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Tempus fugit - Schultheater
Freie Waldorfschule Lörrach 2006
 

"Wir sind doch schließlich nicht verrückt"
eine Komödie frei nach Fr. Dürrenmatt "Die Physiker"
Regie: Karin Maßen
 

 


Bilder von den Proben
 

Fotos: Thomas Quartier

 

 
Presse:

Badische Zeitung vom Mittwoch, 21. Juni 2006 

Der alltägliche Wahnsinn um uns her 

Beim Spiel der 12. Waldorfschul-Klasse wurden Dürrenmatt und Loriot erfolgreich verquickt

LÖRRACH (tho). Dürrenmatt trifft Loriot — die 12. Klasse der Freien Waldorfschule machte es möglich. “Wir sind doch schließlich nicht verrückt” hieß das Stück, das die 13 Schüler und Schülerinnen mit Regisseurin Karin Maßen einstudiert hatten. Dürrenmatts “Physiker” waren die Basis, Loriot-Sketche eingefügt — eine ungewöhnliche, aber stimmige Ergänzung. Loriots satirisches Schaffen steht mit dem großen Werk Dürrenmatts durchaus in Verbindung. “Wir haben den Wahnsinn, der in den Physikern die Gruppe der Wissenschaftler ergreift, mit dem alltäglichen Wahnsinn um uns herum zusammen dargestellt. Das war eine Idee der Schüler”, erläuterte Karin Maßen.

Der Wahnsinn, der in der von den Schülern und Maßen gekürzt dargestellten Version von Dürrenmatts Klassiker zum Ausdruck kommt, übernimmt eine Funktion. Die Gruppe von Wissenschaftlern erklärt sich für verrückt, um im Irrenhaus ungestört ihre Forschungen fortzusetzen. Mörderische Technologien würden durch ihre Erkenntnisse realistischer — das stürzt die Gruppe in Konflikte. Hin- und Hergerissen zwischen der Verantwortung für die Folgen ihre Forschungen auf der einen Seite und der wissenschaftlichen Erkenntnis auf der anderen, flüchten sie in die Welt des Wahnsinns.

In 75 Minuten stellten die engagiert agierenden Schüler diese Konflikte dar. Eingebettet in ein spartanisches Bühnenbild aus einer Bank und beweglichen Stellwänden, konnten die starken Bilder und die Dynamik der Truppe das Publikum rundum überzeugen. Mit entsprechend anhaltendem Applaus honoriert man die Leistung der Truppe.

Die seit April dauernden Proben fanden bei den jungen Akteuren großen Anklang. Das zeigte sich unter anderem daran, dass die Schüler freiwillig zehn Tage von ihren Pfingstferien für das Projekt opferten und sich nicht scheuten, vier Wochen lang täglich zehn bis zwölf Stunden zu proben. Aber nicht nur die Schüler waren mit Begeisterung dabei. “Das Feedback war auf allen Seiten sehr gut” , sagt die Regisseurin. “Bei den Vorstellungen für die siebten bis 11. Klassen herrschte große Anteilnahme, das war zu spüren.” Auch bei den Vorstellungen am Samstag und Sonntag war der kleine Saal in der Schule gefüllt — mit einem Publikum, das die Vorstellung zufrieden verließ.

Im Probenprozess und bei den Aufführungen unterstützten Ric Weisser, Stephan Stock, Matthias Meier, Bernhard Greif, Anja Gottschalk, Linda Sepp und Felix Banholzer als Regieassistenten Karin Maßen tatkräftig. Für die richtigen Lichtstimmungen und den Ton sorgten Andre Kulawik und Arild Johannsen. “Alles in allem eine hervorragende Ensembleleistung” , resümiert die Regisseurin und meint damit auch die gute Zusammenarbeit mit den Lehrern Thomas Esche, Doina Apostol und Ingrid Rögels.


Oberbadisches Volksblatt vom 20. Juni 2006

Den Wahnsinn inszeniert

Waldorfschule Lörrach führte Dürrenmatts „Die Physiker“ auf

Von Andreas Burget

Lörrach. Die Schüler der 12. Klasse der Freien Waldorfschule haben am Wochenende nach mehrwöchiger Vorbereitung ihr Stück „Wir sind doch schließlich nicht verrückt" nach der Vorlage „Die Physiker" von Friedrich Dürrenmatt auf die Bühne gebracht. Regie führte Karin Maßen.

Das gesellschaftskritische Stück hatten die Schüler mit Sketchen von Victor von Bülow alias Loriot aufgepeppt. Die typischen Loriot-Dialoge, penetrant und langatmig, wie zum Beispiel die Frage, wie lange ein Vier-Minuten Ei kochen muss, bauten eine Stimmung des Wahnsinns auf, die dem Zuschauer half, in den Schauplatz des Geschehens, die Irrenanstalt Les Cerisiers, einzutauchen.

Das Theaterstück handelt von drei Patienten: Newton, Einstein und Möbius. Johann Wilhelm Möbius ist ein Physiker, der Formeln entdeckt hat, die in falschen Händen die Welt vernichten könnten. Newton und Einstein sind die Decknamen von Spionen, die Möbius dazu bewegen wollen, die Formeln an ihre Regierungen zu verraten.

Alle drei gaukeln ihren Irrsinn nur vor: Möbius, damit seine gefährlichen Formeln als Produkt des Irrsinns abgetan werden; Newton und Einstein, um unentdeckt an Möbius heranzukommen. Jeder der drei erdrosselt eine Krankenschwester, die er liebte, um sein jeweiliges Geheimnis zu bewahren. Als deshalb die Polizei eintrifft, vernichtet Möbius seine Formeln. Jedoch: Fräulein von Zahnd, die Besitzerin und Chefärztin des Irrenhauses, ist die einzige wirkliche Irre in diesem Stück, die die Weltherrschaft an sich reißen will.

Durch das hohes Tempo des Stückes, überzeichnete Lautstärke und die Glanzrollen von Christof Högi als Möbius, Carmine Nocera als Inspektor Blocher und Jessica Trefzger als Chefärztin, schafften es die Schüler mit ihrer Unbefangenheit und hervorragenden schauspielerischen Leistungen das Publikum zu fesseln.

Die Leistung der Darsteller überzeugte. Auch Ihr Klassenlehrer Thomas Esche war positiv überrascht: „Es ist erstaunlich, wie es die Klasse in dieser kurzen Zeit schaffte, ganz selbstverständlich ohne das Einwirken von Lehrern, sich selbst zu motivieren."

Nach der Aufführung gab es minutenlangen Applaus - wohlverdient für die Schüler und die Regisseurin, die dem Publikum den (nicht)alltäglichen Wahnsinn etwas näher bringen konnten.
 

 

 

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