aktuelle Inszenierung:

Tempus fugitJugendtheater Rheinfelden II

   
 

"Heiligeisdorf" (2004)

nach der Vorlage von Karlheinz Frankl

Regie: Karin Maßen

   
   
  > zum Stück
   
  > Presse zum Stück
   
  > Fotos von den Proben
   
  > Die Personen
   
 
  Zum Stück

Eine fremde Frau kommt in das Dorf. Sie sucht ihren Bruder. Die Bewohner zeigen sich hart und verschlossen. Bald wird offenbar, dass sie alle etwas zu verbergen haben. Auch die Kinder in dem Dorf sind nicht unbedarft und offen.  Nur andeutungsweise entpuppt sich das Geschehen...
 
 
  Presse zum Stück:

Badische Zeitung vom Montag, 6. Dezember 2004 

"Subtile Grausamkeit" 

BZ-INTERVIEW zur Produktion "Heiligeisdorf" des Jugendtheaters Tempus fugit Rheinfelden II

Dem Wegsehen und kollektiven Schuldigwerden, der alltäglichen allgemeinen Feigheit ist "Heiligeisdorf", die nächste Tempus-fugit-Premiere gewidmet. Kein leichter Stoff, den sich die Truppe des Jugendtheaters Rheinfelden II und ihre Schauspieler zwischen 15 und 24 Jahren da ausgesucht haben. Annette Mahro sprach im Vorfeld mit Regisseurin Karin Maßen.

BZ: Worum geht es im neuen Stück?

Maßen: Die Geschichte spielt in einem weltabgeschiedenen Dorf, in das eine junge Frau auf der Suche nach ihrem Bruder kommt. Wann die Geschichte spielt, bleibt offen. Vielleicht ist es die Zeit nach dem Krieg, vielleicht war er ein Flüchtling oder Vertriebener, auf jeden Fall aber ein Fremder für die Dorfbewohner. Die Frau trifft im Dorf auf eine Mauer des Schweigens. Es zeigt sich, dass die Bewohner etwas zu verbergen haben. Überall gibt es unterschwellige Aggressivität.

BZ: Das Stück ist sehr düster, sehr spannungsgeladen, wie wird das umgesetzt?

Maßen: Die Sprache, die wir verwenden ist sehr dicht. Wie etwa in Stücken von Franz Xaver Kroetz oder Ödön von Horváth muss der Zuschauer auf einer zweiten Ebene mitdenken. Wir verwenden bewusst anders als in der Uraufführung von "Heiligeisdorf" auch keinen Dialekt. Deutlich werden soll, dass die Dorfbewohner in der Sprache nicht bewandert sind. Das Sprechen fällt ihnen schwer. Die Sätze wiegen schwer. Für die Schauspieler ist so etwas ist immer eine Gratwanderung.

BZ: Wie kam es zu der Auswahl von "Heiligeisdorf"?

Maßen: Der Autor Karlheinz Frankl, der auch versuchen will, zu einer der Aufführungen zu kommen, gehört zu den Juroren beim Berliner Theatertreffen der Jugend. Wir haben uns da getroffen. Auf das Stück bin ich aber zufällig gestoßen, und wir haben es bearbeitet. Das Original und die Inszenierung sind bei uns verändert und zu den Frankl-Szenen sind neue hinzugenommen, die sich schon zuvor in der Probenarbeit ergeben haben. Bei uns ist auch die Live-Musik wichtig, die Daniel Vogel komponiert hat und spielt. Zusätzlich haben wir andere Texte mit dazu genommen, etwa überlieferte alte Wiegenlieder, die sehr brutal sind.

BZ: Welche Reaktionen erwarten Sie beim Publikum?

Maßen: Gerade heute sind Jugendliche ja die offene Grausamkeit gewohnt. In unserem Stück dominiert das Subtile, die Stille, die Langsamkeit und man merkt, dass man etwas sehr dicht machen kann. Wir hoffen, dass wir da einsteigen können, dass sich das Publikum darauf einlässt.


