aktuelle Inszenierung:

Tempus fugit -  Schultheater AG der
hauswirtschaftlichen und kaufmännischen Schulen Lörrach
 

   
 
 

"Amerika"
von Franz Kafka

Regie: Karin Maßen
 

 


 

   
   
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  zum Stück:

Amerika, in dieses Land ist Karl Rossmann, 16 Jahre alt, von seinen Eltern geschickt worden, als Strafaktion dafür, dass er sich von einem Hausmädchen hatte vergewaltigen lassen.
So macht er sich auf den Weg in eine neue Welt, die er nicht versteht und sie ihn nicht.
Für ihn ist Amerika zunächst nichts anderes als eine Form von Deportation ohne Rückkehrmöglichkeiten. Dennoch wird ihm dieses Land anfänglich zur zweiten Geburt, die Chance auf ein neues Leben. Zunächst glücklich lässt er sich immer weiter treiben und alles mit sich geschehen. An jeder Station ist er zufrieden, immer wieder jedoch wird er ausgenutzt, sinkt auf rätselhafte Weise immer tiefer – es ist die Geschichte des Hans im Glück. Auch wenn Karl vermeintlich Fuß fasst, so kann er sein Leben nicht selbst in die Hand nehmen und hängt sich immer wieder an verschiedene mächtigere Vaterfiguren.

Amerika ist dargestellt als Land ungebändigter und unkontrollierbarer Möglichkeiten, als atemberaubendes Land des Fortschritts, aber auch gnadenlos hart, undurchschaubar und fremd.

Kafka selbst schrieb in einem Brief über den Roman: „Die Geschichte, die ich schreibe, und die allerdings ins Endlose angelegt ist, heißt, um Ihnen einen vorläufigen Begriff zu geben „Der Verschollene“.
So ist denn auch der Roman ein Fragment ohne richtigen Schluss, unvollendet.

Diesen Roman hat Karin Maßen zusammen mit der Theatergruppe für die Bühne bearbeitet und damit auch eigene Akzente und subjektive Sichtweisen mit eingebracht.
Aber genau das fordert Kafka auch wenn er sagt, dass der Mensch sich ständig selbst neu entschlüsseln muss. Auch wenn dies nie zu einem Ende führen kann.

 

 
  zum Autor:

Franz Kafka (geboren am 3. Juli 1883 in Prag - gestorben am 3. Juni 1924 in Kierling bei Wien), war ein Jurist und Schriftsteller. Sein Hauptwerk bilden neben drei Romanen zahlreiche Erzählungen.
Zum Teil wurden Kafkas Werke erst nach seinem Tod von Max Brod, einem Schriftstellerkollegen und engen Freund, veröffentlicht. Sie übten bleibenden Einfluss auf die Weltliteratur des 20. Jahrhunderts aus.
Kafkas Werk zeigt vor allem die Entfremdung des Menschen von sich selbst und seinem eigenen Wollen, die Fallstricke einer mörderischen Bürokratie als Symbol für ein System undurchschaubarerer familiärer und gesellschaftlicher Abhängigkeiten;
Es zeigt aber auch den Freiheitsspielraum, den vor allem das Denken und das Schreiben eröffnet.
Immer ist Kafka in seinen Figuren anwesend, schreibend gestaltet er seine eigene Biographie.

Auch wurde sein Stil prägend für eine neue Generation von Schriftstellern. Gabriel García Marquez drückte dies so aus: „Kafka hat mir beigebracht, dass man anders schreiben kann. Anders: das heißt, indem man die Grenzen des Wahrscheinlichen überschreitet. Nicht in der Art der Romantiker, um der wirklichen Welt zu entfliehen, sondern um sie besser zu verstehen."

„Amerika“ ist der erste von Kafka begonnene Roman und wurde von Kafka selbst „Der Verschollene“ genannt. Von Ende 1911 arbeitete er mit großen zeitlichen Unterbrechungen bis 1914 an dem Roman, ohne ihn zu vollenden. Zu Lebzeiten Kafkas erschien nur das erste, eigenständige Kapitel „Der Heizer“ im Jahr 1913 im Verlag Kurt Wolff.

 

 
  zur Gruppe:

