aktuelle Inszenierung:

Tempus fugit - Jugendtheater Rheinfelden

   
 
 

"König Ubu" (2005)

nach Alfred Jarry

Regie: Karin Maßen
 

 

   
   
  > zum Stück
   
  > Presse
   
  > Fotos von den Proben
   
  > Es spielen
   
 
  zum Stück:

Alfred Jarry groteskes Spiel um den ebenso gewalttätigen wie feigen König Ubu ist ursprünglich als Schülerulk entstanden.
Es wurde 1896 im Theatre de l´ Oeuvre, an dem Jarry in der Spielzeit 1896/97 als Dramaturg arbeitete, auf die Bühne gebracht, wo es mit seinen berühmten einleitenden Schimpftiraden einen handfesten Theaterskandal auslöste. Heute erkennt man in dem Werk des früh verstorbenen Exzentrikers einen genialen Wurf und eines der Meisterwerke des Komischen der französischen Bühne.
Ubu Roi (König Ubu) war konzipiert als bewusste Persiflage der Theaterkonventionen, als eine Farce, die durch äußerst parodistische Übertreibung und durch verrückte, überzogene Komik die Zuschauer einerseits zum Lachen herausfordert und andererseits unter dem Deckmantel des Humors, Abgründe menschlicher Existenzen aufscheinen lässt.

Ubu, getrieben von seinen Launen, feigen Einfällen und Instinkten, macht diese zum Gesetz seines Handelns. Er agiert auf der Bühne als plumper, feister, wildgewordener Kleinbürger.
Er wird eingeführt als Dragonerhauptmann und Vertrauensoffizier von König Wenzeslas.
Seine Frau, Mutter Ubu, schlauer als er, aber auch getrieben von Macht- und Raffgier, drängt ihn dazu, den König zu beseitigen.
Sie gewinnen Hauptmann Bordure (Tatzensaum) zu ihrem Mitverschworenen.
Mit seiner Hilfe wird Ubu zum neuen König und die Überlebenden der Königsfamilie von Wenzeslas werden blindlings verfolgt.
Ein Volksfest, bei dem Ubu auf Anraten seiner Frau, Gold unter die Leute verteilt, erhöht seine Popularität. Aber weitere staatsmännische Ratschläge von Mutter Ubu schlägt der neue Diktator in den Wind, lässt dümmlich und skrupellos Richter, Adlige, Bauern, Staatsdiener töten.
Hauptmann Bordure, sein einstiger Verbündeter, wird zu seinem neuen Feind und läuft zu dem russischen Zaren über. Gemeinsam betreiben sie den Sturz von Vater Ubu.

Die Handlung ist durchsetzt von zahlreichen literarischen Parodien. Hauptsächlich verwendet Jarry Szenen aus den Dramen Shakespeares. Aber seine Figuren sind heruntergekommene Bürgerschreckfiguren.
Es gibt nur unheilvolle, aufgeblasenen Pappköpfe. Ein paar wild gewordenen Tölpel stellen Armeemassen das. Für das Volk genügen Statisten.
Alles sind Typen, keine Charaktere. Shakespeare Gestalten in Kasperle Manier!
Aber wie beim Kasperletheater, wie in den Zeichentrickserien heutzutage, ist die Bedingung dafür, dass das Ganze bei dem Publikum ankommt, die Komik. Das Publikum darf und soll herzhaft darüber lachen, wenn die Welt an diesem aufgeblasenen Hanswurst zugrunde geht.
 

