aktuelle Inszenierung:

Tempus fugit - Jugendtheater Lörrach

   
 
 

"Die Uhr"
von Iwan Turgenjew

Regie Karin Maßen
 

 


 

   
   
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  zum Stück:

Der junge Alexej bekommt zum Namenstag von seiner Taufpatin eine Uhr geschenkt. Damit fängt der ganze Ärger an.
Nachdem sein Cousin David, der in ihrem Haus lebt und von Alexej innig bewundert und geliebt wird, die Uhr samt Taufpatin für schlecht erklärt, steckt Alexej in einer Zwickmühle: Wie kann er die eigentlich so geliebte Uhr loswerden?
Besitzerstolz und der Wunsch, David zu imponieren, bringen Alexej in eine wahren Gewissenskonflikt. Es beginnt ein Hin und Her. Mal ist er die Uhr los, dann kommt die sie auf mysteriösen Wegen wieder zu ihm zurück.
Schließlich wird dadurch nicht nur die gesamte Belegschaft des Hauses, sondern auch die ganze Kleinstadt in Aufruhr versetzt. Was hat es mit der geheimnisvollen Uhr auf sich?

Im Verlauf der Handlung erfahren die Zuschauer immer mehr über die einzelnen Personen.
Mal humorvoll, mal anrührend und poetisch lädt die Geschichte dazu ein, in ihre kleine Welt einzutauchen. Eine Welt, die zugleich Miniaturbild und Spiegel für reale gesellschaftliche Konflikte und Abhängigkeiten darstellt.

 

 
  zum Autor:

Iwan Turgenjew gilt als ein bedeutender Vertreter des Russischen Realismus des 19. Jahrhunderts. Auf Puschkin folgend, als Zeitgenosse Tolstois und Dostojewskijs zeichnet er sich sowohl als Poet, als auch als Gesellschaftskritiker aus. Zu seinen bedeutenden Werken zählen „Väter und Söhne“ oder „Aufzeichnungen eines Jägers". „Die Uhr" hingegen ist eine weitestgehend unbekannte Novelle des Dichters und wurde per Zufall von der Regisseurin entdeckt und erstmalig als Theatervorlage bearbeitet.
 

 
  zur Gruppe:

Es spielt die jüngste Tempus fugit Jugendtheater Gruppe, die sich aus 20 SpielerInnen im Alter von 12 – 18 Jahren aus der Region zusammensetzt. Einige der SpielerInnen haben bereits in den gruppenübergreifenden Stücken „Hin und Weg" und „Tom Sawyer und Huckleberry Finn" erste Theatererfahrungen gesammelt, die meisten stehen jedoch zum ersten Mal bei einer Tempus fugit Produktion auf der Bühne.
 

 
   
  Presse
   
  SPUNK vom 5. Juli 2007

Am Anfang wollte keiner so recht

Theaterprojekt weckt Interesse bei Schülern der Neumattschule in Lörrach

Von Norman Riebesel

Eigentlich hatte bei uns keiner so recht Lust  auf Theater.“ Das ist das Statement von Sara Breitenfeld von der Neumattschule. Ihre achte Klasse ist die Kooperationsklasse, mit der das Theaterprojekt Tempus fugit während der letzten Wochen geprobt hat. Die Zusammenarbeit wurde von Stephan Stock im Rahmen seines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ), das er gerade bei Tempus fugit macht, in Eigenregie organisiert. Sie bestand in ihrem Hauptteil aus fünf Terminen, an denen Stephan Stock an die Schule• gekommen ist und mit den Schülern Szenen aus dem Stück „Die Uhr“ vorbereitet und geprobt hat. Die Schüler hatten die Novelle des russischen Schriftstellers Turgenjew bereits im Unterricht gelesen und besprochen.
Nach der anfänglichen Scheu konnte sich bald die ganze Klasse für die Theater- arbeit begeistern. Dazu habe nach den Worten von Christoph Sillmann, ebenfalls Schüler der achten Klasse, auch das „Tempus fugit-Ritual“ beigetragen, das in einem besonderen Sprachtraining vor jeder Probe besteht. Für ihn war das Stück an sich - es dreht sich um das Erwachsenwerden - zweitrangig; es ging ihm mehr darum, überhaupt einen Einblick in das Theatergeschehen zu bekommen. Dennoch hat er eine Botschaft mitgenommen: dass sich im Leben nicht alles um Dinge und Besitz drehe. Er interessiert sich besonders für den technischen Aspekt des Theaters. Er war auch bei allen Vorstellungen des Stücks dabei und hat sich um die Beleuchtung gekümmert. Aber auch die anderen Schüler der achten Klasse sind teilweise zu den Vorstellungen und auch zu den Proben gekommen. Denn zu ihren Aufgaben im Rahmen des Projekts gehörte es, eine Figur, die sie selbst schon gespielt‘ hatten, genau zu beobachten und dem Schauspieler hinterher Anregungen und Verbesserungsvorschläge zu geben. Und auch beim Schminken der Schauspieler haben die Schüler freiwillig mitgeholfen.
Zu denjenigen, die auch am letzten Abend noch mit dabei waren, gehören auch Sara Breitenfeld und Nadja Hügin, die offenbar (Theater)Blut geleckt haben. In der Schule haben sie das gute und das schlechte Gewissen der Hauptfigur dargestellt und jetzt wollen sie selber bei Tempus fugit einsteigen. Sie werden beim nächsten Stück der Gruppe als Schauspieler mitmachen.
Der Projektleiter Stephan Stock ist sehr zufrieden mit der Mitarbeit seiner Schützlinge. Nach seiner Erfahrung sei es normal, dass an der Schule zuerst niemand „Bock“ auf Theater habe und dass sich dann doch alle dafür begeistern ließen. Er bedauert, dass sein FSJ bei Tempus fugit zu Ende geht, freut sich aber auf sein Schauspielstudium, das er in Bern aufnehmen wird. Ein möglicher Weg, der sich für Jugendliche bietet, die Erfahrungen bei Tempus fugit gesammelt haben...


