|
|
Handlung:
Als Vorlage für Pauline Mols Stück diente Euripides’ Klassiker “Iphigenie auf Aulis“. Die Autorin hielt sich, was die vordergründige Handlung betrifft, weitgehend an den Verlauf der antiken Geschichte.
Die griechische Flotte unter Befehl des Heerführers und Königs Agamemnon will nach Troja segeln um Krieg zu führen, da Helena, die rechtmäßige Frau seines Bruders Menelaos, nach Troja entführt worden war. Aber der Krieg kann nicht beginnen, denn die Griechen sitzen wegen anhaltender Windstille in Aulis fest. Agamemnon befragt das Orakel, das ihm offenbart, dass einzig und allein das Opfer seiner eigenen Tochter Iphigenie die Flaute beenden würde.
Obwohl es dem Vater schwer fällt, lässt er seine Tochter Iphigenie unter dem Vorwand, dass sie Achilles heiraten soll griechische Lager bestellen. Doch starke Zweifel plagen Agamemnon.
Als er beschließt, das Leben seiner Tochter zu schonen, ist es schon zu spät, seine Tochter und seine Frau Klytemnästra haben das Lager bereits erreicht.
Die Soldaten, in Erwartung in den Krieg ziehen zu können, vermuten längst, dass die Götter durch die Opferung Iphigenies gnädig gestimmt werden sollen.
Klytemnästra fleht ihren Mann an, das Leben der Tochter zu verschonen, der mutige Achilles will Iphigenie gegen das ganze Heer verteidigen und Menelaos selbst will letztlich doch auf seine Frau Helena verzichten: aber es ist zu spät, denn das Volk fordert ein Opfer.
Und erstaunlicher weise akzeptiert Iphigenie freiwillig ihren Opfertod. In der Euripides-Fassung will sie aus patriotischen Gründen in den Tod gehen: für Hellas als Befreierin Griechenlands vor der Bedrohung durch die Barbaren.
Pauline Mol zeigt jedoch andere Gründe für die Opferbereitschaft Iphigenies...
|
|
|
Die
Oberbadische vom 11.12.07
Bravo "Tempus fugit" und 9b
Gelungene Aufführungen von „Iphigenie Königskind“
Rheinfelden (pem). Bravo Tempus fugit - Bravo Goetheschule. Mit der
Premiere „Iphigenie - Königskind“ am Freitagabend sowie zwei weiteren
Vorstellungen am Samstag und am Sonntag landete die „Tempus fugit“-
Jugendtheatergruppe Rheinfelden, zusammen mit den Schülerinnen und
Schülern der Klasse 9b der Goetheschule, einen großen Erfolg.
Keine einfachen Rollen, die Kora Winkler als Iphigenie und Anna Mehlin
als Kind hatten, aber glänzend meisterten. Vollauf gelungen die gesamte
Besetzung mit Nicole Pawlowski als Klytämnestra, dem Agamemnon Till
Lang, Menelaos alias Sebastian Palzer, sowie in weiteren Rollen Anika
Moos, Charlotte Jankowitz, Markus Müller, Fabian Müller und Michael
Zier. Das Bühnenbild einfach und schlicht, ebenso wie die Kostüme in
Weiß und in Schwarz. Stimmungsvoll und passend die musikalische
Begleitung mit George Ricci. Ein Drama aus der griechischen Mythologie
angepasst auf die heutige Zeit, welches Jugendliche und Erwachsene
gleichermaßen anspricht.
Die Geschichte wird nicht aus der Sicht der Erwachsenen erzählt, sondern
aus der Perspektive des Kindes. Durch einen dramaturgischen Eingriff
gelingt Pauline Mol dieser Blickwinkelwechsel: Sie spaltet die Figur der
Iphigenie in das Kind und Iphigenie auf. Iphigenie ist der Teil et
Figur, der sich an die elterlichen Erwartungen anpasst, sich
unterdrücken lässt, die Eltern in Schutz nimmt und sich letztlich aus
Liebe für sie opfert.
Sie versucht im Laufe des Stücks, sich immer weiter in die Welt der
Erwachsenen hineinzuspielen. Die Beziehung der beiden zueinander prägt
den Spannungsbogen der meisten Szenen. Er zieht sich wie ein roter Faden
durch das ganze Stück. Keine leichte Kost und keine einfachen Texte.
Hier standen hoffnungsvolle Talente auf der Bühne.
Im Hintergrund die Mädchen und Jungen der Klasse 9b der Goetheschule.
Sie übten während einer dreitägigen Projektphase einzelne Szenen und
durften auch hinter die Kulissen des Theaters schauen. „Uns hat die
Theaterarbeit sehr, sehr viel Spaß gemacht“, waren sie sich am Schluss
einig.
