aktuelle Inszenierung:

Tempus fugit - Freies Theater

   
 
 

"Früchte des Zorns"
frei nach John Steinbeck
 

Regie: Karin Maßen
 

 

   
   
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  zum Stück:

Das Freie Theater Tempus fugit hat nach dem Buch "Früchte des Zorns" von John Steinbeck ein neues Stück entwickelt, welches im September 2001 Premiere feierte. An dieser Stelle eine kleine Beschreibung des Buches...

Während der Depression Anfang der dreißiger Jahre wurden in Oklahoma vielen kleinen Farmern die Höfe durch Kreditkündigungen weggenommen. Tausende von Familien, bereits geplagt von Missernten, Staubstürmen und Erosionsschäden brachen aus dem amerikanischen Südwesten nach Kalifornien auf.

Sie bevölkerten die Route 66 mit ihren zurechtgebastelten Automobilen auf denen sie ihr gesamtes Hab und Gut transportierten, in der Hoffnung in Kalifornien das vorzufinden, wovon sie so oft gehört hatten: fruchtbaren Boden, Arbeit, vielleicht ein Häuschen mit Orangenbäumen davor, Weintrauben – das gelobte Land.

„Früchte des Zorns“ ist die Geschichte der Familie Joad und dem Prediger Casy, die zu den Wandernden zählen. Voller Hoffnung und Angst machen sie sich auf den beschwerlichen, von Schicksalsschlägen gepflasterten Weg und erreichen schließlich Kalifornien...

Mit diesem Buch bringt John Steinbeck seine nachdrücklichste Anklage gegen die Gesellschaft der besitzenden, gegen die anonymen Geld- und Ordnungsmächte zum Ausdruck, die den Unterprivilegierten keine Chance gibt, sondern ihrer sozialen Ausweglosigkeit überlässt.

„Ohne Frage gehört dieser Roman zu den großen sozialkritischen Werken der Weltliteratur und zu den Klassikern der modernen amerikanischen Literatur.“ (Kindlers neues Literaturlexikon)
 

 
  Presse

Südwest Aktiv vom 25.11.2002

Anrührend und höchst poetisch: Früchte des Zorns

(KLA) Göppingen: "Die Lust am Neuen, am Experimentieren und die Offenheit für Veränderungen" bezeichnet die Gruppe "Tempus fugit" als ihre prägende Eigenschaft. Mit der Ensemble-Produktion "Früchte des Zorns" nach John Steinbecks Romanvorlage wollten sie dies dem kritischen Theatertage-Publikum unter Beweis stellen. Der Nachweis gelang den Lörrachern bestens.

Gezeigt wird die Geschichte der Familie Joad (und darin eingeschlossen jene des Predigers Casy), die durch die Depression Haus und Hof verloren hat und in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft nach Kaliforniern aussiedelt. Ein in zwei Ebenen unterteiltes Baugerüst genügt den Mimen als Kulisse: Mal ist es der alte Lkw, der auf der Roue 66 dahintuckert, mal ist es der Pritschenaufbau, der für die lange, beschwerliche 2000-Meilen Fahrt als Behausung dient. Der Weg, den die Lörracher einschlagen, ist ständig mit dramaturgisch-köstlichen Zwischenfällen gepflastert. Getragen von mimisch hoher Ausdrucksfähigkeit, sind es mal die Jungen mal die Alten, bei denen all die aufgestauten Emotionen nach und nach zum Ausbruch kommen. Auf mitunter beklemmende Art gelingt es Tempus fugit, diese so verschiedenen, aber liebenswerten Typen nahezu perfekt zu charakterisieren.

Eine Inszenierung (Regie: Karin Maßen) von gewaltiger Wucht. Souverän verstand es das junge Ensemble, über bald zwei Stunden hinweg eine fesselnde Spannung aufzubauen. Kurze musikalische Zwischenspiele gaben dem Publikum Luft zum Atmen, zum Nachdenken, insbesondere jedoch zum Freuen über eine anrührende, zugleich poetisch-heitere Aufführung, die ohne Zweifel zu den Höhepunkten der 39. Theatertage zählt.