Die Oberbadische vom 29. Juni 2007

Temporeicher Entwicklungsprozess

Karin Maßen inszeniert mit dem Jugendtheater "Tempus fugit" eine Turgenjew-Novelle

Lörrach. Die Regisseurin des Lörracher Theaterprojekts "Tempus fugit" inszeniert derzeit das Stück "Die Uhr" nach einer Novelle von Turgenjew. Mit ihr sprach Norman Riebesel.

Wie viel Arbeit haben Sie investiert, um die Novelle umzuschreiben?

Ich habe etwa drei Wochen jeden Tag fünf bis sechs Stunden daran gearbeitet.

Haben Sie das allein für sich gemacht?

Nein, ich habe die Novelle zusammen mit den Schauspielern gelesen und diese haben Anregungen und eigenen Ideen eingebracht. Besonders wichtig war mir immer, Turgenjews Sprache in den Dialogen zu erhalten.

Wie kam es zur Verknüpfung von szenischer Darstellung und Erzählung?

Das ist eine bewusste Vereinigung von Drama und Novelle. Für die Schauspieler machte die Novelle den etwas unwirklichen Eindruck eines Puppentheaters, was wir szenisch umgesetzt haben. Und zum Puppentheater gehört der Erzähler.

Was bedeutet die Eröffnungsszene, in der die Puppen zum Leben erweckt werden?

Das ist eine Metapher für Fremd- gegenüber Eigenbestimmung und somit auch für die Entwicklung der Hauptfigur Alexej, der langsam seine Selbständigkeit erwirbt.

Was bedeutet der weiße und der schwarze Engel?

Sie verkörpern Alexejs Gewissenskonflikt, der durch seine Träume zum Ausdruck kommt. Die Engel stellen das verführerische Element dar. Sie sind nicht in dem Sinne "schwarz und weiß", also als gut und böse zu interpretieren, sondern sind beide Verführer.

David ist kleiner als Alexej, obwohl jener älter ist ist und Alexej zu ihm aufschaut. Hätte man die Rollenverteilung nicht umdrehen sollen?

Nein. Till Lang, der den David darstellt, hat einfach eine natürliche Souveränität, die er nicht beweisen muss. Benedikt Brahm, der Alexej spielt, gelingt es hervorragend, dessen noch etwas ungelenkes und träumerisches Wesen zu verkörpern.

Alle Schauspieler treten barfuß auf. Hätte man den Gegensatz zwischen arm und reich nicht durch Schuhwerk für die Höheren darstellen können?

Ja, aber aus technischen Überlegungen war das nicht möglich, da die Schauspieler oft fliegende Rollenwechsel haben.

Besonders verblüffend ist die Szene, in der David ins Wasser fällt. Wie haben Sie das gemacht?

Wir machen auch Akrobatiktraining und der Schauspieler ist von Natur aus sehr gelenkig. Er springt erst auf die Tischkante und dann nach hinten runter.