Die Theater AG besteht seit 1995 und hat bislang jedes Jahr Stücke realisiert.
Schwerpunkt der Arbeit mit der Theater AG sind Eigenproduktionen der SchülerInnen. Es gilt vor allem, den SchülerInnen neben dem Spaß an der gemeinsamen Theaterarbeit auch den Spaß an der Ernsthaftigkeit, an der Realisation der Ideen zu vermitteln und sie anzuspornen, eine hohe Eigenverantwortlichkeit für sich und die Gruppe zu entwickeln. Die Schultheater AG beginnt mit den Proben immer gleich zu Schuljahresbeginn, arbeitet an Theatermethoden, Rollenmethodik, Sprachgestaltung und Körper-bewusstsein und erst nach dem dreimonatigen Kennenlernen werden Themenschwerpunkte, Ideen gesammelt und die gemeinsame Stückidee entwickelt. Nach den ersten drei Monaten können sich die SchülerInnen entscheiden, ob sie an dem Stück mitarbeiten wollen und verpflichten sich dann auch zu weiteren Wochenendproben neben den wöchentlichen Proben am Nachmittag. Die SchülerInnen besuchen die verschiedensten Schultypen, wie z.B. Berufsfachschule, Berufskolleg, EG und WG. Die Mehrzahl der SpielerInnen kommt aus den Klassenstufen 11 und 12. Das Alter liegt zwischen 16 und 19 Jahren. Die gegenseitig bereichernde Kooperation mit dem Theater Tempus fugit zeigt sich darin, dass nicht nur Karin Maßen Regie führt, sondern dass auch ein Tempus fugit Spieler mit von der Partie ist und auch die Regieassistenz von zwei langjährigen Mitgliedern von Tempus fugit übernommen wird.
 

 
   
  Presse
   
  BZ vom 11.07.2007

Eine Handvoll kniender Schauspieler wird zu einem Bett

Die Theater-AG der Hauswirtschaftlichen und Kaufmännischen Schule interpretierte Franz Kafkas "Amerika" in Lörrach

Franz Kafka ist nicht dafür bekannt, bei seinem Publikum große Erheiterung hervorzurufen. Gelacht wurde trotzdem bei der Premiere von "Amerika" am Donnerstag in der Aula der Hauswirtschaftlichen und Kaufmännischen Schule. Doch Kafka wäre nicht Kafka, wenn dem Publikum durch die Theater-AG eine Komödie dargeboten worden wäre: Die Geschichte des jungen Deutschen Karl Rossmann, der, nach einer Affäre von den Eltern verstoßen, in der Neuen Welt sein Glück sucht und selten findet, ist weitgehend eine tragische.

Für Heiterkeit sorgen vielmehr die großartigen Ideen, mit denen die zwölf Akteure Kulisse und Requisiten, auf die weitestgehend verzichtet wird, ersetzen. So wird beispielsweise eine Hand voll kniender Schauspieler kurzerhand zu einem Bett. Überhaupt ist es die Kreativität bei der Umsetzung, die das Stück ausmacht — die Darsteller und Regisseurin Karin Maßen sowie ihr Team von Tempus Fugit haben sich einiges einfallen lassen für den schwierigen Stoff.

Die Schiffsreise zu Beginn der Aufführung wird vom Publikum nachvollzogen, der Kapitän nimmt die Zuschauer mit auf einen Rundgang durch die Schule, an verschiedenen Orten werden Heizraum, Kapitänskajüte und Deck des Ozeanriesen bespielt. Die unbeleuchteten Gänge vermitteln einen Hauch von düsterem Unterdeck, die Enge auf den
Treppen ein Stückchen unbequeme Überfahrt. Im weiteren Verlauf des Abends, es darf wieder Platz genommen werden, leidet der Zuschauer mit Rossmann, der von Kristofer Gudmundsson hervorragend gespielt wird, und möchte ihn insgeheim in Schutz nehmen, wenn ihm eingebildete Portierinnen, selbstverliebte Verwandte oder gerissene Herumtreiber ein ums andere Mal mächtig zusetzen.

Die Wehrlosigkeit des jungen Mannes basiert dabei, anders als beim stereotypen klassischen Verlierer, nicht darauf, dass er sich überhaupt nicht verteidigen kann. Doch das neue Umfeld, Amerika, überfordert ihn und macht ihn allen anderen unterlegen.

Die Theater-AG hat ein schönes, spannendes und stellenweise mitreißendes Stück auf die Bühne oder besser die Bühnen ihrer Schule gebracht. Die Unmittelbarkeit, mit der das Publikum speziell die erste Hälfte der Aufführung erlebt, und der Spaß am Spiel, der über weite Strecken jedem Akteur anzumerken ist, verhelfen dem Zuschauen zu einem interessanten Theatererlebnis. Dazu trägt im Besonderen die Musik von Firouz Falah bei, der schon zu mehreren Produktionen von Tempus Fugit seine stimmungsvollen Kompositionen beisteuerte. Das verworrene Kafka-Fragment wurde in einem halben Jahr intensiver Arbeit gut zugänglich gemacht. Und am Ende bleibt keinem Zuschauer das Nachdenken über das Schicksal von Karl Rossmann erspart. Das hätte der Autor wohl auch nicht gewollt.