Oberbadisches Volksblatt vom 11. September 2001

"Das Land wandert und überall sterben Leute"

Freies Theater “Tempus fugit“ verwandelt Steinbeck-Roman in packendes Drama

LÖRRACH. Die große Sehnsucht, die Hoffnung auf ein besseres Leben treibt sie voran und ist Motor all ihren Handelns. In John Steinbecks Romanvorlage “Früchte des Zorns“ werden Menschen zu Wanderern, weil es dort, wo sie wohnen, keine Zukunft gibt. Vor Dürre, Hunger und Depression fliehen sie, um ein Land zu finden, in dem Milch und Honig fließen; nach Kalifornien, wo ihre Kinder in “hübschen kleinen weißen Häusern aufwachsen und Orangen und Pfirsiche essen können.“

In einer Bearbeitung dieses Prosastücks, unternommen von der freien Theatergruppe “Tempus fugit“, das unter der Führung von Karin Maßen im Nellie Nashorn Premiere feierte, gilt das eigentliche Geschehen dem Schicksal der Familie Joad. Sie macht sich auf, unter großen Strapazen und übermenschlich seelischem Aufwand dorthin zu gelangen, wo es ihnen besser gehen soll; ein Unterfangen, das scheitert, wie sich zeigen wird. Am Ende steht die Kapitulation vor der Gewalt der Herrschenden, einer Machtmoral, die zynisch ist und die die ersehnte Freiheit nicht gewährt, sondern bitter macht: “In den Herzen der Menschen wachsen die Früchte des Zorns und sie werden reif zur Ernte“ lässt Steinbeck einen der Protagonisten sagen.

Kunstfertigkeit und klares Regiekonzept erklären, warum es der Truppe gelingt, einen fetten “Schinken“ von über 500 Seiten auf eine passable Bühnenfassung zu reduzieren, in der nichts an Tiefenschärfe und Problematik der Vorlage verloren geht. Der Erzählstrang wird stringent geführt, und erlaubt, sich ganz auf die Entwicklung und Entfaltung der Personen im Stück zu konzentrieren. Als kleinstes gesellschaftliches System ist es zunächst die Familie, die es bis in innerste Mark trifft, was an Katastrophen um sie herum passiert. Die Herausforderungen an ihre Kraft ist enorm, das belegt dieses Stück eindrücklich.

Und darin liegt zum einem die große Leistung der jugendlichen Schauspieler, dass sie Vater, Mutter, Tom, Al, die beiden älteren Söhne, Rose, die schwangere Tochter, so intensiv erfühlen und überzeugend darstellen, dass man gar nicht anders kann, als sich irgendwann als Teil der Wandernden mitzuerleben, sich mit ihnen auf dem Treck unterwegs zur vermeintlichen Freiheit zu befinden.

Was anrührt, ist deren Naivität, ihre Ursprünglichkeit. Was sie denken, sagen, wie sie Gefühle äußern, ist ungekünstelt. Was sie brauchen äußern sie direkt, was sie schmerzt, wird nicht abgespalten. Zwar verwandeln sich Vater (Michael Greff) und Mutter (Sara Grochla) wechselweise in mehrere Personen; aber als Eltern der kleinen, verletzbaren Gruppe, zu der auch ein skurriler Prediger gehört, übernehmen sie ihren Part ganz hervorragend. Der Vater als Träumer, bedacht, die Mutter nicht ohnmächtig, beherzt und in aller Verzweiflung todesmutig genug, alle zusammenzuhalten. Ihre Liebe ist es, die Würde bewahren lässt: “Wir sind kein Bettelvolk, wir können was, wir hatten eine eigene Farm!“ Mit diesen Worten wehrt man sich dagegen, als “Oki“ degradiert und abklassifiziert zu werden.

Eindringlich und dicht sind die Stimmungen, die gezaubert werden, schwören Bilder herauf, die sich einprägen. Die Szenen im Wagen beispielsweise, in der die Familie summenderweise unter Gitarrenklang Träumen nachhängend nach vorne starrt, mit hoffnungsvollen und leeren Augen.

Bedrückend ist der Ausgang des Stücks, Kalifornien kein Land, in dem Milch und Honig fließen. Der, der die Freiheit und den Wohlstand suchte, muss erfahren, dass der, der mehr hat, nicht teilt, sondern ihn stattdessen ausbeutet. “Wie schwer es doch fällt, sich heute zu solidarischem Tun zu bekennen“, formuliert Karin Maßen in einer Einführung. Für den aufmerksamen Betrachter leuchten im Meer des geschilderten Elends jedoch Inseln auf, die belegen, dass es möglich ist, Freundlichkeit, Verstehen und Nähe zu leben, Würde und Solidarität zu schützen.

Das könnte eine der Botschaften sein, die man aus dem Stück mitnimmt. Aktualisierungsmöglichkeiten gibt es zuhauf: man nehme nur die gerade laufende Debatte um das Einwanderungsgesetz.

Dorothee Gebauer


Badische Zeitung vom 11. September 2001

Sieg der vielen Schwachen über die wenigen Starken

Theatergruppe "Tempus fugit" inszeniert "Früchte des Zorns" nach dem gleichnamigen Roman von John Steinbeck

LÖRRACH. "Wir werden nicht aussterben!" Dieser Satz kommt einem Glaubensbekenntnis gleich, wenn ihn Mutter Joad (überzeugend in allen Facetten Sara Grochla) in John Steinbecks "Früchte des Zorns" herausstößt, um ihrer Familie beizustehen oder um sich in Zeiten der Not selbst zu trösten. Es ist einer der Kernsätze des neuen Stückes des Theaters "Tempus fugit" im Nellie Nashorn, weil sich darin der Glaube Steinbecks an den Sieg der vielen Schwachen gegen die wenigen Starken manifestiert.

