Presse:
Oberbadisches Volksblatt vom 2.11.2005
Mangopflanzen wachsen
nicht überall
Lörrach. Die
Premiere des Stückes "Miembe oder: Mangopflanzen wachsen nicht überall"
im Kesselhaus von Weil am Rhein war ein Erfolg. Nun drückt
Bundestagsabgeordnete Marion Casper-Merk dem Jugendtheater 3 von Tempus
fugit die Daumen für den Wettbewerb "AIDS on Stage"
Zusammen mit mehr als 90 anderen weiterführenden Schulen und freien
Theatergruppen nimmt Tempus fugit an dem vom
Bundesgesundheitsministerium und Plan International ausgeschriebenen
Wettbewerb " Aids on Stage" teil.
Unter der Anleitung von Karin Maßen haben sich die 14- bis 17jährigen
Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis mit dem Thema Aids
auseinandergesetzt. Sie haben mit Ärzten, einem Aidsforscher und
Hilfsorganisationen gesprochen und den Umgang mit dem Thema in ihrem
eigenen Umfeld diskutiert. Die Theaterarbeit zeigt in eindrücklichen
Szenen, wie nahe das für viele inzwischen ferne Thema Aids den
Jugendlichen und ihren Eltern ist. Ausgangspunkt für die Inszenierung
war das Buch "Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt" des schwedischen
Autors Henning Mankell, indem dieser seine
Begegnungen mit an Aids erkrankten, jungen Eltern beschreibt.
Die Preisträger des Wettbewerbes werden im Rahmen einer Pressekonferenz
am 29. November, anlässlich des Weltaidstages, von
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt in Berlin bekannt gegeben. Die
Aufführung ihres Stückes in einem Berliner Theater und Geldpreise
erwarten die drei besten Theatergruppen des Wettbewerbs.
Oberbadisches Volksblatt vom 21.10.2005
Zerstörerische Tragik
Tempus fugit setzt sich engagiert mit Aids auseinander
Von Dorothea Gebauer
Weil am Rhein/Lörrach.
Als Zuschauer ist man am Ende bestürzt und wachgerüttelt. Die jungen
Schauspieler des Jugendtheater 3 von Tempus fugit Lörrach erreichen mit
„Miembe oder Mangopflanzen wachsen nicht überall", dass man von einem
Thema wirklich berührt wird, das ansonsten abstrakt bleibt: Aids, seine
Folgen für die Gesellschaft und den einzelnen werden plastisch gemacht,
die fatalen Auswirkungen ins helle Licht geholt.
Dass man sich- vor der
schauspielerischen Umsetzung gedanklich und emotional mit dem
schwierigen Thema auseinandergesetzt hat, wird schnell deutlich.
Assoziationen, lebhaft geführte Monologe und Dialoge zeigen, was alles
zu verdauen war und dass etwas im wahrsten Sinne des Wortes einverleibt
wurde.
Gelungen wird
umgesetzt, wie mit Tabuthemen umgegangen wird: Leugnen, Bagatellisieren,
sich hinter Allgemeinplätzen verstecken - das sind Haltungen, die in
szenisch wechselndem Spiel eindrücklich dargestellt werden.
Unterschwelliger
Rassismus, wenn es um Afrika und Aids geht, wird genial zum Thema
gemacht. „Drei kleine Negerlein" wird laut und aggressiv steigernd
gesungen, farbige Puppen liegen überall auf der Bühne und werden zu
lebendigen Figuren.
Attackiert werden
Gleichgültigkeit und lodernde Angst, weil man sich bedroht fühlt. Und
dann ist da immer auch die Abwehr, die aus der Hilflosigkeit kommt: „Ich
hasse Bilder von allem, was nicht schön ist," sagt einer der
Protagonisten. „Bleib hier, wenn du unbedingt Arzt werden willst, du
musst nicht nach Afrika", äußert eine Mutter, die die
Verantwortungsübernahme ihrer Tochter nicht ernst nimmt. „Ich will
wissen, woher diese Krankheit kommt," so ein anderer jugendlicher
Spieler in der Hoffnung, dass rationale Erklärungen die Angst mindern
helfen.