Der Schüler Bastian fungierte am Schluss als Interviewer: „Hat es Ihnen
gefallen“? fragte er das Publikum. Ja, es hat gefallen, und der Beifall
der Zuschauer war gewaltig.
Die
Oberbadische vom 11.12.07
Alte
Griechen in Jeans und T-Shirt
Jugendtheater Tempus fugit bringt einen modernisierten Klassiker in
Rheinfelden auf die Bühne
Von Norman Riebesel
Rheinfelden. Das Stück „Iphigenie Königskind“ der niederländischen
Autorin Pauline Mol nach der antiken Vorlage von Euripides spielte die
Tempus fugit - Jugendtheatergruppe Rheinfelden an den drei Tagen des
vergangenen Wochenendes im Gemeindesaal St. Josef.
Gleich zu Beginn ist man als Zuschauer etwas verwirrt und vielleicht
auch enttäuscht: Obwohl das Stück im antiken Griechenland spielt und
Tempus fugit über einen reichen Kostümfundus verfügt, laufen die
Schauspieler in Jeans und T-Shirts auf der Bühne herum, klassische
Gewänder werden allenfalls durch Umhänge angedeutet. Laut Regisseurin
Karin Maßen habe man sich aber bewusst für moderne Kleidung entschieden,
um eine Brücke in die heutige Zeit zu schlagen.
Das scheint auf den ersten Blick nicht ganz einfach bei dieser Thematik:
Iphigenie - ihre Naivität wird von Kora Winkler glaubhaft vermittelt -‚
die Tochter des Königs Agamemnon, soll geopfert werden, um der Flotte
genügend Wind zu verschaffen, damit diese in den Krieg ziehen kann.
Eigentlich ein nicht gerade heutiges Thema. Die Fassung von Pauline Mol
schafft es dennoch, den Fokus vom Wohl des Staates hin zum familiären
Konflikt und auf das Seelenleben Iphigenies zu lenken.
Um dieses deutlicher zu machen, tritt sie quasi doppelt auf: einmal
einfach als Iphigenie und dann als „das Kind“, das nur sie und die
Zuschauer sehen können.
Anna Mehlin, die Jüngste im Team, schafft es als Kind hervorragend,
einerseits dessen Liebesbedürftigkeit deutlich zu machen, andererseits
aber auch die Handlungsweisen der Erwachsenen immer wieder kritisch zu
hinterfragen und Iphigenie vor ihnen zu warnen.
Ihren Vater Agamemnon hat mit Till Lang ein schon erfahrener Tempus
fugit Schauspieler in gewohnter Qualität umgesetzt. Er schafft es auch,
den Gewissenskonflikt zwischen Vater und König zu veranschaulichen. Wie
immer besonders beeindruckend ist die Körperbeherrschung der Tempus
fugit Schauspieler. Besonders Till Lang und Fabian Müller als Bote legen
einige sehenswerte Stunts hin. Auch die musikalische Untermalung mit
Live-Instrumenten von George Ricci erweist sich als Glücksgriff und
trägt mit zur Begeisterung des Publikums im ausverkauften Premieren-Saal
bei.
Die
Oberbadische vom 6. Dezember 2007
Klassiker
zurück in die Klassenzimmer
Jugendtheater „Tempus fugit“ arbeitet mit Rheinfelder Goetheschule
zusammen
Rheinfelden (pem). „Tempus
fugit baut darauf, dass der Funke überspringt, dass die jugendliche
Begeisterung der Spieler ansteckt und beispielgebend weiterwirken kann“.
Regisseurin Karin Maßen spricht mit Begeisterung. Und mit Begeisterung
macht die Klasse 9b der Goetheschule Rheinfelden erstmals bei einer
Theateraufführung mit.
Die „Tempus fugit“-Jugendtheatergruppe aus Rheinfelden, zusammen mit den
23 Teenagern der Goetheschule, haben „Iphigenie Königskinder“, nach der
Vorlage von Euripides und der „Iphigenie auf Tauris“, von Johann
Wolfgang Goethe inszeniert. Premiere ist am jetzigen Freitag im
Gemeindesaal Sankt Josef in der Friedrichstraße in Rheinfelden, weitere
Vorführungen finden am Samstag, 8. und Sonntag, 9. Dezember statt. Alle
drei Vorstellungen beginnen um 20 Uhr.
Die Jugendlichen der Goetheschule und ihre Klassenlehrerin Kristina Moos
sind mit Enthusiasmus dabei. Sie arbeiten zusammen mit den Praktikanten
Till Lang, Fabian Müller, Michael Zier, Produktionsleiter ist Felix
Tritschler von „Tempus fugit“. Ziel ist es, die jungen Menschen dazu zu
ermuntern, klassische Dramentexte neu zu entdecken, Berührungsängste und
Vorurteile abzubauen und auch schwierige Textstellen zu entschlüsseln.
