aktuelle Inszenierung:

Tempus fugit - Freies Theater

   
 
 

"Der Herr der Fliegen"
nach William Golding

 

Regie: Karin Maßen
 

 

   
   
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  zum Autor:

William Golding

Golding, geboren 1911, begann ein Studium der Naturwissenschaften, doch änderte er bald den Schwerpunkt zu englischer Literatur. 1934, ein Jahr vor seinem Studienabschluss am Oxforder Brasenose College, erschien sein erstes Buch mit Gedichten. Sein künstlerisches Schaffen wurde unterbrochen, aber auch stark geprägt, von seinem Einsatz als Soldat im zweiten Weltkrieg. Seine erfolgreichen Bücher erlaubten es ihm 1961 den Lehrerberuf aufzugeben und Schriftsteller zu werden.

Sein größter Erfolg, Herr der Fliegen, wurde zunächst von mehr als zwanzig Verlagen abgelehnt. 1954 erschien der Roman endlich, wurde in Großbritannien und den USA zum Bestseller. 1983, zehn Jahre vor seinem Tod, erhielt er den Nobelpreis in Literatur.

Nigel Williams

Williams wurde 1948 in Cheshire in England geboren, studierte am Oriel College in Oxford und arbeitete als Lehrer. 1978 gelang ihm mit dem Stück Klassen Feind der internationale Durchbruch. Neben zahlreichen anderen Stücken, schrieb er Hörspiele, Fernsehstücke für die BBC, und Romane. Zum Repertoire vieler Theater  gehört vor allem die  Dramatisierung des Romans von William Golding, Der Herr der Fliegen, uraufgeführt von  der „Royal Shakespeare Company at The Other Place“ in Stratford-upon-Avon.
 

 
  zum Stück:

Das Stück handelt von einer Gruppe  Schulkinder, die während eines Krieges in Sicherheit gebracht werden sollen. Die Sechs- bis Zwölfjährigen stranden jedoch nach einem Flugzeugabsturz auf einer Pazifikinsel. Keine erwachsene Begleitperson überlebt.

Nur auf sich allein gestellt vertrauen sie anfangs darauf, dass sie gerettet werden. Sie finden auf der unbewohnten Insel Trinkwasser, Früchte und Wildschweine. Und zunächst gelingt es ihnen, ein geregeltes Zusammenleben zu organisieren. Hütten werden gebaut, ein Signalfeuer entfacht.

Doch allmählich entsteht ein Streit um den Führungsposten, verschiedene Gruppen bilden sich, grenzen sich voneinander ab. Ein Kampf bricht aus, der brutale Züge annimmt, primitive Urtriebe werden unkontrolliert ausgelebt. Ein Kampf um Leben und Tod...

Diese Gleichnis menschlicher Gesellschaft macht bewusst, dass das Böse in allen steckt. Doch trotzdem sind diese Kinder keineswegs Monstren oder Verbrecher. Jeder von ihnen ist in irgendeiner Schulklasse der Welt zu finden.
 

 
   
  Presse
   
 

Badische Zeitung vom Samstag, 11. März 2006 

Zwischen Idylle und Inferno 

Karin Maßen und Vaclav Spirit inszenieren mit Tempus fugit William Goldings “Herr der Fliegen”

Die zwei, die da anfangs nicht blut- aber lehmverschmiert auf die Bühne stolpern, muss das Publikum langsam einordnen. Ralphs Sätze wirken aufgesagt, seine Versuche, den mit ihm Gestrandeten aus der Reserve zu locken, bleiben unsichere, hier und da auch derbe Gesten. Auch die Angst der beiden, am Ende die einzigen Überlebenden einer Katastrophe zu sein, bleibt irgendwie diffus. Nach und nach stoßen andere dazu. Das Einordnen geht weiter: Was trägst Du für eine Uniform? Und von welcher Schule kommt ihr? “Von der Nirgendwo-Schule” antwortet Roger (Laura Löffler) trotzig. Als erster zeigt der Internatsschüler deutliche Anzeichen von Verletztsein und Benommenheit. Sein Trauma deutet schon auf die spätere Entwicklung, sie wird sich zu einen Blutrausch auswachsen. Der Entdecker Ralph (Matthias Meier) und das Muttersöhnchen Piggy (Felix Banholzer) finden inzwischen in ihre Rollen und fangen an, sich nützliche Gedanken zu machen.

