heute zu erfahren. Die Klasse 9b hat das Projekt in ihren Deutschunterricht integriert, es sind bis zu zehn Stunden angesetzt. Gearbeitet wird in allen Sprachebenen.
Dirk Dombrowski von der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden ist voll des Lobes über das Engagement von Karin Maßen. „Mit den Projekten haben wir nur positive Erfahrungen gemacht“. „Klassiker an Schulen“ im Rahmen des Projektes „Jugend begeistert Jugend“ passe in das Anforderungsprofil der Sparkassenstiftung zur Förderung von Jugend, Umwelt und Bildung, so Dirk Dombrowski. Die Sparkasse Lörrach Rheinfelden sponsert mit 5700 Euro das Projekt „Klassiker an die Schulen“.


Badische Zeitung vom Mittwoch, 5. Dezember 2007

Theaterspiel macht Schule

Unterstützt von der Sparkassenkulturstiftung arbeitet Tempus fugit mit der Goetheschule

Von unserer Redakteurin Ingrid Böhm-Jacob

RHEINFELDEN. Das macht wirklich Schule: Spieler aus dem Ensemble des Jugendtheaters Tempus fugit tragen einen Bühnenklassiker in den Unterricht der Goetheschule. Das Projekt, bei dem 23 Schüler der 9 b mitmachen, steht unter dem Motto "Jugend begeistert Jugend" . Mit der Inszenierung von "Iphigenie, Königskind" wird ein Stoff in die Hauptschulklasse getragen, der anschaulich macht, dass sich Elternliebe in einem gesellschaftlichen Spannungsfeld bewegt und somit noch immer ein spannendes Thema ist. Die außergewöhnliche Bildungsidee fördert die Sparkassen-Kulturstiftung.

Die Unterrichtserfahrungen ermuntern Regisseurin Karin Maßen "Klassiker an die Schulen" zu bringen. Die Theatermacherin hält sich bei diesem Projekt allerdings im Hintergrund. Die Hauptakteure nämlich sind vor allem die jugendlichen Spieler, die das Interesse der Schüler wecken sollen an Dramentexten, ihre Berührungsängste mit der Klassik und auch Vorurteile abzubauen und natürlich auch lernen sollen, dass auch schwierige Texte zu entschlüsseln sind. Acht bis zehn Stunden verbringen sie im Deutschunterricht derzeit mit der Erarbeitung des Werks. Die Schüler können selbst Ideen einbringen und ihr Sprachverständnis entwickeln. Im Unterricht werden auch kleine Szenen entwickelt und mit Sprache experimentiert: Ob in der Originalsprache des Euripides, mit Schillers Worten oder ganz modern gesprochen wird, kann dabei ausprobiert werden. Das Wichtigste dabei: die Schüler sollen sich angesprochen fühlen. Karin Maßen hält das Experiment nach ihren Erfahrungen für gelungen und fortsetzungswürdig, denn diese spielerische Bildungsarbeit fördere das "aktive Zuhören", schule die Kritikfähigkeit und damit auch die Selbstständigkeit des Denkens.

Überzeugt vom Konzept zeigt sich auch Dirk Dombrowski (Sparkasse Lörrach-Rheinfelden). Klassische Bühnenliteratur mit Jugendlichen in die Hauptschule zu tragen und damit einen nicht selbstverständlichen Bildungsweg zu beschreiten, findet die Unterstützung der Kulturstiftung. Neben dem "Iphigenie-Projekt" , das auf lokaler Ebene erarbeitet und aufgeführt wird, fließen Fördermittel von 5700 Euro auch in die Inszenierung des "Sturms" in Lörracher und vier weiteren Schulen. Die Fördermittel decken etwa ein Drittel der Kosten ab. Die Probenarbeit geht allmählich zu Ende. Diese Woche findet die Premiere für das 75-Minuten-Stück im Gemeindezentrum St. Josef (Friedrichstraße) statt. Dass möglichst viele Jugendliche anschauen, wie Jugendliche Theater machen, erhofft sich Karin Maßen für die Aufführungen.

   
 
   
  Fotos von den Proben
   
 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
  Fotos von der Aufführung am 9. 12.07 in Rheinfelden
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Thomas Quartier

   
 
 
Es spielen:
 
 
 
Iphigenie Kora Winkler
Kind Anna Mehlin
Klytämnestra Nicole Pawlowski
Agamemnon Till Lang
Menelaos Sebastian Palzer
Anna, Helena, Artemis Anika Moos
Marie Charlotte Jankowitz
Kalchas Markus Möller
Bote Fabian Müller
Achilles Michael Zier
   
Regie/Dramaturgie: Karin Maßen
Regieassistenz: Sylvia Jourdan-Kirzdörfer
   
Musik/Komposition: George Ricci
   
Lichtdesign / Lichttechnik André Kulawik
Produktionsleitung Felix Tritschler
Bühnenbau Mario Müller
Plakat und Programmgestaltung Britta Rechlin
Programmtext Michael Zier
Foto Thomas Quartier
Video Kirstin Quartier
Kostüm Ric Weißer
   
Rechte: Verlag der Autoren GmbH & Co. KG
 
 
 

 

 

 

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