Auch soll die Lebendigkeit und die Ursprünglichkeit von
Theateraufführungen im Gegensatz zu Film und Fernsehen erlebt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Nachbearbeitung, dabei sollen die
Mitwirkenden einen eigenen Kriterienkatalog für ihre Bewertung erstellen
und dazu angehalten werden, öffentlich Kritik zu üben und die Rolle des
kritischen Betrachters einzunehmen.
Dazu sollen die Schüler sich aber auch in Gruppen vorbereiten, um mehr
über andere Inszenierungen wie Schauspiel, Kostüm, Maske, Requisite und
Sprache, von damals und heute zu erfahren. Die Klasse 9b hat das Projekt
in ihren Deutschunterricht integriert, es sind bis zu zehn Stunden
angesetzt. Gearbeitet wird in allen Sprachebenen.
Dirk Dombrowski von der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden ist voll des Lobes
über das Engagement von Karin Maßen. „Mit den Projekten haben wir nur
positive Erfahrungen gemacht“. „Klassiker an Schulen“ im Rahmen des
Projektes „Jugend begeistert Jugend“ passe in das Anforderungsprofil der
Sparkassenstiftung zur Förderung von Jugend, Umwelt und Bildung, so Dirk
Dombrowski. Die Sparkasse Lörrach Rheinfelden sponsert mit 5700 Euro das
Projekt „Klassiker an die Schulen“.
Badische Zeitung vom Mittwoch, 5. Dezember
2007
Theaterspiel macht Schule
Unterstützt von der
Sparkassenkulturstiftung arbeitet Tempus fugit mit der Goetheschule
Von unserer Redakteurin Ingrid Böhm-Jacob
RHEINFELDEN. Das macht
wirklich Schule: Spieler aus dem Ensemble des Jugendtheaters Tempus
fugit tragen einen Bühnenklassiker in den Unterricht der Goetheschule.
Das Projekt, bei dem 23 Schüler der 9 b mitmachen, steht unter dem Motto
"Jugend begeistert Jugend" . Mit der Inszenierung von "Iphigenie,
Königskind" wird ein Stoff in die Hauptschulklasse getragen, der
anschaulich macht, dass sich Elternliebe in einem gesellschaftlichen
Spannungsfeld bewegt und somit noch immer ein spannendes Thema ist. Die
außergewöhnliche Bildungsidee fördert die Sparkassen-Kulturstiftung.
Die Unterrichtserfahrungen ermuntern Regisseurin Karin Maßen "Klassiker
an die Schulen" zu bringen. Die Theatermacherin hält sich bei diesem
Projekt allerdings im Hintergrund. Die Hauptakteure nämlich sind vor
allem die jugendlichen Spieler, die das Interesse der Schüler wecken
sollen an Dramentexten, ihre Berührungsängste mit der Klassik und auch
Vorurteile abzubauen und natürlich auch lernen sollen, dass auch
schwierige Texte zu entschlüsseln sind. Acht bis zehn Stunden verbringen
sie im Deutschunterricht derzeit mit der Erarbeitung des Werks. Die
Schüler können selbst Ideen einbringen und ihr Sprachverständnis
entwickeln. Im Unterricht werden auch kleine Szenen entwickelt und mit
Sprache experimentiert: Ob in der Originalsprache des Euripides, mit
Schillers Worten oder ganz modern gesprochen wird, kann dabei
ausprobiert werden. Das Wichtigste dabei: die Schüler sollen sich
angesprochen fühlen. Karin Maßen hält das Experiment nach ihren
Erfahrungen für gelungen und fortsetzungswürdig, denn diese spielerische
Bildungsarbeit fördere das "aktive Zuhören", schule die Kritikfähigkeit
und damit auch die Selbstständigkeit des Denkens.
Überzeugt vom Konzept zeigt sich auch Dirk Dombrowski (Sparkasse
Lörrach-Rheinfelden). Klassische Bühnenliteratur mit Jugendlichen in die
Hauptschule zu tragen und damit einen nicht selbstverständlichen
Bildungsweg zu beschreiten, findet die Unterstützung der Kulturstiftung.
Neben dem "Iphigenie-Projekt" , das auf lokaler Ebene erarbeitet und
aufgeführt wird, fließen Fördermittel von 5700 Euro auch in die
Inszenierung des "Sturms" in Lörracher und vier weiteren Schulen. Die
Fördermittel decken etwa ein Drittel der Kosten ab. Die Probenarbeit
geht allmählich zu Ende. Diese Woche findet die Premiere für das
75-Minuten-Stück im Gemeindezentrum St. Josef (Friedrichstraße) statt.
Dass möglichst viele Jugendliche anschauen, wie Jugendliche Theater
machen, erhofft sich Karin Maßen für die Aufführungen. |