Hut ab vor Regisseurin Karin Maßen und den Schauspielerinnen und Schauspielern, die sich an das Experiment wagten, diesen Klassiker der amerikanischen Literatur zu dramatisieren und den 500seitigen Roman auf zwei Stunden zu reduzieren. In Episoden schildern sie den Weg einer amerikanischen Kleinbauernfamilie nach Westen, vom durch Naturkatastrophen ausgezehrten Oklahoma nach Kalifornien, wo laut Propaganda tückischer Anwerber Milch und Honig fließen sollen.

Einmal mehr ist die Route 66 Schauplatz des amerikanischen Traums, der sich je mehr sich die zwölfköpfige Familie Kalifornien nähert, in einen Albtraum verwandelt, aus dem es kein Erwachen gibt, auch wenn Ma Joad, so inbrünstig daran glaubt. Die Bühne eine einzige "Staubschüssel", ein Synonym für Oklahoma zur damaligen Zeit, am Boden Sand, an den Wänden Sand und mitten drin ein Baugerüst, das der Bühne eine zweite Ebene verleiht, mal ist es Haus, mal Lkw, mal Scheune und immer wieder Imbissbuden, wo die Suzies und Maes, wo die Minnies und ihre dazugehörigen Köche dastehen und das Geschehen auf der Straße des Elends kommentieren. Sechzig Jahre alt und aktueller denn je ist die Romanvorlage John Steinbecks, die Kapitalismuskritik, die den Banken die Rolle entmenschlichter Ungeheuer zuweist ist gar tagesaktuell. Und die Situation von Wanderarbeitern, modern von Wirtschaftsflüchtlingen, wie es im Stück einmal heißt, hat gar eine weltweite Dimension angenommen.

Die "Früchte des Zorns" im Kalifornien der 30er-Jahre eine verdichtete Form der Begleiterscheinungen der Globalisierung. "Unsere Familie ist das einzige, was bleibt", lehnt Ma Joad gegen ihren Ehemann auf, als sie bemerkt, wie die Familie zerbricht. Je weniger dieser mit den neuen Verhältnissen zurecht kommt, desto mehr wird sie zum Rückhalt der Familie. Auch wenn Steinbeck diesen Rollenwechsel in der Hierarchie der Familie, auf seinen Reisen mit den Wanderarbeitern damals beobachten konnte, ist ihm mit der Rückbesinnung auf Urmutter Gaia, die in dem Schlusstableau gipfelt, in dem die Tochter Rose nach einer Fehlgeburt einen sterbenden Wanderarbeiter an ihren Brüsten nährt, die Mystik durchgegangen.

Ein Verzicht auf dieses Schlussbild, hätte der modernen Inszenierung gut getan. Mit körperbetonten Sequenzen voller Tempo, mit aufs Wesentlichste reduzierten Mitteln, entgeht "Tempus fugit" ansonsten der Gefahr der Sentimentalität. Da braucht es nur Mützen, ein Gebetbuch, Strohsäcke, als begleitende Requisiten. Da steht die Tanzmusik aus der Konserve für ein neues Lebensgefühl und somit der selbst gespielten traditionellen Musik der irischen Wanderarbeiter (Ursula Oberle und Michael Greff) entgegen. Eine bemerkenswert eindrückliche Inszenierung, die den jungen Schauspielern einiges abverlangte, auch dem Zuschauer, denn auch von ihm fordert das Stück eindeutige Stellungnahme.

Martina David-Wenk
 

 
   
  Fotos von den Proben
   
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

Fotos: Thomas Quartier

   
 
 
Es spielen:
 
 
   
Britta Rechlin  
Matthias Meier  
Ursula Oberle  
Sara Grochla  
Michael Greff  
J. Felix Schrape  
   
Musiker  
   
Ursula Oberle Flötistin und Sängerin
Richard Alf Pianist
Stephanie Keller Studentin
Michael Greff Gitarre und Didgeridoo
Firouz Falah Percussion
Benedikt Reising Saxophon
   
Helfer  
   
Ingrid Schlageter  
Michael Markoni  
Holger Goeller  
Florian Porsche  
   
Dank gilt zudem der gesamten Infrastruktur des Nellie Nashorn Lörrach, Nichtsdestotrotz e.V., speziell Anette und Yvonne
 
 

 

 

 

IMPRESSUM

 

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