Wie sind Sie auf die Idee mit dem absolut minimalistischen Bühnenbild - es besteht im Wesentlichen aus zwei Tischen - gekommen?

Im Rahmen der Proben hat sich die Zahl der Requisiten immer mehr verringert. Das kommt dem Stück sehr zugute, da dadurch die schauspielerische Qualität steigt. Außerdem fördert es die Geschwindigkeit und die Fantasie der Zuschauer.

Welches waren die größten Herausforderungen bei der Inszenierung?

Die ständigen Umbauten der zwei Tische, die Platzierung der Schauspieler im Verhältnis zu ihnen und die Aufrechterhaltung des hohen Tempos. Die Schauspieler müssen in jedem Moment präsent sein, wozu regelrechter Drill nötig war, den sie aber gern mitgemacht haben.

Gibt es Verbindungen zum Stück "Amerika", mit dem Sie nächste Woche Premiere feiern?

Die Hauptfiguren machen jeweils einen Entwicklungsprozess durch, in dem sie ein Stück weit erwachsen werden und lernen, eigene Entscheidungen zu treffen.


BZ vom 25.06.2007

Zeitreisende in Sachen Freundschaft

Die Jugendgruppe von Tempus fugit inszeniert Iwan Turgenjews "Die Uhr" in Lörrach

"Die haben richtig viel geprobt, jeden Tag in der letzten Woche", erzählt Andrea Benner. Sie sitzt in der dritten Reihe in der Aula des Lörracher Hans-Thoma-Gymnasiums (HTG) und reibt aufgeregt ihre Hände aneinander. In zwei Minuten wird ihr Sohn Yukon das erste Mal als Schauspieler auftreten. Er ist einer von 20 Jungschauspielern im Alter zwischen 12 und 18 Jahren der Jugendtheatergruppe des freien Theaters Tempus fugit, die am Freitag mit Iwan Turgenjews Stück "Die Uhr" ihre Premiere hatten.

Es ist genau 20 Uhr als das Licht in der Aula erlischt und mystische Musik erklingt. Um einen langen Tisch sitzen die Hauptdarsteller und scheinen zu schlafen. Ein Mädchen mit einen langen blauen Kleid geht um den Tisch herum, und bewegt sie wie Marionetten, die durch einen unsichtbaren Faden mit ihr verbunden scheinen. Szenen ohne Worte. Es ist die Puppenspielerin (gespielt von Katherina Burchin), die in die Geschehnisse des Stückes einführt. Das Publikum wird auf eine Zeitreise in das Jahr 1801 nach Russland geschickt. Da sitzen ein aufbrausender Vater, ein verarmter kranker Jurist, eine alte Jungfer, Haushälterinnen und arme Bettelkinder um den Tisch. Und in der Mitte Alexej (Benedikt Brahm), der Gymnasiast, der von seiner Taufpatin (Linda Wölfle) eine Uhr geschenkt bekommt. Ein Präsent, welches das Leben des Jungen durcheinander bringt und das ihn vor schwierige Entscheidungen stellt.

Regisseurin Karin Maßen hat die Novelle des russischen Dichters Iwan Turgenjew zufällig entdeckt und zusammen mit der jüngsten Theatergruppe von Tempus fugit erarbeitet. Auch wenn das Stück aus dem 19. Jahrhundert ist, es steckt voller Bezüge zur Gegenwart. "Da haben wir einerseits den Gegensatz von Arm und Reich" , erläutert Maßen. Auf einer anderen Ebene geht es um wahre Freundschaft und das Finden der eigenen Identität. Nicht zuletzt steht die Zeit im Mittelpunkt — die Entwicklung mit der Zeit, die Zeit die abläuft, die Zeit, die vergeht.

Mit der "Die Uhr" ist Karin Maßen wieder ein kleines Meisterstück gelungen. Witzige Dialoge mit ernstem Hintergrund, rasante Szenen, wunderschöne Choreografien und einmal mehr die passende Theatermusik, die Benedikt Reising komponiert hat, ergeben eine abwechslungsreiche Inszenierung. Nicht zu vergessen die schauspielerische Leistung der Jugendlichen. Allen voran Benedikt Brahm in der Rolle des Alexej. Er spielt überzeugend den melancholischen Schülers, der seinem Platz im Leben nicht gefunden hat und immer wieder mit seinem despotischen Vater (Jakob Klapprott) aneinander gerät. Susanne Breitinger agiert hervorragend als schrullige Tante und sorgt immer wieder für Wirbel. Viele Darsteller spielen Doppelrollen, auch Yukon Benner. Er spielt ein Bettlerkind und den Uhrmacher. Nachdem "Die Uhr" nach anderthalb Stunden abgelaufen war, gibt es minutenlang Applaus.