Badische Zeitung vom Freitag, 10. Dezember 2004 

Ein Leben hinter Mauern 

Tempus fugit II zeigt sein Stück "Heiligeisdorf" in Rheinfelden

Donnerwetter, du kannst doch jetzt nicht aufhören zu sterben", schreit Franz und trampelt wie wild auf einem fiktiven Maulwurf herum. Und das tun ihn die Kinder gleich, die sich im Halbkreis gruppiert haben. Ein lautes Stampfen lässt den Bühnenboden erzittern, die aggressiven Gesichter der Kinder lassen den Zuschauer die Stirn in Falten legen. Als eine fremde Frau die Szene entert und die Kinder fragt, wie denn das Dorf heißt herrscht kühle Stille. Erst als sie den düsteren Waldspielplatz verlässt, schreit ihr die Kinderhorde hinterher: "Heiligeisdorf, das weiß doch jeder!" 

"Heiligeisdorf" ist der Name des neuen Theaterstückes vom Tempus fugit Jugendtheater Rheinfelden II, das am Mittwoch im Bürgersaal Rheinfelden Premiere hatte. Das knapp eineinhalb Stunden dauernde Stück nach einer Vorlage von Karlheinz Frankl nimmt die Besucher auf eine Reise mit in eine dunkle, grausame Welt von Schein, Tabus und Zerbrechlichkeit. Erzählt wird die Geschichte einer fremden Frau (Ninon Rößler), die in das kleine "Heiligeisdorf" kommt, um dort nach ihrem Bruder zu suchen. Doch statt auf hilfsbereite Menschen, trifft sie auf eine Mauer von Personen, die anscheinend genau wissen, was mit ihrem Bruder geschehen ist, aber kein Wort darüber verlieren.

Abgehackte Dialoge, langsam gesprochene Sätze und immer wieder Stille dazwischen machen Frankls Stück zu einer melancholisch, düsteren Trip durch menschliche Abgründe und verlorene Lebensperspektiven. Beinahe beängstigend gut setzt das Theater (Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren) das Bedrückende des Stücks um. Sie leben ihre Rollen und verleihen dem Stück eine ungeahnte Authentizität. Mit ihrer Abgeklärtheit wird der Name des Dorfes zum Programm. Die gottesfürchtigen Dorfbewohner strotzen nur so vor Kühle und Undurchdringbarkeit. Was heilig an der Oberfläche scheint, offenbart sich beim genaueren Hinsehen als bitterböser, depressiver Charakter. Worte treffen das Gegenüber wie Pfeilspitzen ins Herz. In Heiligeisdorf redet man nicht miteinander, sondern aneinander vorbei.

Ein Schauder läuft einen über den Rücken, wenn man die Familie um Bauer Vitus (Benjamin Kraus) beim Essen beobachtet. Vier Töchter (Mirjam Meier, Nicole Pawlowski, Silvia Krumpschmid und Lea Decker) und seine depressive Frau (Johanna Stegherr) sitzen um den Tisch. Erst wird geflüstert, dann spricht jedes Familienmitglied laut aus, was es denkt. "Sie hat mir das Leben versaut", haucht Bauer Vitus über den Kopf seiner Frau hinweg und schreit es dann mit voller Kehle in die Dunkelheit des Saals.

Fassaden bröckeln, Tabus werden gebrochen aber im gleichen Atemzug wieder tabuisiert. Wie eine tonnenschwere Decke liegt die Angst vor dem Fremden und die Melancholie auf den Menschen, die am Ende alle scheitern. Wie das Ende eines Alptraumes kommt da das Fallen des finalen Szenenvorhanges daher - ein tiefes Durchatmen, als die Schauspieler sich verbeugen. Es war doch alles nur gespielt, doch die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion waren beinahe unsichtbar.

Kornelia Schiller


Oberbadisches Volksblatt vom 10. Dezember 2004

Wider die Herzenshärte der Menschen

Tempus fugit: Premiere zu "Heiligeisdorf" / Eine mahnende Botschaft

Von Dorothea Gebauer

Kreis Lörrach. Eindringliche Bilder, beklemmend und verstörend, entfalten sich in einer Eigenproduktion des Tempus fugit-Jugendtheaters Rheinfeldern unter der Regie von Karin Maßen.

„Heiligeisdorf“ erzählt die Geschichte einer Dorfgemeinschaft, die einen Mord zu verantworten hat, zu dieser Tat aber nicht stehen will. Züngelnde Gewalt und Feindseligkeit, die von Zeit und Zeit unberechenbar auflodert, sind Stilelemente, die das Geschehen vorantreiben.