Ein Feuer wird in Betracht gezogen und mit Sonne und Piggys Brillengläsern auch entfacht. Bis die Rampe, die die halbe Bühne einnimmt und hauptsächlich als Bergrücken dient, auch als Hütte Schutz gewährt, müssen allerdings noch einige Kämpfe gekämpft, einige Schweine zur Strecke gebracht werden. Als Jack (Ric Weißer) auf den Plan tritt, kippt die Idylle sehr schnell. Ein Kampf um die Macht entsteht, der anfangs noch nach den Regeln der Demokratie zum Guten ausfällt aber schnell zur Spaltung in zwei rivalisierende Gruppen führt und nicht nur das.

William Goldings 1954 erschienener Roman um einen Flugzeugabsturz in dessen Folge eine Gruppe englischer Internatsschüler völlig auf sich selbst gestellt eine neue Robinsoniade erlebt, dürfte wohl den wenigsten Theaterbesuchern völlig fremd sein. In Regie-Kooperation haben ihn jetzt Karin Maßen und Vaclav Spirit mit der Tempus fugit Crew auf die Bühne gebracht. Wo wild gewütet, geheult und getrampelt wird, wo Maurice (Stephan Stock) und Bill (Britta Rechlin) sich sogar in kraftstrotzender Artistik versuchen, da sind die Figuren manchmal sogar schon erschreckend glaubhaft.

Weniger Wichtigkeit bekommen die leisen Töne und Rollen. Wo Angst ist, wird sie übertönt, wo es keine Regeln mehr gibt, werden überstürzt neue geschaffen. Kurze Wärme strahlt nur das Bild des langsam per Lichteffekt aufknisternden Feuers aus. Bedrohlich steht im Hintergrund ein Wald aus wenigen Stämmen, bedrohlich sind auch die Gazevorhänge hinter denen Irrende auftauchen. Und wer bestimmt zu jeder Zeit, was zu tun ist? “Wenn Du Boss bist, kannst Du machen, was Du willst!” Ralph hat sich in seine Führerrolle noch nicht ganz gefügt, da hat er sie schon wieder verloren. Wie funktioniert Demokratie, wie hingegen nicht? Haben Regeln einen Sinn? Immer? Tempus fugit hat in Goldings Werk nach Antworten gesucht.

Annette Mahro


OV vom 11. März 2006

Wann ist der Mensch ein Mensch?

Tempus fugit spielt mit Goldings Der Herr der Fliegen auf existentielle Fragen an

Von Michaela Wassmer

Lörrach. Wie fragil ist die Patina aus Kultur und Zivilisation, die den Menschen erst zu einem solchen macht? Dies lotet das freie Theater von Tempus fugit in der Inszenierung Herr der Fliegen nach dem Roman von William Golding (1954) und der dramatischen Bearbeitung von Nigel Williams aus.

Zehn englische Schuljungen landen während des Krieges durch ein Flugzeugunglück auf einer Insel im Nirgendwo des Pazifischen Ozeans. Die anfängliche Ekstase grenzenloser Freiheit und das harmonische Zusammenleben weichen einer beklemmenden Gruppendynamik. Es werden Regeln aufgestellt und gebrochen, Versammlungen einberufen, Revolten verübt. Die Gestrandeten spalten sich in zwei Gruppen um den demokratischen Ralph (Matthias Meier) und den diktatorischen Jack (Ric Weißer/Bernhard Greif). In blindem Macht- und Blutrausch entfesselt Jacks Lager eine von Stammesbewusstsein unterfütterte Primitivität, die auch vor Mord nicht zurückschreckt. Der Antiheld Piggy (Felix Banholzer) fällt neben Simon (Lilian Maßen) dem Recht des Stärkeren zum Opfer. Einem Deus ex machina gleich erscheint ein Schiffskapitän (Michael Greff), welcher der Barbarei mit den Worten Es war nur ein Spiel ein Ende setzt.

Nichts ist bequem an dieser pessimistischen Robinsonade (Regie Karin Maßen, Co-Regie Vaclav Spirit). Keine Identifikationsangebote und wenig Sympathie-Lenkung kennzeichnen das Parabelstück, das existentielle Fragen aufwirft und menschliche Abgründe seziert.

Visuelle Signale werden sparsam eingesetzt: Hinter einem transparenten Vorhang etwa klopfen Jack und seine Adepten in hypnotischem Rhythmus Holzspeere auf den Boden. Derlei platzierte Theaterbilder in einem sonst kargen Bühnenbild machen den spröden Reiz dieser Inszenierung aus.

Trotz einer etwas unausgewogenen Dramenführung sowie des unvermittelten Schlusses entwickeln die Darsteller (in weiteren Rollen: Laura Löffler, Linda Sepp, Stephan Stock, Britta Rechlin, Veronika Nepple, Katharina Grimm) überzeugend und mit engagiertem Spiel eine Chronologie menschlichen Verfalls. Diese fußt letztlich auf dem kulturphilsophischen Apriori Der Mensch ist des Menschen Wolf. Und das - so Goldings Botschaft - gilt für jeden von uns.