 
  Presse

> Blutrünstiger Hanswurst SPUNK vom 22. Dezember 2005

> Widerling und Schreckschraube Badische Zeitung vom Dienstag, 20. Dezember 2005

> Groteskes Spiel um feigen König SPUNK vom 15.12.2005

> Eine Parodie auf das Leben Badische Zeitung vom Donnerstag, 15. Dezember 2005

> Lachen, wenn die Welt an einem Hanswurst zu Grunde geht OV vom 15.12.2005

> “König Ubu” im Pfarreizentrum Badische Zeitung vom Dienstag, 13. Dezember 2005 

> Geld und Essen, Essen und Geld Der Sonntag, vom 11. Dezember 2005


SPUNK vom 22. Dezember 2005

Blutrünstiger Hanswurst

Jugendtheater Tempus fugit kommt mit „König Ubu“ auf die Bühne

Das Tempus fugit Jugendtheater Rheinfelden 2 feierte Premiere mit dem Stück von Alfred Jarry „König Ubu". im Gemeindesaal St. Josef Premiere. An drei Abenden wurde  hier gekämpft und zerteilt ein Hauen und Stechen fand statt und das Ganze war auch noch zum  Lachen. Alfred Jarry groteskes Spiel um den ebenso gewalttätigen wie feigen König Ubu war ursprünglich als Schülerulk entstanden und wurde 1896 im Theatre de l' Oeuvre, an dem Jarry 1896/97 als Dramaturg arbeitete, auf die Bühne gebracht, wo es mit seinen berühmten einleitenden Schimpftiraden einen handfesten Theaterskandal auslöste.

Ubu Roi (König Ubu) war als Persiflage der Theaterkonventionen, die durch äußerst parodistische Übertreibung und durch verrückte, überzogene Komik die Zuschauer einerseits zum Lachen herausfordert und andererseits unter dem Deckmantel des Humors, Abgründe menschlicher Existenzen aufscheinen lässt, konzipiert.

Das Stück stellt an die Akteure schon seine Anforderungen, denn Regisseurin Karin Maßen hat den 14 Schauspielerinnen und Schauspielern immerhin 44 Rollen zugeteilt. Und die Truppe Lea Decker, Kora Kaiser-Winkler, Christiane Klinsing, Markus Möller, Nicole Pawlowski, Madleen Scatena sowie Marie und Johanna Stegherr. meistert das mit Bravour.

König Ubu (Ric Weißer) ist gewalttätig und feige. Vor allem aber richtig dumm und extrem geldgeil. Macht ist natürlich was Tolles. Seine Frau (Ninon Rößler) ist ihm sehr wichtig, ohne sie wäre er ein Nichts. Sie ist sozusagen sein Kopf. Daneben stehen Hauptmann Bordure (Stephan Stock) als fürchterlicher Zeitgenosse und Königssohn Bougrelas (Simone Dörpfeld) eigentlich ein Tunichtgut. König Wenzelslas' Frau (Dilek Aurich) macht auch tot auf etepetete und Gatte (Christine Bieger) verströmt theatralisch sein Blut. Es ist kaum möglich, so ganz den Überblick über das Ganze zu behalten. Das ist eine Parforcejagd mit Bauchaufschlitzen und Aufspießen, Verfolgungsjagden im Gange, dass einem nur so grausen könnte.

Die absolute Überzeichnung der Typen macht das Ganze zum Klamauk und nimmt sich selbst auf die Schippe.

Und so kann man über das Stück lachen, auch wenn vielleicht eine tiefere Moral dahinter steckt.


Badische Zeitung vom Dienstag, 20. Dezember 2005

Widerling und Schreckschraube 

Das Jugendtheater Tempus fugit hat Alfred Jarrys “König Ubu” inszeniert

Tempus fugit hat wieder zugeschlagen. Bühnenreif möchte man sagen, wenn das hier nicht unpassend wäre. Drei Abende lang wurde in Rheinfelden gekämpft und geprügelt, wurden Soldaten und Königssöhne mit dem Schwert in zwei Teile geteilt “wie eine Bockwurst” und wer eben schon gestorben war, konnte guten Mutes sein, gleich noch mal gemeuchelt, durchlöchert und aufgeschlitzt zu werden. Diktatur und Krieg zum Totlachen.