Irgendetwas ist hier faul, erfährt der Zuschauer gleich zu Beginn, denn ein aggressives Bündel an bäuerlich gekleideten Menschen tritt wütend auf etwas ein und Ist glücklich, dass das Wesen endlich tot ist. Was den jungen Schauspielern gelingt, ist das Entwickeln von einer dichten Atmosphäre, immer liegt etwas Bleiernes über dem Dorf, lähmt Beziehungen und Wahrheitsfindung. Zwar gibt es auch Humor, aber das Lachen bleibt einem im Halse stecken, Eindrücklich auch der Umgang mit Sprache: Entweder wird hinter der Hand geflüstert, oder es wird geschrieen und gekeift. Unangenehme Fragen werden totgeschwiegen: „Das darf man nicht sagen!" Stereotype Sätze fallen: „Fremde sind böse!" Oder: „Bei uns ist immer alles sauber!" Sie machen deutlich, wie klein der Radius der Erlebnisfähigkeit und der Bewertungen geworden ist. Neben Phrasenhaftem werden die Menschen zu Typen reduziert, holzschnittartig, ohne Persönlichkeit. Frauen sind Mägde, der Zugriff auf sie ist hart und würdelos. Der Pfarrer schlägt Kinder, die ihm widersprechen oder startet Verhöre, in denen er nach der richtigen Lehre fragt.

Beachtlich, dass man sich dieses anspruchsvollen und emotional herausfordernden Themas angenommen hat. Sehr plastisch und einfühlsam werden Szenen aufgebaut, die überall, jederzeit stattfinden könnten. Gitarrenklang oder Gesang: „Guten Abend, Gute Nacht" wirken wie ironische Kommentare in einem ganz und gar hoffnungslosen Szenarium.

Wieder einmal zeigt sich eine der Jugendtheatergruppen von Tempus fugit dazu fähig, unbequeme Fragen zu stellen: „Wie kommt es, dass eine Gemeinschaft , sich so verhärten kann, dass Freiheit und Würde, Vertrauen und Liebe ersterben?"

„Hat der Vater schon mal etwas richtig lieb gehabt?", fragt das Kind die Mutter. Das Gegenteil von Liebe, so wird im Stück kunstfertig erhellt, sind Gleichgültigkeit und eingefrorener Hass.
 

 
   
  Fotos von den Proben
 

 

 

 
 

 
 

 
  Generalprobe am 7.12.2004
   
 
 
 
 
 

 
 
 
 

 
 
 
 
 
 

 
 

 
 

 
 
 
 
 
 
 
 

 
 

 
 

 
 
 
 

 
 
 
 

 
 
 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 

 
 
 
 
   
 
 
Die Personen:
 
 
der Bürgermeister Ric Weißer
seine Gattin Christiane Klinzing
Sebastian, ihr Sohn           Aaron Bruder
   
der Wirt  Markus Möller
seine Frau

Christine Bieger

Katrin, die Tochter Nicole Pawlowski
   
Bauer Vitus Benjamin Kraus
die Bäuerin Johanna Stegherr
ihre Kinder  
Elli Miriam Meier
Maria

Nicole Pawlowski

Anja Silvia Krumpschmid
Konstanze Lea Decker
   
Bauer Florian Stephan Stock
Johanna, seine Frau Dilek Aurich

die Kinder:

 
Franz Ric Weißer
Anna Madleen Scatena
   
der Philosoph Simon Stotz
   
die fremde Frau Ninon Rößler
   
Musik/Komposition und Aufführung Daniel Vogel
   
Regie Karin Maßen
Co-Regie

David Voges

   
Lichttechnik und Design Andre Kulawik
Bühnenbau Markus Stoll 
   

Programm- und Plakatdesign

Simon Stotz
   
Kostüme Laura Löffler
   

Proben- und Bühnenassistenz

Simon Stotz, Bernhard Greif, Benjamin Kraus,
SpielerInnen des Jugendtheaters Lörrach

   
Sponsoring Benjamin Kraus
Produktionsleitung/Organisation Benjamin Kraus und Bernhard Greif
   
Fotos Thomas Quartier
   

Wir danken:

Stadt Rheinfelden, Kinder & Jugendbüro Rheinfelden, Spieldorf Herten, St. Josefshaus Herten für Proberäume und den freundlichen Hausmeistern des Bürgersaals sowie allen Paten & Sponsoren

 
 

 

 

IMPRESSUM

 

webmaster@fugit.de