Niklas Ehrentreich


Die Oberbadische vom 7. Juli 2007

Mit den Theatergästen in die freie Welt

Premiere des Stücks „Amerika“ in der Kaufmännischen Berufsschule

Lörrach (nr). „Bitte folgen Sie mir.“ Es dauert etwas, bis das Publikum realisiert hat, dass diese Aufforderung sich an es selbst richtet und ganz wörtlich zu nehmen ist. Schließlich folgen dem Kapitän aber doch über 100 Leute quer durch das Gebäude der Kaufmännischen Berufsschulen, um der Vorführung des Stückes zu folgen.
Es basiert auf dem Nachlassroman „Amerika“ von Franz Kafka (1883-1924). Der wurde von der Tempus fugit Regisseurin Karin Maßen um Theaterstück umgeschrieben, das jetzt von der Theater-AG der Berufsschulen aufgeführt wird. Die Regisseurin hat sich dabei an Kafkas eigener Wertschätzung - er hat zu Lebzeiten nur den „Heizer“ veröffentlicht - orientiert und dieses erste Kapitel zum zentralen Bestandteil gemacht. Der Hauptdarsteller Karl Roßmann (Kristofer Gudmundsson) versucht, dem Heizer zu‘ helfen, seine Interessen zu vertreten. Später macht Karl die gleichen Fehler wie jener. Zuvor jedoch betritt er zusammen mit dem Publikum, das jetzt am eigentlichen Ort der Aufführung ankommt, amerikanischen Boden. Dort zeigt sich, dass der Sechzehnjährige, der durch „äußere Einflüsse“ in die USA gekommen ist, sein Leben nicht selbst in die Hand nehmen kann, sondern ein Spielball des Schicksals und anderer starker Persönlichkeiten, ist.
Das Stück besticht. durch seine Tempus fugit-typische hohe Geschwindigkeit, die viele fliegende Rollenwechsel nötig macht. Bis auf Kristofer Gudmundsson haben alle weiteren elf Schauspieler mehrere Rollen - nicht selten bis zu vier. Besonders bei Fabian Müller‘ (Kapitän, ML Green, Delamarche), aber auch bei Svenja Kuhn (Johanna Brummer, Line, Klara, Oberportiere) wird deutlich, dass Karin Maßen die Doppelrollen nicht wahllos vergeben hat, sondern sich stark an Charakter und Fähigkeiten der Schauspieler orientiert hat.
Durch diese Doppelrollen entsteht der Eindruck, als wären nicht ein, sondern mindestens zwei Dutzend Schauspieler beteiligt.
Ein puristisches Bühnenbild ist für Tempus fugit nicht ungewöhnlich, auch diesmal hat man weitgehend auf Requisiten verzichtet, als wichtigste fungiert hier Karls Koffer. Von Bühnenbild kann man eigentlich ohnehin nicht sprechen, schließlich findet die ganze Aufführung nicht auf einer Bühne, sondern im Treppenhaus statt, das sich perfekt in die Dramaturgie einfügt.
Das Ende bleibt, wie im Roman, offen, so dass dem Zuschauer viel Raum zur Interpretation bleibt.

   
 
   
  Fotos
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   
 
 
Es spielen:
 
 
 
   
Kapitän; Mr. Green; Delamarche Fabian Müller
Butterbaum; Mack; Robinson Michael Zier
Johanna Brummer; Line; Klara; Oberportiere Theodora Svenja Kuhn
Schubal, Mutter; Mrs. Elbenschwand; Brunelda

Rebecca Quek

Onkel Jacob; Oberkellner Isbary Matty Schneider
Oberkassierer; Englischlehrerin; Therese Charlotte Bischof
Beamtin der Hafenbehörde; Oberköchin

Belinda Dießlin

Beamtin der Hafenbehörde; Giacomo Eliane Wagner
Heizer; Renell Vitali Nesterov
Vater; Mr. Pullunder; Wirt; Bess

Theo Vetesi

Schiffsdienerin, alte Dienerin, Frau mit Taschenlampe, Polizistin Ramona Hupfer
Karl Rossmann Kristofer Gudmundsson
   
Regie: Karin Maßen
Assistenz:

Lena Phillip, Kristofer Gudmundsson

Textbearbeitung Karin Maßen, Lena Phillip,
Kristofer Gudmundsson
Produktionsleitung Ric Weißer T.f.
Kostüme Ric Weißer T.f.
Plakat- und Programmgestaltung Britta Rechlin T.f.
   
Musik Komposition und Aufführung: Firouz Falah, Michael Zier
   
Lichtdesign / Lichttechnik André Kulawik T.f.
   
 
 
  Wir danken:

Für eine ausgezeichnete Zusammenarbeit und Unterstützung Herrn OStD Eickmeier, Frau OStDin Marais, dem Kollegium der Schulen.
Frau Isolde Braig als Ansprechpartnerin der Schulen.
Für die Telefonate, mündlichen und schriftlichen Absprachen Frau Hirlinger, Frau Weiß, Frau Eiche, Herrn Schäuble und Frau Gehrt
Allen Hausmeistern und Reinigungsfrauen für ihre Hilfsbereitschaft und ihr Entgegen-kommen
Frau Lang für ihr Geduld bei den Proben im Foyer und ihr freundliche und zuvorkom-mende Art
Herrn Hug für das Buffet
Allen Eltern und LehrerInnen, die durch Probentermine und Extrawünsche immer wieder gefordert werden.


Gefördert vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport über die Stiftung Kulturelle Jugendarbeit Baden-Württemberg

 
 
 

 

 

 

IMPRESSUM

 

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