Blutrünstigkeit ist kein Privileg von Videospielen und Television. Machtmenschen, die Hab und Gut ihrer Untergebenen mit vollen Händen aus Fenstern werfen und nichts als die eigene Bereicherung im Sinn haben, gibt es bekanntlich nicht nur in der Literatur. Kann man darüber aber lachen? Man kann und sogar herzlich. Und trotzdem nicht das Ganze aus den Augen verlieren. Wie so oft im Theater kommt das Nachdenken vielleicht auch erst auf dem Nachhauseweg.

“Wanstaufschlitzen” , Zerspalten und Durchsieben ohne Ende, Szenen einer Ehe, wilde Verfolgungsjagden, filmreifes Schattenboxen und jede Menge mimischer und artistischer Meisterleistungen: Ubu und die Tempus fugit-“Ubuisten” schießen mit mehr als Finanzkanonen aus dem Fenster. “Krieg!” , jubelt aber auch das Volk. Zum Klamauk wird das Ganze erst durch totale Übertreibung, die nicht zuletzt sich selbst und das (Welt-)Theater auf den viel zu geschwollenen Bizeps nimmt.

König Ubu (Ric Weißer) ist der absolute Widerling, seine Frau (Ninon Rößler) die selbstsüchtigste Schreckschraube, Hauptmann Bordure (Stephan Stock) kaum fürchterlicher vorstellbar, Königssohn Bougrelas (Simone Dörpfeld) ein Springinsfeld, wie er im Buche steht, König Wenzelslas’ Frau (Dilek Aurich) fällt auch gestorben nicht aus der Rolle und zieht ihr Kleid nochmals in Form, ihr Gatte (Christine Bieger) tut’ s ihr gleich und vergießt bildlich purpurnes Blut.

Auf die Spitze getrieben hat Regisseurin Karin Maßen auch die Besetzung. 44 Rollen sind auf 14 Schauspieler verteilt und das Wunder, bis zu sechs verschiedene Figuren auf die Bühne zu stellen, vollbringen Lea Decker, Kora Kaiser-Winkler, Christiane Klinsing, Markus Möller, Nicole Pawlowski, Madleen Scatena sowie Marie und Johanna Stegherr. Den Überblick zu behalten fällt da schwer, aber der ist auch gar nicht gefragt. Die Ensembleleistung steht als Tempus Fugit-Markenzeichen über allem und gehört zur Moral wie die Leberwurst zum Ubu.

So gesehen könnte der noch so dummdreist, gefräßig, feige, selbstsüchtig und brutal sein. Er könnte hundertmal aus dem Stand beidbeinig gleichzeitig auf den Tisch springen. Er könnte jammern und schreien und wie ein Rumpelstilz springen und trampeln. Wir fielen nicht auf ihn herein. Wir wüssten nämlich, dass nur das Ganze zählt und die Chefetagen allein noch nichts produziert, Kanzler und Kanzlerinnen noch keinen Staat gemacht haben - gar keinen.

Annette Mahro


SPUNK vom 15.12.2005

Groteskes Spiel um feigen König

Jugendtheater Tempus fugit morgen mit Premiere

Premiere: Am morgigen Freitag, 16. Dezember, wird um 20 Uhr das Stück von Alfred Jarry "König Ubu" im Gemeindesaal St. Josef in Rheinfelden aufgeführt.

Alfred Jarry groteskes Spiel um den ebenso gewalttätigen wie feigen König Ubu ist ursprünglich als Schülerulk entstanden. Es wurde 1896 im Theatre de 1' Oeuvre, an dem Jarry in der Spielzeit 1896/97 als Dramaturg arbeitete, auf die Bühne gebracht, wo es mit seinen berühmten einleitenden Schimpftiraden einen handfesten Theaterskandal auslöste. Heute erkennt man in dem Werk des früh verstorbenen Exzentrikers einen genialen Wurf und eines der Meisterwerke des Komischen der französischen Bühne.