Am Ende der gelungenen
Interpretation macht sich bleierne Trauer breit, setzt sich die
Erkenntnis durch, wie zerstörerisch diese Krankheit ist: Sie zerstört
Beziehungen, Hoffnungen, Chancen. Noch hat man keinen Weg gefunden,
damit umzugehen.
Badische Zeitung vom Freitag, 21. Oktober 2005
Fragen für den Heimweg
Tempus fugit inszeniert „Miembe oder: Mangopflanzen wachsen nicht
überall“ in Weil und Lörrach
Elf blutjunge Mütter
und ein Vater betreten mit ihren schwarzen Babies die Bühne, singen
ihnen Lieder, erzählen Geschichten. Dass diese Normalität nur simuliert
ist, macht eine Stimme aus dem off klar, die „die Krankheit“ ins Spiel
bringt. Als Beitrag zum Wettbewerb „Aids on Stage“ der Hilfsorganisation
Plan International, haben die Schülerinnen des Tempus fugit
Jugendtheater 3 unter Leitung von Karin Maßen das Stück „Miembe oder:
Mangopflanzen wachsen nicht überall“ erarbeitet, das im Weiler
Kesselhaus Premiere hatte.
Erste Anregungen dazu
gab ein Buch von Henning Mankell, „Ich sterbe, aber die Erinnerung
lebt“, in dem er von seinen Gesprächen mit Aidskranken in Uganda
berichtet. Um HIV und Aids fundiert auf die Bühne zu bringen, ließen die
Jugendlichen Aufklärungsbroschüren, Zeitungsartikel und sogar das
Expertenwissen eines Medizinprofessors in ihre Vorbereitung einfließen.
Die afrikanischen
Dorfbewohner in dem Stück fangen nacheinander an, den stummen Kindern
Fragen zu stellen, die man eigentlich nicht aussprechen darf: Wo kommt
es her, wer ist schuld und warum ich? Die Wünsche, Hoffnungen und
Befürchtungen der jungen Eltern kreisen um die Seuche HIV, die ihre
Umgebung fest im Griff hat – etwa bei der älteren Schwester, die nicht
mehr zur Schule gehen kann, seit sie zur Ersatzmutter ihrer Geschwister
mutiert ist. Infizierte Männer versuchen, „es“ mit Methoden loszuwerden,
die die weitere Ausbreitung der Seuche garantieren: „Man muss mit einer
Jungfrau schlafen, habe ich gehört.“
Diese Ahnungslosigkeit
der Afrikaner, die wir gern mit einer Mischung aus Mitleid und
Verachtung betrachten, wird im Stück zum Spiegelbild unseres eigenen
Umgangs mit Aids: „Was geht mich das an? Ich hasse Bilder von hässlichen
Dingen!“, versucht eine deutsche Schülerin das Thema auf Distanz zu
halten und weiß doch, dass „es“ nicht nur die Afrikaner auf den
Zeitungsbildern trifft, sondern auch Menschen im eigenen Land. „Aber
die, die es bei uns betrifft, versuchen sich zu schützen. Glaube ich.“
Wie, das weiß sie auch nicht genau. Durch ständigen Wechsel zwischen
Nöten und Wünschen junger Afrikaner und Europäer schärft die
Theatertruppe doppelt das Bewusstsein der Zuschauer: Die Aids-Tragödie
im armen Süden rückt in greifbare Nähe, und die tragische Situation der
afrikanischen Familien führt vor Augen, was uns selbst blühen kann, wenn
wir so tun, als existiere die Krankheit hier schon nicht mehr.
Tatsächlich nehmen
auch in Europa die Neuinfektionen seit Jahren wieder zu – nicht zuletzt,
weil junge Menschen glauben, Aids sei nur noch ein Problem armer Länder.
