aktuelle Inszenierung:

Tempus fugit - Jugendtheater Lörrach I

   
 
grad°wanderer (2004)

Regie: Karin Maßen

   
 

   
  Eigenproduktion
   
  > zum Stück
   
  > Bilder von den Proben
   
  > Fotosession mit Dr. Martin Schulte-Kellinghaus
   
  > Presse zum Stück
   
 

> Das Ensemble

   
 
 

zum Stück

Vor allem

(Vorwort Christoph Ransmayr zu seinem Buch: Die Schrecken des Eises und der Finsternis Fischer Tb)

„Was ist bloß aus unseren Abenteuern geworden, die uns über vereiste Pässe, über Dünen und so oft die Highways entlang geführt haben? Durch Mangrovenwälder hat man uns ziehen sehen, durch Grasland, windige Einöden und über die Gletscher, Ozeane und dann auch Wolkenbänke hinweg, zu immer noch entlegeneren, inneren und äußeren Zielen. Wir haben uns nicht damit begnügt, unsere Abenteuer einfach zu bestehen, sondern haben sie zumindest auf Ansichtskarten und in Briefen, vor allem aber in wüst illustrierten Reportagen und Berichten der Öffentlichkeit vorgelegt und so insgeheim die Illusion gefördert, dass selbst das Entlegenste und Entfernteste zugänglich sei wie ein Vergnügungsgelände, ein blinkender Luna-Park; die Illusion, dass die Welt durch die hastige Entwicklung unserer Fortbewegungsmittel kleiner geworden sei und etwa die Reise entlang des Äquators oder zu den Erdpolen nunmehr eine bloße Frage der Finanzierung und Koordination von Abflugzeiten...“

Was ist ein Abenteuer und wer ist ein Abenteurer?

Das waren die Ausgangsfragen für diese Inszenierung.
Und mit dieser Fragestellung bepackt, hatten wir uns selbst für Monate auf den Weg gemacht und Antworten gesucht:

in Reisebüchern, Abenteuerbüchern, Kindheitserinnerungen, in Gesprächen mit Menschen, die uns begegnet sind, Beschreibungen geglückter und misslungener Expeditionen...

Gefunden haben wir bewegende Bilder, das Ringen um das Überleben und vor allem die große Sehnsucht aufzubrechen und etwas Neues zu entdecken.

Und wir kamen an die Grenzen der heutigen Abenteuerlust in einer Welt, in der es keine „weißen Flecken“ mehr auf der Landkarte gibt:

„Hat gemeint, er heißt Alex. Und hungrig war der vielleicht. Hungrig, hungrig, hungrig. Aber richtig glücklich. Er hat gemeint, dass er die ganze Zeit von essbaren Pflanzen gelebt hat, die er aus seinem Pflanzenkundebuch hatte...
Er trampt gerade durchs Land, hat er gemeint, und dass er sich das große, alte Abenteuer reinzieht. Er hat uns erzählt, wie er seinen Wagen stehengelassen hat und sein Geld verbrannt hat. Ich hab gesagt: Aber warum?“


(Jon Krakauer: „In die Wildnis“ Piper Tb)

 

 
  Presse zum Stück:

Oberbadisches Volksblatt vom Freitag 16. Juli 2004

Auf der Suche nach dem Abenteuer

Lörrach. Was ist ein Abenteuer, und wer ist ein Abenteurer? Das waren die Ausgangsfragen für die Inszenierung „Grad°wanderer" des Tempus fugit Jugendtheaters. Premiere ist am Freitag, 23. Juli, um 20.30 Uhr im Nellie Nashorn.

Mit dieser Fragestellung bepackt hat sich das Ensemble für Monate auf den Weg gemacht und Antworten gesucht: in Reisebüchern, Abenteuerbüchern, Kindheitserinnerungen, in Gesprächen mit,

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Die große Sehnsucht etwas Neues zu entdecken

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Menschen, in Beschreibungen geglückter und misslungener Expeditionen. Gefunden wurden bewegende Bilder, das Ringen um das Überleben und vor allem die große Sehnsucht aufzubrechen und etwas Neues zu entdecken. Die jungen Schauspieler kamen dabei an die Grenzen der heutigen Abenteuerlust in einer Welt, in der es keine „weißen Flecken" mehr auf der Landkarte gibt. Fündig wurden sie bei ganz verschiedenen Autoren. Hier ein Beispiel:

„Hat gemeint, er heißt Alex. Und hungrig war der vielleicht. Hungrig, hungrig, hungrig. Aber richtig glücklich. Er hat gemeint, dass er die ganze Zeit von essbaren Pflanzen gelebt hat, die er aus seinem Pflanzenkundebuch hatte... Er trampt gerade durchs Land, hat er gemeint, und dass er sich das große, alte Abenteuer reinzieht. Er hat uns erzählt, wie er seinen Wagen stehengelassen hat und sein Geld verbrannt hat. Ich hab gesagt: Aber warum?" (aus Jon Krakauer: „In die Wildnis").

Es spielen: Anja Gottschalk, Jan Halmazna, Laura Kuder, Laura Löffler, Ric Weißer, Silke Kümmerling, Borbeth Hurter, David Voges, Benjamin Kraus, Maren Walter und Felix Bannholzer, die Musik kommt von Firouz Falah. Regie führt Karin Maßen, die Produktionsleitung haben Matthias Meier und Karin Maßen.


Badische Zeitung vom Mittwoch, 21. Juli 2004 

Aufbruch zu Neuem 

VOR DER PREMIERE:
Tempus fugit inszeniert "grad°wanderer"

LÖRRACH. Viele der Spielerinnen und Spieler des Jugendtheaters Tempus fugit stehen davor, für ein Jahr ins Ausland zu gehen; andere kommen von langen Reisen zurück. Was wird darin gesucht - welche Erwartungen daran geknüpft? Ausgehend von diesen Erfahrungen und Erwartungshaltungen führten diese Grundfragen auf die Spur von Abenteurern, die allen in der Literatur, im Fernsehen, in der Schule und vor allem in der Kindheit begegnet waren. Das gab ein Wiedersehen mit Huckleberry Finn, dem Seewolf, Robinson, den Walfängern und den großen Entdeckern von damals.

Und wie sieht das heute aus? Was unterscheidet die Entdecker von damals von denen, die in unserer Gegenwart ausziehen, um das Abenteuer zu suchen? Heute, in einer Zeit, in der es keine weißen Flecken auf der Landkarte mehr gibt? Immer wieder war die Szenensuche eine Gradwanderung - und führte immer wieder auf die Gegenwartsfrage zurück: Gibt es das Abenteuer im Alltag, wie weit muss ich gehen, um das Abenteuer zu entdecken? Oder wie es einer der Musiker ausdrückte: "Allein Frostbeulen zu bekommen ist noch kein Abenteuer." Dazu gehört eine innere Haltung. Und es braucht den Zuschauer oder Zuhörer, denn oftmals wird das Erlebnis erst im Nachhinein zum Abenteuer. Und auch da geht es um mehr als um Unterhaltung und Konsum.

Seit mehr als sechs Monaten geht das Ensemble diesen Fragen nach, recherchiert, hört zu, erzählt aus eigenen Erfahrungen. So wurde die Arbeit selbst zu einer abenteuerlichen Gradwanderung. Begleitet wird die gleichnamige Produktion von zwei Musikern, die mit persischer Musik neue Räume entdecken lassen.

Badische Zeitung vom Dienstag, 27. Juli 2004  

Von Gipfelstürmern und Globetrottern

Premiere der Inszenierung "Gradwanderer" von "Tempus Fugit" im Nellie Nashorn/ Über die Sehnsucht, das Abenteuer zu suchen

LÖRRACH. In den Bühnenhimmel ragende glatte Eisberge, eine zerklüftete Eiswand, und dazwischen zwei sich in immer gleichen Bewegungen durch die Eiswüste kämpfende Expeditionsteilnehmer. "Wie bist du zum Abenteurer geworden?", fragt sie ihn. "Als Bub", antwortet er und erzählt, wie er in der Kindheit schon fasziniert war von realen Geschichten. Schwärmt von seinem Interesse an anderen Ländern und Menschen, dem Unbekannten, und von der Sehnsucht, immer wieder aufbrechen zu wollen, um Neues zu entdecken. "Im Mutterleib", erklärt er sich diese Abenteuerlust, "werden wir geschaukelt und sind ständig in Bewegung - und das soll dann auf einmal aufhören?"