"König Ubu" war konzipiert als bewusste Persiflage der Theaterkonventionen, als eine Farce, die durch äußerst parodistische Übertreibung und durch verrückte, überzogene Komik die Zuschauer einerseits zum Lachen herausfordert und andererseits unter dem Deckmantel des Humors, Abgründe menschlicher Existenzen aufscheinen lässt. Ubu, getrieben von seinen Launen, feigen Einfällen und Instinkten, macht diese zum Gesetz seines Handelns. Er agiert auf der Bühne als plumper, feister, wild gewordener Kleinbürger. Er wird eingeführt als Dragonerhauptmann und Vertrauensoffizier von König Wenzeslas.

Seine Frau, Mutter Ubu, schlauer als er, aber auch getrieben von Macht- und Raffgier, drängt ihn dazu, den König zu beseitigen. Sie gewinnen Hauptmann Bordure (Tatzensaum) zu ihrem Mitverschworenen.

Mit seiner Hilfe wird Ubu zum neuen König und die Überlebenden der Königsfamilie von Wenzeslas werden blindlings verfolgt.

Ein Volksfest, bei dem Ubu auf Anraten seiner Frau, Gold unter die Leute verteilt, erhöht seine Popularität. Aber weitere staatsmännische Ratschläge von Mutter Ubu schlägt der neue Diktator in den Wind, lässt dümmlich und skrupellos Richter, Adlige, Bauern, Staatsdiener töten. Hauptmann Bordure, sein einstiger Verbündeter, wird zu seinem neuen Feind und läuft zu dem russischen Zaren über. Gemeinsam betreiben sie den Sturz von Vater Ubu.

Die Handlung ist durchsetzt mit zahlreichen literarischen Parodien. Hauptsächlich verwendet Jarry Szenen aus den Dramen Shakespeares. Aber seine Figuren sind heruntergekommene Bürgerschreckfiguren. Es gibt nur unheilvolle, aufgeblasenen Pappköpfe. Ein paar wild gewordene Tölpel stellen Armeemassen das. Für das Volk genügen Statisten.

Alles sind Typen, keine Charaktere. Shakespeare Gestalten in Kasperle Manier!

Aber wie beim Kasperletheater, wie in den Zeichentrickserien heutzutage, ist die Bedingung dafür, dass das Ganze bei dem Publikum ankommt, die Komik. Das Publikum darf und soll herzhaft darüber lachen, wenn die Welt an diesem aufgeblasenen Hanswurst zugrunde geht.

DIE GRUPPE

Das "Tempus fugit Jugendtheater 2" hat sich gegenüber der letztjährigen Besetzung von „Heiligeisdorf' nur wenig geändert. Zwei neue Spieler kamen dazu, so dass bei König Ubu 14 Jugendliche im Alter von 14 bis 21 Jahren die vorgegebenen Rollen von mehr als 30 Personen übernehmen. Die Gruppe probt konsequent wöchentlich und an sechs bis sieben Wochenenden oder Ferientagen. Neben der Arbeit an Stücken ist die Theaterschulung, Körper- und Stimmarbeit im Vordergrund.

Neben Festivals und Gastspielteilnahmen in Kooperation mit den anderen Gruppen von Tempus fugit zeigt das Jugendtheater Rheinfelden regelmäßig auch Straßentheaterszenen bei dem Brückenfest oder dem Rheinfelder Innenstadtfestival.

Das Jugendtheater Rheinfelden 1 setzt sich aus den Spielerinnen aus Rheinfelden zusammen, die mittlerweile studieren oder in Ausbildung sind und nur in den Ferienzeiten zusammen proben können und dennoch immer weiter aktiv dabei sind und auch andere Aufgaben, wie zum Beispiel Produktionsleitung, Regieassistenz, Sponsoring, Maske und Kostümarbeiten für diese Produktion übernommen haben.


Badische Zeitung vom Donnerstag, 15. Dezember 2005 

Eine Parodie auf das Leben 

Vor der Premiere: Das Jugendtheater Tempus fugit inszeniert Jarrys König Ubu

Das Original ist aus einem derben Schülerspaß entstanden und war ursprünglich gar nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Aufgeführt wurde das Stück des Exzentrikers Alfred Jarry 1896 trotzdem und endete, vor allem wegen der berühmt gewordenen Ubu'schen Schimpftiraden, in einem der damals noch üblicheren Theaterskandale. Parodiert wird schlicht alles, das Leben, der Tod, die Moral und das Theater selbst. “ König Ubu” feiert am Freitag Premiere in Rheinfelden.