„Doch Aids ist immer noch unheilbar und kann jeden treffen, der sich
nicht schützt.“ Diese Botschaft wird glaubwürdig transportiert durch
gute bis s hervorragende schauspielerische Leistungen, ein einfaches,
schönes Bühnenbild und die sensible Percussion-Begleitung von Martin
Kutterer. Doch das größte Lob gilt der Entscheidung, mit einem offen
angelegten Stück dem Publikum statt vorgestanzter Antworten eine Menge
Fragen mit auf den Heimweg zu geben.
Jan Fredriksson
Der Sonntag vom 16.
Oktober 2005
Die neue Sorglosigkeit
„Aids on Stage“: Schüler befassen sich mit dem Schicksal HIV –
Infizierter
Von Frank Zimmermann
Der Zeitpunkt für den
Schulwettbewerb „Aids an Stage", den das Bundesgesundheitsministerium
und das Kinderhilfswerk Plan initiiert haben, ist angesichts der
jüngsten Statistik günstig gewählt: Die Immunschwäche Aids scheint in
Deutschland wieder auf dem Vormarsch zu sein. Im ersten Halbjahr 2005
ist die Zahl der neu erkannten HIV-Infektionen im Vergleich zum Vorjahr
um 20 Prozent gestiegen.
Gemeldet wurden laut
Robert-Koch-Institut in den ersten sechs Monaten des Jahres 1164
Neuinfizierte. Ende 2004 lebten in Deutschland 35 000 HIV-infizierte
Männer, 9 500 Frauen und 300 Kinder, 700 Menschen starben.
Basierend auf dem Buch
„Ich sterbe, aber die Erinnerung bleibt" des schwedischen
Bestsellerautors Henning Mankell, das das Schicksal Aids-Kranker und
ihrer Familien in Afrika thematisiert, sollen Jugendliche für „Aids on
Stage" ein Theaterstück über die Krankheit und ihre Auswirkungen
entwickeln. Auch das Jugendtheater Tempus fugit - 12 Schülerinnen und
Schüler zwischen 14 und 17 Jahren aus dem Landkreis Lörrach - nimmt an
dem Wettbewerb teil. Premiere hat das Stück „Miembe oder Mangopflanzen
wachsen nicht überall" am kommenden Mittwoch im Kesselhaus in Weil.
Für den Anstieg der
Neuinfizierten-Zahlen machen Experten eine neue Sorglosigkeit
verantwortlich. „Man konnte schon vor zwei Jahren einen Anstieg der
Syphilis-Erkrankungen feststellen", erklärt etwa Ulrike Hoffmeister,
Geschäftsführerin der Freiburger Aids-Hilfe. „Das ist ein Zeichen dafür,
dass keine Kondome benutzt werden. Ein Anstieg von HIV-Infektionen folgt
dann meist kurz darauf."
„Sehr weit weg"
Auch die jugendlichen
Theaterschauspielerinnen wollen eine gewisse Sorglosigkeit in ihrer
Generation ausgemacht haben. Während in den vergangenen beiden
Jahrzehnten eine breit angelegte Aufklärungskampagne,
Schreckensmeldungen und -szenarien die Öffentlichkeit alarmierten, ist
Aids heute nur noch ein Randthema in den Nachrichten. „Im Alltag
begegnet einem das Thema Aids eigentlich überhaupt nicht", sagt die
16-jährige Elisa Müller aus Lörrach. „Es ist schon sehr weit weg von
einem, man macht sich kaum Gedanken darüber und denkt, dass es einem
selbst nicht passieren kann."
„Vor zehn, 15 Jahren
war klar, dass man seinen ersten Partner fragen wird, aber heute ist das
überhaupt kein Thema mehr unter den Jugendlichen", weiß aus vielen
Gesprächen auch Tempus-fugit-Regisseurin Karin Maßen. Ihre Einschätzung:
„Keiner in der Gruppe würde sich jemals trauen, den Freund nach Aids zu
fragen." Zwar werde die tödliche Immunschwäche im Biologie-Unterricht
behandelt und das Thema auch kurz im Religions- und Ethikunterricht
gestreift, so dass sich die Schüler „aufgeklärt" fühlen, eine Debatte
über gesellschaftliche Relevanz gebe es aber fast nicht, so die
einhellige Meinung der jungen Schauspieler. Ein Grund für die
Sorglosigkeit vieler Menschen mag sein, dass HIV-Infizierte dank
virenhemmender Medikamente heute viel länger leben können als früher,
glaubt auch die 16-järige
Anna Kalusok aus Weil am Rhein. „Man stirbt heute eben nicht mehr so
schnell daran."
