aktuelle Inszenierung:

Tempus fugit
Schultheater der Hauswirtschaftlichen & Kaufmännischen Berufsschule Lörrach

   
 
 

"Wohl bekomm's"
nach Arnold Wesker
 

Regie: Karin Maßen
 

 

 

   
   
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  zum Stück:

Für Shakespeare mag die Welt eine Bühne gewesen sein, für mich ist sie eine Küche, wo Menschen kommen und gehen und nicht lange genug bleiben können, um einander zu verstehen, und wo Freundschaft, Liebe und Feindschaft ebenso schnell vergessen werden, wie sie entstehen."
Arnold Wesker
 

Wesker war eine zeitlang Konditor. Er kennt den Schauplatz seines Stücks, die Küche eines riesigen Speiselokals, den zermürbenden Tag der Küchengehilfen, Kellnerinnen, der Köche für Gebratenes, Fisch, Suppen, Gegrilltes, das Durcheinander der Stimmen, das Inferno der klappernden Teller, der Kommandos und Flüche.

Der Schauplatz Küche prägt die Hoffnungen und Ängste der Personen, ihre Betriebsamkeit ebenso wie ihre alltäglichen Konflikte.

Schlechte Laune, Wut, Hektik und Nervosität machen sich schnell breit und es gibt wenige Momente um abzuschalten, sich auszusprechen, angestaute Aggressionen zu besänftigen. Häufig entladen sich diese. Bestens funktioniert dabei die Hierarchie: Druck wird nach unten weitergegeben.
Es gibt ja auch genug „Ungelernte“ und angelerntes Personal, das dies zu spüren bekommt. Aber sollen sie doch froh sein, angesichts Millionen Arbeitsloser überhaupt eine Arbeit zu haben.

Peter, zuständig für Kochfisch und Saucen, ist laut, aggressiv, übertrieben lustig, aber gutmütig. Er liebt Monika, eine der Bedienungen. Seine rasende Eifersucht überträgt er auf alle potentiellen Gäste. Für seine Sehnsucht nach Ruhe und Geborgenheit findet er ihr gegenüber im Alltagsbetrieb keine Sprache. Wutausbrüche und Rage setzen die Liebe immer wieder auf's Spiel.
Der Konflikt spitzt sich zu, die Mitköche- und Köchinnen werden Zeugen eines gewaltsamen Spiels und können nichts daran ändern. Sie sind mit sich selbst zu beschäftigt.
Ursina träumt davon etwas Eigenes aufzubauen, sich selbständig zu machen. Nicht als Köchin - sondern in der Elektronikbranche. Sie hat aber keine Ausbildung, keine Qualifikation und kein Geld dafür. Darüber hinaus ist sie ein Mädchen...
Auch Karin's Traum ist klein. Sie hat eben erst in dieser Küche angefangen und hat nur einen Wunsch: Zu schlafen - nur zu schlafen und alles zu vergessen.
Frau Scheurer, die Chefin wird ihr dabei einen Strich durch die Rechnung machen. Der Betrieb muss laufen, und das Personal muss funktionieren. Reibungslos.
Menschliche Seiten, Schicksale blitzen auf.
Auch der Zuschauer lernt die Personen von Außen kennen. Der Blick auf den Menschen selbst ist verwehrt, durch die Routine, den Alltag und die Gleichzeitigkeit der Geschehnisse. Einen Tag lang begleitet der Zuschauer die Protagonisten. Alles beginnt frühmorgens...