In der Regie von Karin Maßen führt das Jugendtheater Tempus Fugit die Groteske um den in jeder Lebenslage unmäßigen Ubu auf, der erst noch König werden soll. Mord um Mord geschieht in seinem Namen, während er in sich hineinstopft, was seine Gier und sein Magen nur fassen können. Die Figur ist längst zu einem Klassiker geworden und hat auch die bildende Kunst angeregt. Die Surrealisten waren ihr besonders ergeben und Max Ernst hat dem kleinen dicken König sogar ganze Serien gewidmet.

Auf der Bühne wird der Ubu übertrieben und überzogen, dass sich Tische und Stühle biegen. Langweilig dürfte die neue Aufführung dabei kaum werden. Ein Stück für Kinder ist es allerdings nicht, wie Karin Maßen betont. Die Dialoge und Anspielungen seien für unter 13-Jährige doch schwer zu verstehen. 14 Spieler stehen insgesamt auf der Bühne, von denen nicht nur Vater Ubu (Ric Weißer, 21), seine Frau (Ninon Rößler, 17) und Hauptmann Bordure (Stephan Stock, 20) sich bisher schon einiges an blauen Flecken zugezogen haben. Der Action wegen hatte man sogar schon einen Kampfsportspezialisten als Berater in den Proben. Bei allem soll, das betont Karin Maßen, aber in jeder Szene die Komik die Oberhand behalten: “ Das Publikum darf und soll herzhaft lachen, wenn die Welt an diesem aufgeblasenen Hanswurst zugrunde geht.”

Annette Mahro


OV vom Donnerstag, den 15.112.2005

Lachen, wenn die Welt an einem Hanswurst zu Grunde geht

Jugendtheater Tempus fugit kommt mit „König Ubu“ auf die Bühne

Rheinfelden. Das Tempus fugit Jugendtheater Rheinfelden 2 feiert am Freitag, 16. Dezember, um 20 Uhr Premiere mit dem Stück von Alfred Jarry „König Ubu". Das Stück wird im Gemeindesaal St. Josef Friedrichstr. 32 aufgeführt.

Das Tempus fugit Jugendtheater 2 hat sich gegenüber der letztjährigen Besetzung von „Heiligeisdorf` nur wenig geändert. Zwei neue Spielerinnen kamen dazu, so dass bei König Ubu 14 SpielerInnen im Alter von 14 - 21 Jahren die vorgegebenen Rollen von mehr als 30 Personen übernehmen werden.

Alfred Jarry groteskes Spiel um den ebenso gewalttätigen wie feigen König Ubu ist ursprünglich als Schülerulk entstanden.

Es wurde 1896 im Theatre de 1' Oeuvre, an dem Jarry 1896/97 als Dramaturg arbeitete, auf die Bühne gebracht, wo es mit seinen berühmten einleitenden Schimpftiraden einen handfesten Theaterskandal auslöste.

Ubu Roi (König Ubu) war konzipiert als bewusste Persiflage der Theaterkonventionen, als eine Farce, die durch äußerst parodistische Übertreibung und durch verrückte, überzogene Komik die Zuschauer einerseits zum Lachen herausfordert und andererseits unter dem Deckmantel des Humors, Abgründe menschlicher Existenzen aufscheinen lässt.

Alles sind Typen, keine Charaktere. Shakespeare Gestalten in Kasperle Manier. Aber wie beim Kasperletheater, wie in den Zeichentrickserien heutzutage, ist die Bedingung, dass das Ganze bei dem Publikum ankommt, die Komik. Das Publikum darf und soll herzhaft darüber lachen, wenn die Welt an diesem aufgeblasenen Hanswurst zugrunde geht.