Durch monatelange
Recherchen, durch Lektüre und viele Gespräche, auch mit Fachleuten wie
dem Vater einer Schauspielerin, der in der Aids-Forschung arbeitet, hat
sich die Haltung der jugendlichen zum Thema gewandelt. Die 15-jährige
Verena Sepp aus Weil sagt: „Ich habe mir nie weiter Gedanken gemacht,
nur ab und zu, wenn etwas in der Zeitungstand oder im Fernsehen kam.
Wenn man dann etwas o behandelt, macht man sich schon Gedanken."
Henning Mankell wird
in seinem Buch bisweilen sehr zornig - wenn er darüber nachdenkt, wie
würdelos der Westen, insbesondere die reiche Pharmaindustrie, die die
wirksamen Medikamente vorenthält, mit dem Schwarzen Kontinent umgeht.
„Die Medikamente müssen für alle frei erhältlich sein", finden auch die
jungen Schauspieler von Tempus fugit. Dennoch versuchen sie nur ab und
an, zu kritisieren oder zu provozieren, etwa wenn es um die Rolle der
Kirche geht, die sie ins Stück eingebaut haben. Sie wollen in ihrem
Spiel authentisch, aber nicht wertend sein, die Situation in Afrika mit
der in hier zu Lande vergleichen, weil sie Aids ins Bewusstsein der
Zuschauer holen wollen. Vor allem in das ihrer Altersgenossen.
Oberbadisches Volksblatt
vom 15.10.2005
Thema Aids ist aktueller denn je
Premiere:
Jugendtheater 3 Tempus fugit
Lörrach/Weil am
Rhein. „Miembe oder: Mangopflanzen wachsen nicht überall - diese
Eigenproduktion nach dem Buch von Henning Mankell „Ich sterbe, aber die
Erinnerung lebt" zeigt das Jugendtheater 3 von Tempus fugit. Premiere
ist am 19. Oktober im Weiler Kesselhaus.
Das Stück wurde
für einen Wettbewerb von PLAN International und dem
Gesundheitsministerium entwickelt. Es gibt zwei Aufführungen in Weil am
Rhein im Kesselhaus und drei im Alten Wasserwerk in Lörrach. Musikalisch
wird das Stück begleitet von dem Musiker Martin Kutterer - Trommel und
Percussion.
Das Thema Aids
ist brandaktuell, da die Zahl der Neuinfizierten in Deutschland ständig
steigt. Bundesweit wurden dieses Jahr alle weiterführenden Schulen,
Theater AGs, freie Theatergruppen in Deutschland zu der Beteiligung an
dem Wettbewerb „Aids on Stage" eingeladen. Ziel des Wettbewerbs ist es,
Jugendliche zu motivieren, sich mit der Problematik Aids auseinander zu
setzen. Aufgabe war es, aus dem Buch von Henning Mankell „Ich sterbe,
aber die Erinnerung lebt" ein Theaterstück zu entwickeln.
Ausgehend von
der Lektüre der Buchvorlage Mankells war sich das Tempus fugit
Jugendtheater III sehr schnell einig. mitmachen zu wollen.
Neben weiteren
Recherchen anhand von Aufklärungsbroschüren und Zeitungsartikeln führten
die Teilnehmer Gespräche mit Beteiligten in Hilfsorganisationen in
Deutschland und in Afrika, mit Aidsforschern und Ärzten, um eigene
Wissenslücken zu füllen.
Die Spieler
tauchen ein in die Wünsche und Hoffnungen von Kindern, Müttern und
Vätern, Jugendlichen.
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