Badische Zeitung vom Donnerstag, 9. März 2006 

Die dünne Decke der Zivilisation 

Karin Maßen und Vaclav Spirit inszenieren mit Tempus fugit Goldings “Der Herr der Fliegen”

Was passiert in sozialen Gruppen? Welche Dynamik ergibt sich? Wie entsteht Herrschaft? Wie funktioniert Zivilisation? Solchen Fragen geht William Golding, Literaturnobelpreisträger von 1983, in seinem Roman “Der Herr der Fliegen” nach. Der 1911 geborene Engländer, der in seinem literarischen Schaffen stark geprägt wurde vom Einsatz als Soldat im zweiten Weltkrieg, erzählt in dem Roman die Geschichte einer Kindergruppe, die während eines Krieges in Sicherheit gebracht werden soll und darüber selbst in eine Katastrophe schlittert. Denn die Sechs- bis Zwölfjährigen stranden nach einem Flugzeugabsturz auf einer Insel und da keine erwachsenen Begleiter überleben, müssen sie sich dort selbst organisieren.

Der zwölfjährige Ralph freundet sich darüber mit einem gleichaltrigen Asthmatiker an, den alle “Piggy” nennen, weil er korpulent und tollpatschig ist. Dem Dou gelingt es zunächst, die Jungs zu einer Gruppe zusammen zu schmieden und Ralph wird zum Anführer gewählt. Das Kollektiv findet auf der unbewohnten Insel Trinkwasser, Früchte und Wildschweine. Es scheint als gelinge es den Kindern, ein geregeltes, fast zivilisiertes Zusammenleben zu organisieren. Doch dann zerbricht die romantische Utopie: Ein Streit um den Führungsposten zerstört die Gruppe und die Harmonie und Jack, der mit Ralph rivalisierende Leiter einer Chorgruppe verfällt in einen barbarischen Machtrausch. Darüber zerfällt das Kollektiv und es bricht ein Kampf aus, der brutale und blutige Züge annimmt, primitive und barbarische Affekte freilegt. Ein Kampf um Leben und Tod . . .

Golding entwirft so ein düsteres und pessimistisches Bild der menschlichen Gesellschaft, ein Gleichnis, das aufzeigen will, dass jeder zu “Bösem” fähig ist und der Firniss der Zivilisation nur eine dünne Schicht an der Oberfläche, die jederzeit reißen kann. Gleichwohl sind diese Kinder keine Monster oder Verbrecher; vielmehr steckt auch jedem noch ein “normales” Schulkind.

Der aufschreckende Roman war zunächst von mehr als zwanzig Verlagen abgelehnt worden; nach seinem Erscheinen 1954 in Großbritannien und den USA wurde er dann aber schnell zum Bestseller. Nigel Williams, dem 1978 mit dem Stück “Klassenfeind” der Durchbruch gelang, hat das Werk schließlich dramatisiert. Uraufgeführt wurde die Bühnenversion von der “Royal Shakespeare Company at The Other Place” in Stratford-upon-Avon.

Karin Maßen und Vaclav Spirit haben diese Parabel auf das Gut-Menschentum nun mit dem Jugendtheater Tempus fugit neu inszeniert. Die Rolle des Ralph spielt Matthias Meier seinen Gegenspieler Jack Ric Weißer oder Bernhard Greif, Piggy spielt Felix Banholzer; weiter wirken mit Laura Löffler (Roger), Linda Sepp (Perceval),Lilian Maßen (Simon), Stephan Stock (Maurice), Britta Rechlin (Bill), Veronika Nepple (Sam), Katharina Grimm (Eric) und Michael Greff (Officer).

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  Fotos von den Proben
 

 

 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

Fotos: Thomas Quartier

   
 
 
Es spielen:
 
 
Ralph Matthias Meier
Jack Ric Weißer / Bernhard Greif
Piggy Felix Banholzer
Roger Laura Löffler
Perceval Linda Sepp
Simon Lilian Maßen
Maurice Stephan Stock
Bill Britta Rechlin
Sam  Veronika Nepple
Eric Katharina Grimm
Officer  Michael Greff
   
Regie Karin Maßen
Co-Regie Vaclav Spirit
   
Musik Stephan Eifridt
   
Lichtgestaltung/-technik André Kulawik
Bühnenbau M. und D. Stoll
Plakat / Programm Britta Rechlin
Körperarbeit Michael Greff
Fotos Simon Stotz / Thomas Quartier
Video Alejandro Roquero
Produktionsleitung Stefan Wussler / Katharina Köpnick

Marketing      

Judith Seidel / Johannes Maßen
 
 
 

 

 

 

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