Badische Zeitung vom Dienstag, 13. Dezember 2005 

“König Ubu” im Pfarreizentrum 

Aufführung am Freitag

RHEINFELDEN. Das “Tempus fugit Jugendtheater zwei” hat sich gegenüber der letztjährigen Besetzung nur wenig geändert. Zwei neue Spieler kamen dazu, sodass bei ihrer Aufführung des Stücks von Alfred Jarry “König Ubu” 14 Spieler im Alter von 14 bis 21 Jahren die vorgegebenen Rollen von mehr als 30 Personen übernehmen werden. Premiere ist am Freitag, 16. Dezember, um 20 Uhr im Pfarreizentrum St. Josef.

Alfred Jarrys groteskes Spiel um den ebenso gewalttätigen wie feigen König Ubu ist ursprünglich als Schülerulk entstanden. Es wurde 1896 im Theatre de l’ Oeuvre, an dem Jarry in der Spielzeit 1896/97 als Dramaturg arbeitete, auf die Bühne gebracht, wo es mit seinen berühmten einleitenden Schimpftiraden einen handfesten Theaterskandal auslöste.

Heute erkennt man in dem Werk des früh verstorbenen Exzentrikers einen genialen Wurf und eines der Meisterwerke des Komischen der französischen Bühne. Ubu Roi/König Ubu war konzipiert als bewusste Persiflage der Theaterkonventionen, als eine Farce, die durch äußerst parodistische Übertreibung und durch verrückte, überzogene Komik die Zuschauer einerseits zum Lachen herausfordert und andererseits unter dem Deckmantel des Humors, Abgründe menschlicher Existenzen aufscheinen lässt.

Die Handlung ist durchsetzt von zahlreichen literarischen Parodien. Hauptsächlich verwendet Jarry Szenen aus den Dramen Shakespeares. Aber seine Figuren sind heruntergekommene Bürger- schreckfiguren. Es gibt nur unheilvolle, aufgeblasenen Pappköpfe. Ein paar wild gewordenen Tölpel stellen Armeemassen dar. Für das Volk genügen Statisten. Alles sind Typen, keine Charaktere. Shakespeare-Gestalten in Kasperlemanier!

Aber wie beim Kasperletheater, wie in den Zeichentrickserien heutzutage, ist die Bedingung dafür, dass das Ganze bei dem Publikum ankommt, die unglaubliche Komik. Das Publikum darf und soll herzhaft darüber lachen, wenn die Welt an diesem aufgeblasenen Hanswurst zu Grunde geht.


Der Sonntag, vom 11. Dezember 2005

Geld und Essen, Essen und Geld

Das Jugendtheater Tempus fugit inszeniert in Rheinfelden Alfred Jarrys Skandalstück „König Ubu“

„König Ubu" kommt nach Rheinfelden. An das berühmte Drama des Exzentrikers Alfred Jarry, der als Vorläufer der Surrealisten gilt und zu den Begrün­dern des modernen französi­schen Theaters gerechnet wird, wagt sich das Jugendtheater Tempus Fugit. Im Original parodiert der „Ubu" Shakespeares königmordenden Macbeth. Allerdings lässt Jarry die blutigsten Gemetzel im Namen der Leber­wurst anzetteln. Bewusst persifliert werden auch Theaterkonventionen. Annette Mahro hat sich vor der Premiere mit dem 21-jährigen Ric Weißer unterhalten, der die Titelrolle spielt.

Wie würden Sie die Figur be­schreiben, die Sie spielen?

Als Ubu bin ich gewalttätig und feige. Vor allem aber richtig dumm und extrem geldgeil. Macht ist na­türlich was Tolles für mich. Am liebsten würde ich die ganze Welt regieren. Meine Frau ist mir sehr wichtig, ohne sie wäre ich nichts. Sie ist mein Kopf. Ich wäre ja auch alleine zum Beispiel nie auf die Idee gekommen, den König von Polen zu massakrieren.