Es hört niemals auf. Zumindest nicht für die Spielerinnen und Spieler des Jugendtheaters I von "Tempus Fugit". Sie wandern einzeln und paarweise durch die quer zur Bühne angeordneten Sitzreihen der Zuschauer, schwitzen beim Erklimmen eines Bergs vor Anstrengung, frieren in einer Welt ohne Sonne im Eis. Dann fangen sie wieder an zu summen "Musi denn zum Städtele hinaus", verabschieden sich in großer Pose oder mit einem einfachen "Gute Reise". "Aber du braucht dort doch lange Unterhosen", mahnt eine besorgte Mutter, die nicht versteht, warum und wohin sich ihr Kind auf den Weg macht.

Per Flugzeug geht's ins kollektive Abenteuer. Aus den Sitzen werden im Spiel Rucksäcke werden Gletscher. Was ist aber wirklich das Ziel, wenn sich die Gruppe bei der Besteigung des Mount Everest mit letzter Kraftanstrengung von Fels zu Fels hangelt? Der erwartete überdimensionale Gefühlsrausch, der im hautnahen Erleben von Kälte und Erschöpfung schließlich ganz ausbleibt? Manche bleiben auch ganz auf der Strecke, bezahlen ihre Abenteuerlust mit dem Tod. Andere machen es sich von vorne herein viel einfacher: Sie buchen das Abenteuer "all inclusive" und ohne jedes Risiko.

Wie das ist mit Reisenden und Abenteurern, mit Gipfelstürmern und Globetrottern - dieser Frage gehen die Tempus fugit-Spieler in ihrem neuen eigenen Stück "Gradwanderer", das am Freitagabend im Nellie Nashorn Premiere hatte, auf den Grund. Das Thema lag als Ausgangspunkt der Inszenierung nahe, denn einige werden demnächst für ein Jahr ins Ausland gehen, andere kamen von langen Reisen zurück. Was die Spieler in Abenteuer- und Reisebüchern, in Beschreibungen von geglückten und missglückten Expeditionen fanden, aber auch was sie an Reaktionen der Umwelt auf Reisepläne erinnern, erlebt der Zuschauer in einer Abfolge von Szenen, erzählenden Monologen und pantomimischen Choreographien und bisweilen nicht nur bewegten, sondern bewegenden Bildern. Mit leiser persischer Musik von Firouz Falah und Kaveh Paschasavedah wird das Fremde hörbar gemacht.

Ausdrucksstark und mit Haut und Haar geben sich die elf Tempus fugit-Leute dem Abenteuer des Spielens hin, das ja auch ein an die eigenen Grenzen gehen ist. Die Fragen, welche sie aufwerfen, beantwortet das Stück letztlich nicht. Klar wird: Vom Inneren zum Fremden zu gehen, scheint in einer Welt, in der es keine weißen Flecken mehr auf der Landkarte gibt, und in der ein Pseudo-Abenteurertum per "Reality-TV" zur Unterhaltungsshow mit größtmöglichstem Ekelfaktor verkommt, ungleich schwieriger als zu Zeiten der großen Entdecker. Tempus Fugit zeigt vergangene wie heutige Reisende als Gradwanderer zwischen eigenen Ansprüchen, Hoffnungen und Wirklichkeit, zwischen Freiheit und der Herausforderung, sich zu beweisen.

Barbara Ruda
 

 
 
Das Ensemble:
 
Anja Gottschalk Jan Halmazna
Laura Kuder Laura Löffler
Ric Weißer Silke Kümmerling
Borbeth Hurter David Voges
Benjamin Kraus Maren Walter
Felix Bannholzer  
   
Musik:  
Firouz Falah Kaveh Paschasavedah
   
Regie:  

Karin Maßen

 
   
Produktionsleitung Matthias Meier, Karin Maßen
Lichtgestaltung Andre Kulawik
Bühnengestaltung Andre Kulawik
Foto Martin Schulte-Kellinghaus
Thomas Quartier
Programm- und Plakatgestaltung Britta Rechlin
Probenbegleitung: SpielerInnen des Tempus fugit Theaters
 
  Bilder von den Proben zu grad°wanderer
 
 
 
 

 
 
 
 
 
 

 
 
 
 

 
 

 
 
 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
 
 

 
 
 
 

 
 

 
 
 
 

   

Fotos: Thomas Quartier 

   
 

 
 

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