 

 
  zur Arbeitsweise:

Die Eigenbearbeitung der Stückvorlage „Die Küche“ von Arnold Wesker, ließ den SpielerInnen die Möglichkeit offen, eigene Schwerpunkte zu setzen.
Aus der Gruppe selbst (15 SpielerInnen) jobben viele als Bedienungen, helfen in Küchen, beim Ausschank. Ein Spieler der letztjährigen Schultheatergruppe hatte einen Kochlehre angefangen... seine Erfahrungen waren für die Inszenierung und die Findung der Handlungsabläufe und Kochrituale von großer Bedeutung.
Stellte Wesker die Arbeitslosigkeit angesichts des Zustroms von Ausländern und Asylanten und die daraus resultierende Ausländerfeindlichkeit in den Mittelpunkt seines Küchengeschehens, so setzte die Gruppe den Schwerpunkt bei der Oberflächlichkeit der Beziehungen, der Hilflosigkeit im Umgang mit eigenen Wünschen, Ängsten und Aggressionen und denen der anderen.
Das Innehalten, Sich-Selbst-Finden, der Wunsch nach Freundschaft wird dem atemlosen Funktionieren geopfert. Die Freizeit scheint wie eine Verheißung, aber das Personal ist müde...

Die Handlungsabläufe beim Kochen, das ständige Kommen und Gehen der Bedienungen, das Einsammeln und Wegbringen der Teller, die Kommandos und die Gesprächsfetzen untereinander erforderten von den SpielerInnen eine große Präzision und eine gute Portion Geduld mit sich und den anderen.
Die ritualisierten Formen werden streckenweise wie eine Rhythmuskomposition behandelt.
Kochlöffel, Schneebesen, Hackbeil, Küchenmesser, Teigschaber, Mehlsiebe machen Musik.
Stomp lässt grüßen! Das hat allen großen Spaß gemacht. Vielen Dank Frau Ute Schmitz!

Das Timing zu halten, die Sprache und den Text rhythmisch zu setzen, das war ein Brocken. Wie im Stück selbst hat unsere Küche uns auch vereinnahmt: Es gab müde Beine, leere Köpfe, Herausforderungen an die Stimme und an die Konzentration. Küchentheater - live!
Die Gruppe hat sich dem bewusst gestellt!

Danke den Ex-SpielerInnen der Schultheater AG und den Jugendtheaterspielerlnnen von Tempus fugit für Probenbesuche, Probenhilfe, für Kritik und aufbauende Einzelübungen.
Die gemeinsame Arbeit war lebendig und intensiv. Weiter so!!!

Karin Maßen


Ein Zitat aus Arnold Wesker: Die Küche
(Suhrkamp Verlag)

Das Küchenpersonal hasst instinktiv das Servicepersonal, und alle hassen den Gast. Er ist der persönliche Feind.
 

 
  Presse

Freitag, 4. Juli 2003, Badische Zeitung

Kälte in der Hitze der Herde

Theater-AG der Kaufmännischen und Hauswirtschaftlichen Schulen spielt "Wohl bekomm's"