Ihre Schimpftiraden haben Sie berühmt gemacht. Agiert nur der Ubu auf diese übertriebene Art, und welche Charaktere kommen noch vor?

Keine der Figuren im Stück hat einen echten Charakter. Es sind al­les Typen, die - was immer sie tun - total übertreiben. Und so wird auch gespielt.

Seit Wochen identifizieren Sie sich mit der Figur und es heißt, dass Sie auch immer wieder einmal in Ubu-Pose durch die Stadt laufen. Wird man der Figur da nicht sehr bald ähnlich?

Zur Figur selbst fragen Sie doch besser den König Ubu persönlich.

Muss ich Sie dann mit Eure könig­liche Hoheit ansprechen?

Ja freilich, Potz Wampenhorn! (brüllt:) Ich bin der König!

Eure Hoheit, was ist das Ziel Ihrer Regierung, und was bedeutet Ih­nen am meisten auf der Welt?

Geld und Essen und Essen und Geld.

Um Gelage und Leberwurst geht es offenbar vor allem. Und der Bauch spiegelt dann Ihre Macht wider?

Wie bitte, bei meiner grünen Rotze! Ich bin doch wahrhaftig dick genug! Und Macht und Wam­pe? Ja freilich immer. Erst gestern habe ich noch meinen Thron eingedrückt.

Ihre Frau bedeute Ihnen sehr viel, sagt man.

Ich bin mit der allerletzten Schlampe verheiratet - frag' mich sowieso, wie ich zu der gekommen bin. Ein Graus ist die. Es gibt kei­nen Fehler, den sie nicht hat, und überall hat sie Stacheln, man weiß gar nicht, wo man sie anpacken soll, meine schlechtere Hälfte.

Ihnen wird Skrupellosigkeit und Brutalität vorgeworfen. Gibt es eine Philosophie, nach der Sie le­ben und regieren?

Jeder wird gefressen, wenn er dran ist.
 

 
   
  Fotos von den Proben
 

 

 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
   
  am 26. Januar 2006 im Kesselhaus (Weil am Rhein):
   
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

Fotos: Thomas Quartier

   
 
 
Es spielen:
 
 
Mutter UBU Ninon  Rößler
Ihr zweites Ich  Madleen Scatena
Die Erscheinung Dilek Aurich
   
König UBU Ric Weisser
Sein zweites Ich Christiane Klinsing
   
Hauptmann Bordure Stephan Stock
Der König Wenzeslas Christine Bieger
Rosamunde, seine Frau Dilek Aurich
   
Die Söhne:  
Bougrelas Simone Dörpfeld
Boleslas Kora Kaiser-Winkler
Ladislas Marie Stegherr
Ein Soldat Marie Stegherr
   
Der Bote Lea Decker
Der Schatten  Madleen Scatena
Michail Fedorowitsch  Markus Möller
Der Schreiber Lea Decker
Zar Alexis Nicole Pawlowski
  Markus Möller
Die Spießknechte  
Giron

Marie Stegherr

Pile Kora Kaiser- Winkler
Cotice Lea Decker
   
General Ruski Markus Möller
General Luski  Christine Bieger
   
Die Bauern Christine Bieger
  Markus Möller
  Marie Stegherr
  Lea Decker
   
Die Adligen Nicole Pawlowski
  Christiane Klinsing
  Johanna Stegherr
   
Die Richter Madleen Scatena
  Christine Bieger
  Dilek Aurich
   
Phynanzbeamte  Marie Stegherr
  Simone Dörpfeld
  Kora Kaiser- Winkler
   
Das Phynanzpferd Stephan Stock
  Simone Dörpfeld
   
Die Ratsherren Christine Bieger
  Marie Stegherr
  Simone Dörpfeld
  Kora Kaiser- Winkler
  Lea Decker
   
Die Wachen Lea Decker
  Markus Möller
  Dilek Aurich
   
Der Bär Stephan Stock
Der Kapitän  Nicole Pawlowski
Die Dramaturgin Johanna Stegherr
   
Regie Karin Maßen
   
 
 

 

 

 

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