Kornelia Schiller  


Die Oberbadische vom 25. Juni 2007

Bestechende Inszenierung

Tempus fugit macht Turgenjews „Die Uhr“ zur „Action-Dravelle“

Von Norman Riebesel

Lörrach. Ein Dutzend barock gewandeter, leblos an einem Tisch sitzender Personen, untermalt mit geheimnisvoller Musik. Unter dem Tisch kriechen weitere Personen hervor, die die am Tisch sitzenden, offenbar Marionetten, begutachten. Dann werden die Puppen langsam zum Leben erweckt.
Das ist der Beginn des Stücks, mit dem die jüngste Truppe des Lörracher Theaterprojekts Tempus fugit am Freitag Premiere feierte. Es heißt „Die Uhr“ und basiert auf der gleichnamigen Novelle von Ivan Turgenjew (1818- 83). Regisseurin Karin Maßen hat die Novelle eigens zum Drama umgeschrieben. Darin dreht sich alles um eine kostbare Uhr, die der 15-jährige Alexej (Benedikt Brahm) von seiner Taufpatin (Linda Wölfle) geschenkt bekommt. Er freut sich zunächst darüber, aber sein Vetter David (Till Lang) hat sowohl für die Uhr als auch für die Taufpatin nur Verachtung übrig. Da Alexej seinen Vetter sehr verehrt, befindet er sich nun in einem inneren Konflikt und versucht, die Uhr los zu werden, was ihm auch zunächst gelingt, jedoch kehrt sie wieder zu ihm zurück. Die Uhr wird so regelrecht zum Fluch, und das Verwirrspiel um sie droht, in der Katastrophe zu enden.

An der Inszenierung fällt am meisten das hohe Tempo auf. Die Dialoge sind kurz und die Szenenwechsel durchgängig fliegend, was durch das minimalistische Bühnenbild begünstigt wird: Es besteht im Wesentlichen aus zwei großen Holztischen, die mal als Bett, mal als Wand und mal einfach als Tisch verwendet werden. Beeindruckend, wie viel sich mit so einfachen Mitteln darstellen lässt.

Die Regisseurin bringt kein reinrassiges Drama auf die Bühne. Vielmehr wurde die novellistische Urform in Rudimenten erhalten, umgesetzt durch die Erzählpassagen der Puppenspielerin (Katherina Burchin). Die temporeiche Mischung von Drama und Novelle macht aus dem Stück quasi eine „Action-Dravelle“ mit den Polen Schicksal und Selbstbestimmung. Sie besticht durch die schauspielerische Leistung der Jugendlichen, die zwischen zwölf und 18 Jahre alt und fast alle Bühnenneulinge sind, und durch verblüffende Regieeffekte. Über die Resonanz zeigte sich Karin Maßen zufrieden: über 100 Zuschauer hatten den Weg zur Premiere gefunden.

 
   
 
   
  Fotos von den Proben
   
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Generalprobe am 21. Juni 2007
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   
 

Fotos: Thomas Quartier

   
 
 
Es spielen:
 
 
 
David Till Lang
Alexej Benedikt Brahm
Raisa Franziska Kienzler
Puppenspielerin Katherina Burchin
Das schlechte Gewissen Naomi Abukha
Das gute Gewissen; Bettlerkind Florine Tschiang Tschiananga
Taufpatin Linda Wölfle
Tante Susanne Beitinger
Vater Jakob Klapprott
Dienerin Juschka Sophia Böer
Dienerin Wassilijewa Rosanna Hilpert
Bettlermutter Silva Bentle
Bettlervater Christopher Tammik
Uhrmacher; Bettlerkind Yukon Denner
Latkin Annika Greiner
Nachbarin Anja Wagner
Ärztin; Onkel Jegor Lina Dinkel
Tranquilitatin; Kaufmannsfrau im grünen Pelz Lina Schelker
Gymnasiastin Tamara Dellapicolla
Bettlerkind; Stummes Mädchen Clarissa Lang
   
Regie: Karin Maßen
Assistenz: Kristofer Gudmundsson,
Anja Gottschalk,
Stephan Stock
   
Musik: Benedikt Reising
   
Lichtdesign / Lichttechnik André Kulawik
Kostüm Ric Weißer
Produktionsleitung Kristofer Gudmundsson
Plakat und Programmgestaltung Britta Rechlin
   
 
 
 

 

 

 

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