LÖRRACH. Die Welt von Magi, Ursina, Peter und Paul ist die Küche eines riesigen Speiserestaurants. Diese Küche hat trotz der altvertrauten Schwingtüren eher etwas von einem Irrgarten aus Herden als etwas Heimeliges, Wärmendes oder gar Mütterliches, als was dieser Ort früher einmal galt. Köche und Bedienungen arbeiten hier für ihren Chef Marango, und der gibt ihnen dafür Geld. Viel Geld sogar, wie er meint. So weit, so alltäglich. Wo sich aber auf kleinstem Raum alles einer atemlosen Schufterei unterordnen muss, bleiben die Ängste, Wünsche und Beziehungen der Menschen auf der Strecke. Am Ende steht alles still, weil einer Amok läuft - ein spannender, hoch aktueller Stoff für ein Jugend-Theaterstück.
Die neue Inszenierung "Wohl bekomm's" der Schultheater AG der Kaufmännischen und Hauswirtschaftlichen Schulen führt den Zuschauer mitten hinein in diesen kleinen Kosmos mit genau festgelegten Arbeitsabläufen und Ritualen. Einem Strudel gleich wird er in das Küchengeschehen hineingezogen. Beginnt das Stück noch geruhsam mit dem morgendlichen müden Einlauf der Akteure, die jetzt noch Zeit haben für kleine persönliche Sticheleien und Kaffeeklatsch, gewinnen die Kommandos und Gesprächsfetzen bald an Schärfe, das Kommen und Gehen wird hektischer und mündet in einem wilden Stakkato der Hackbeile, Schneebesen und Küchenmesser wie auch das der Schuhe der im Gleichschritt marschierenden Armee von Kellnerinnen und Kellnern.
Jeder einzelne der detailgetreu einstudierten, aber ohne Lebensmittel pantomimisch vorgeführten Handgriffe sitzt, vom Rühren übers Filetieren bis hin zum Tupfen mit der Spritztüte. Immer wieder mündet das scheinbare Chaos der wohl Dutzend gleichzeitig ausgeübten Tätigkeiten in einem gemeinsamen Rhythmus, wird aus dem Höllenlärm auf wundersame Weise angenehm anzuhörende Musik, bei der jeder Schlag sitzt. Ein perfekt dargebotenes Küchenballett, das Schmunzeln macht.
Das Restaurant von Marango müsste seinen Angestellten eigentlich ein Stück Heimat werden. Statt dessen ist der Einzelne aber nur ein Rädchen in einer Menschenmaschine. In der Hitze der Herde macht sich Kälte breit, Konflikte wachsen ins Unermessliche. In wenigen Augenblicken freilich, als am Nachmittag die Arbeit für eine kleine Weile ruht, dürfen die Angestellten Atem holen und sich ihren kleinen und großen Träumen hingeben. Von einem Bett, einem echten Freund, einer eigenen kleinen Firma oder einer Million Dollar. Doch dann geht das Spiel von vorne los.
Das Stück "Wohl bekomm's" rollt in vielen Wechseln und in schnellem Tempo vor den Augen der Zuschauer ab. Grundlage für die Bearbeitung durch die Theater-AG war Arnold Weskers "Die Küche". Dank des Einstudierens und Übens mit Regisseurin Karin Maßen, Ex-Spielern der Theater-AG und Mitgliedern von "Tempus fugit" spielen die Darsteller durchweg konzentriert, intensiv, ausdrucksstark und sehr authentisch. Und so beeindruckend, dass der Schluss-Beifall kein Ende finden will.

Barbara Ruda
 

 
   
  Fotos von den Proben
   
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

Fotos: Thomas Quartier

   
 
 
Es spielen:
 
 

Marango, die Stimme des Besitzers

Andre Kulawik

Margot Scheurer, die Chefin

Simone Uhrmeister

Frank, der Oberkellner

Patrick Lauk

 

 

Die Köche

 

Peter, Kochfisch

David Voges

Paul, Zuckerbäcker

Benjamin Kraus

Karin, die Neue, gegrillter Fisch

Andrea Klimkait

Guthmundur, Steak u. Pommes frites

Johann Gudmundsson

Magi, kaltes Buffet

Nina Carle

Bertha, Gemüse

Silke Kümmerling

Ursina, Geröstetes

Suhila Megharia

Lydia, Fleisch und Soße

Teresa Albiez

 

 

Die Bedienungen

 

Molly

Kathrin Zeiler

Winnie

Jennifer Neuschütz

Daphne

Nicola Köhler

Anne, Tee und Kaffee

Katharina Lenz

Monika, Freundin von Peter

Helena Köpnick

Küchenhilfe

Ines Probst

 

 

Regie

Karin Maßen

Regieassistenz

Matthias Meier

Assistenz und Kontaktlehrerin

Isolde Braig

Rhythmik und Percussion- 
Konzeption

Ute Schmitz

Assistenz Küchenrituale

Philipp Schmidt

Textbearbeitung

Karin Maßen und Gruppe

Bühnenbau

Matthias Meier

Lichtgestaltung

Andre Kulawik

Lichttechnik

Marco Reiff

Programm- und Plakatgestaltung

Britta Rechlin

Probenbegleitung

Bernhard Greif
Johannes Maßen
Andrea Casabianchi

Lichtausleihe

Martin Storz

 

 
 

 

 

 

IMPRESSUM

 

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